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Rubesco, San Giorgio, Aurente und Co. (Teil 2)

1974 war es soweit, das Weinmuseum öffnete in gleich 20 Sälen, mitgestaltet auch von solchen Koryphäen wie Italiens Weinpapst und Freund des Hauses, Attilio Scienza. Ob nun die an der Eingangswand präsentierten steinernen Ausgüsse (Italienisch: Bocce di canale) aus Travertin, die aus der Gegend von Perugia und dem 16. bis 18. Jh. stammen und einst zum Abführen des Saftes der frisch gepressten Trauben benutzt wurden, die Kylix mit den „großen Augen“, aus Vulci (spätes 6. Jh. v. Chr.), eine getöpferte Trinkschale mit schwarzen Figuren eingeritzten Details und Inschrift „Phrynos schuf (diese Schale), ist glücklich“, oder die gerade erst nach sieben Restaurierungsjahren wieder ausgestellte etruskische Sammlung an Weingefäßen (Italienisch: Corredo Vinario Etrusco; Bronze, 4. – 3. Jh. v. Chr.).

Prächtige etruskische Weingefäße, nach sieben Jahren Restaurierung nun wieder zurück im Weinmuseum MUVIT in Torgiano. Foto: Ellen Spielmann
Prächtige etruskische Weingefäße, nach sieben Jahren Restaurierung nun wieder zurück im Weinmuseum MUVIT in Torgiano. Foto: Ellen Spielmann

Highlight reiht sich an Highlight. Da ist eine gigantische, 13 m lange Weinpresse aus dem 18. Jh. ebenso zu bewundern wie ein Weinfässchen mit bischöflichem Wappen aus vergoldetem Holz, das aus der Stadt Gubbio (Umbrien) und dem 18. Jh. stammt, oder eine kuriose bauchige Militärfeldflasche aus Holz und Eisen, gefertigt in Deutschland in der ersten Hälfte des 16. Jh.s, die für Wasser, Wein oder Schießpulver (!) genutzt werden konnte: Großartig bestückt sind alle Ausstellungsräume, die auch herrliche kostbare Keramiken, darunter eine besonders schöne des Weingottes Bacchus zeigt, die aus der Werkstatt der Familie della Robbia aus dem Florenz des 16. Jh. stammt und Girolamo della Robbia, dem Sohn von Andrea della Robbia zugeschrieben wird.

Nicht genug damit: Im Jahr 2000 öffnete auch noch gleich um die Ecke das Olivenölmuseum MOO: Hier zeigt die Stiftung Lungarotti in elf Räumen die unendliche Geschichte und Kunst der Olivenölherstellung anhand hunderter Artefakte. Großartig sind die historischen Ölmühlen und -pressen, großartig ist die opulente Sammlung der Öllichter!

Artefakte aus vergangenen Zeiten des Weinmachens. Foto: Ellen Spielmann
Artefakte aus vergangenen Zeiten des Weinmachens. Foto: Ellen Spielmann

Ein einzigartiges Artefakt ist eine Öllampe (Italienisch: lucerna trilicne), 620 – 610 v. Chr. aus Parischem Marmor (Marmor von der griechischen Insel Paros) geschaffen, die dem Daedalus-Stil (Italienisch: arte dedalica) zugeschrieben wird. Erstaunlich, dass Olivenöl früher fast ausschließlich zur Konservierung genutzt wurde. Erst ab dem 17./18. Jh. gelangte es schließlich auch in Salate und auf den Tisch. Spätestens nach diesem Besuch kann man sich natürlich auch gleich mit hervorragendem Olivenöl eindecken. Denn solches produziert Lungarotti neben Weltklasseweinen wie dem Rubesco Riserva tatsächlich auch! Schließlich lockt auch noch der hauseigene Agriturismo Poggio alle Vigne mit der Übernachtung in Torgiano – das perfekte Angebot für Önotouristen schlechthin!


Informationen:

Cantine Lungarotti, www.lungarotti.it

Agriturismo Poggio alle Vigne, www.lungarotti.it/ita/ospitalita, www.poggioallevigne.it

Weinmuseum MUVIT, www.muvit.it/museodelvino

Fotos: Ellen Spielmann