Als russische Adelige das Tessin entdeckten
Die Geschichte der Villa Castagnola beginnt bereits Ende des 19. Jahrhunderts. Wohlhabende Reisende aus ganz Europa entdeckten die Region des Tessin für sich, angezogen vom milden Klima, der wunderschönen Landschaft und einer Lebensart, die mediterran daherkommt, sich ein wenig abhebt von anderen Regionen der Schweiz. 1880 ließ sich die russische Adelsfamilie Von Ritter direkt am Seeufer eine Residenz errichten. Einerseits bot dieser Ort Ruhe und Privatsphäre, andererseits lag das Zentrum von Lugano nur wenige Minuten entfernt.
Grandezza ohne Protz
Schon von außen besitzt die Villa Castagnola eine Präsenz, die fast schon fesselt. Es ist keine protzige Architektur, keine überdimensionierte Hotelfassade, die Aufmerksamkeit erzwingen möchte. Das Gebäude vermittelt eher jene Eleganz, die einem Grand Hotel eigen ist. Eine schöne Fassade mit den hohen Fenstern und der Terrasse zum Garten, Aussicht auf den davor liegenden See. Ein perfektes Bild.
Der Luganer See als Begleiter
Der See spielt für das Hotel und die Region unumwunden die Hauptrolle. Morgens aus dem Fenster schauen oder von den Balkonen die Blicke über den See schweifen lassen, die Ruhe genießen, wenn die ersten Sonnenstrahlen auf die umliegenden Berge scheinen, während am gegenüberliegenden Ufer langsam das Leben beginnt. Die Atmosphäre hat gerade dann seinen ganz besonderen Zauber.
Für Genießer ist die Villa Castagnola allerdings weit mehr als ein schönes Hotel. Denn Kulinarik besitzt hier einen Stellenwert, der in einem historischen Ambiente zelebriert wird. Das fällt bereits beim Frühstück auf. Statt austauschbarer Standardprodukte dominieren Qualität, Regionalität und eine bemerkenswerte Liebe zum Detail. Mehr als ein Dutzend Körbe beherbergen am Buffet Brote und Brötchen. Highlight dürfte für viele Genießer der angebotene und aus der Region stammende Bresaola sein.
Richtig spannend wird es allerdings am Abend. Im hoteleigenen Restaurant Le Relais verbindet die Küche von Chefkoch Alessandro Boleso mediterrane Einflüsse mit den kulinarischen Traditionen des Tessins. Die Nähe zu Italien ist auf der Speisekarte unverkennbar. Frische Kräuter, hochwertige Fischgerichte, hausgemachte Pasta und saisonale Produkte spielen die Hauptrollen.
À-la-carte oder Degustationsmenü, im Le Relais ist die Auswahl reichhaltig. Viele Klassiker wie Lammrücken mit Minzsauce, Florentiner Steak oder auch Wolfsbarsch in Salzkruste stehen hier auf der Karte. Aber auch vielleicht eher ungewöhnliche Dishes gibt es hier. Carnaroli-Risotto mit Erbsencreme mit glasiertem Aal und fermentierten Johannisbeeren ist durchaus solch ein Gericht.
Spannend ist auch das Saiblingstartar mit mariniertem Sellerie und gerösteter Maissauce. Perfekt gegart kommt hier auch ein Schwarzer Kabeljau mit geschmorten Agretti und Knoblauchsauce an den Tisch. Wahlweise werden hier Weine kredenzt, die gerade für diese Region typisch sind. So zum Beispiel der Marisa 2024 vom Weingut Castello di Cantone. Als Bianco de Merlot ist der Wein ein besonderer, reinsortiger Weißwein. Gekeltert aus roten Merlot-Trauben (Blanc de Noirs), zeichnet er sich durch Eleganz, Frische und eine feine Struktur aus, die durch die Vinifikation in kleinen Mengen entsteht. Diese Art von weißen Merlots ist ungewöhnlich, aber mehr als interessant.
Lugano – entspannte Stadt
Dass die Villa Castagnola so gut funktioniert, liegt nicht zuletzt an ihrer Umgebung. Lugano gehört zu den Städten, die durchaus als besonders beschrieben werden kann. Offiziell befindet man sich in der Schweiz, das Lebensgefühl wirkt jedoch durch die geografische Lage erstaunlich italienisch.
Die historische Altstadt lädt zum Flanieren ein, kleine Plätze wechseln sich mit eleganten Einkaufsstraßen ab – und die Seepromenade komplettiert das stimmige Bild. Besonders reizvoll ist die Mischung aus Natur, urbanem Leben und der Möglichkeit mit einer Seilbahn auf den Monte Brè oder den Monte San Salvatore zu gelangen um das Panorama zu genießen…
Informationen:
Fotos: Michael Schabacker, Villa Castagnola










