Dieses Mal gibt sich Ermenegildo „Joe“ Giusti höchstpersönlich die Ehre, um uns in der Lobby der Weinkellerei zu begrüßen. Vergnügt schmunzelnd wird der 72-jährige, der mit 17 Jahren nach Vancouver in Kanada auswanderte und es dort mit einer großen Baufirma, der Giusti Group, zu einem Milliardenvermögen brachte, um dann in seine Heimat zurückzukehren und 2002 Giusti Wine zu gründen, später beim Abschied ein „We`ll see us again“ in die Runde werfen.
Dabei standen eingangs eher Sorgenfalten auf seiner Stirn. Tags zuvor hatte ein nur Minuten andauernder Hagelschauer einen Gutteil seiner inzwischen 144 Hektar Land mit Weinbergen malträtiert. Es drohten hohe Ernteausfälle und Verluste. Die Bestandaufnahme war noch im Gange, aber so gravierend wie ursprünglich befürchtet ist das Desaster doch wohl nicht ausgefallen. Und Joe Giusti kann so etwas – im Gegensatz zu vielen Klein-Winzern im über 400 Mitglieder umfassenden Weinkonsortium Asolo Montello – dank hoher finanzieller Polster gut verkraften. Manche nennen ihn hier auch den „Trump von Asolo“.
Und tatsächlich gibt es eine gewisse Ähnlichkeit bei Frisur und Gesichtszügen mit dem aktuellen US-Präsidenten. Und auch Joe Giusti steht privat für „family first“: Eine Reihe der Landgüter (Tenute) und Weinberggebiete von Gisuti Wine und viele Etiketten sind nach Familienmitgliedern benannt. Und beim Rundgang um die gewaltige Produktionshalle samt Serien von Stahltanks stößt man immer wieder auf Fotos seiner Söhne, Kinder und Enkeln. Und die Bronzeplastik von drei springenden Pferden am Eingang zum Weinkeller erinnert einerseits an die drei Söhne, andererseits aber auch an den ungebrochenen permanenten Elan von Joe Giusti, der es sich zum Ziel gesetzt hat, eines der bedeutendsten Weingüter der Region aufzubauen. Mit Erfolg!
Start mit Gold! Der Giusti „Oro“
Nach dem Rundgang geht es kurz zum Besuch auf die herrlich konzipierte Dachterrasse mit weitem Blick bis hinüber zur Ruine der uralten, 1062 gegründeten Abteianlage Abbazia di Sant`Eustachio. Die noch immer mit Fresken geschmückte Anlage, im Ersten Weltkrieg Im Gefolge der 12. Isonzo-Schlacht Ende Oktober 1917 bis Juli 1918 wie ganz Nervesa völlig zerstört, ließ Giusti auf eigenen Kosten restaurieren und so zu einem schmucken Ausflugsziel werden. Nur wenig weiter steht die Einsiedelei San Girolamo, ebenfalls von Giusti restauriert, der hier oft seine Kindheitstage verbrachte und im nahen Volpago del Montello aufwuchs.
Und gut auch: Nahebei öffnet zudem das im Giusti-Besitz befindliche Landhaus Abbazia, das nun als B&B natürlich auch für Gäste und Besucher von Giusti Wine dient. Inmitten der herrlichen Weinberge stört nur der Kirchturm von Nervesa ein wenig. Der entstand indes neu in der Mussolini-Zeit.
Ein Stockwerk tiefer erleben wir dann im rundum verglasten großen Degustationssaal mit dem Giusti „Oro“ Asolo Prosecco DOCG 2024 Extra Brut gleich zu Beginn ein Wahres Wunderwerk der Weinkultur. Verantwortlich dafür zeichnet niemand Geringeres als Star-Winzerin und Önologin Graziana Grassini, die auch für die Herstellung des berühmten Supertoskaners „Sassicaia“ steht. 100 Prozent Glera-Trauben von der Tenuta Valentina als Basis, dazu der Versuch, einem dem Metodo Classico vergleichbaren Schaumwein zu erzeugen, der aber trinkbar wie ein Prosecco sein sollte. Perfekt.
Mit nur 0,5 g/l Zucker und 11,5 Prozent Alkoholgehalt ist dieser großartige Prosecco eine „Evolution in der Flasche“. Er passt perfekt zu Fischgerichten, zu Ziegenkäse, oder Risotto mit Zucchini, ist aber natürlich auch als Aperitif große Klasse! Und auf dem Etikett garantiert Graziana Grassini mit ihrer Unterschrift für die hohe Qualität.
Großes Portfolio der Extraklasse
Mit dem Giusti Asolo Prosecco Superiore DOCG Extra Brut 2025 folgt ein weiterer Prosecco der Spitzenklasse mit elf Prozent Alkoholgehalt und nur 3,5 Gramm/Liter Zucker. Die dritte Kostprobe, ein Asolo Prosecco Superiore DOCG Brut mit sieben Gramm Zuckergehalt, ist dann sicher etwas Richtiges für den deutschen Markt – ein klassischer Prosecco! Überraschend sehr gut ist dann aber auch Giustis Asolo Prosecco Superiore DOCG Extra Dry mit 14 g/l Zucker.
„Gabriele“, „Augusto“, „Umberto I“
2002 starteten Joe Giusti und Gattin mit den ersten zwei Hektar Weinbergen. Und der Grundgedanke blieb erhalten: Weintrauben in einem respektvollen, nachhaltigen Umgang mit der Umwelt und der Schönheit der Landschaft gedeihen zu lassen. Zudem passte Giusti sich der Karsterde des Montello an, die reich an Eisenoxyd ist und daher „terra rossa“, „rote Erde“ genannt wird.
Und Joe Giousti, seit 2007 mit der Ehrendoktorwürde ausgestattet, gab jedem seiner nun zehn Landgüter (Tenute) eine spezifische Ausrichtung. Auf der Tenuta Maria Vittoria wird Glera für den Prosecco Superiore DOCG gepflanzt. Die Tenuta Abazia, direkt an der Abteiruine gelegen, hegt und pflegt mehrere Rebsorten: Merlot, Cabernet Sauvignon, Cabernet Franc, Petit Verdot, Pinot Nero und Chardonnay für die Cuvée-Weine und Manzoni Bianco und Glera für den Passito Bianco.
Hier befindet sich auch der Fasskeller für den zweiten Flaggschiffwein von Giusti, der nur in den besten Weinjahren produziert wird: Wir verkosten den rubinroten „Umberto I Montello Rosso Superiore DOCG 2022“. Dies Flaggschiff von Giusti ist nach dem Großvater von Ermenegildo, Umberto Primo benannt, der noch einfacher Winzer war. Denn die Weinbautradition reicht bei Giusti bis 1870 zurück. Der Blend wird aus besten Merlot- und Cabernet Sauvignon-Trauben hergestellt und lagert 24 bis 30 Monate in Barriques.
Die Tenuta Sienna mit dem Super-Weinkeller produziert Glera für den Asolo Prosecco Superiore DOCG. Die von Eichen- und Kastanienwäldern umgebene Tenuta Emily hingegen, eine Oase in der Landschaft, widmet sich vor allem der uralten autochthonen Traube Recantina, die für die Herstellung des wunderbaren Giusti-Rotweins „Augusto“ reserviert ist. Der „Augusto Recantina Asolo Montello DOC“ ist eine Hommage an Joe Giustis Vater und ein potenter Roter, der 14 Monate in großen Fässern aus slawonischer Eiche lagerte und mit Noten von Pflaume und Cassis überzeugt.
Und Giusti und weitere beteiligte Winzer haben die Recantina-Rebe mit Neupflanzungen vor dem Aussterben bewahrt. Schließlich eine Koinzidenz besonderer Art: Auf dem Areal der Tenuta Amalia stürzte im Ersten Weltkrieg der 19 Jahre alte kanadische Pilot Donald Gordon McLean ab und verlor sein Leben. Ihm widmete Ermenegildo Giusti ein Denkmal und finanzierte auch den Nachbau des Doppeldeckers von McLean, einer englischen Sopwith Camel MT2494.
Dank der Tenuta Ava (für Glera), der Tenuta Aria Valentina (sieben Rebsorten, darunter Recantina) und in der Piave-Ebene der Landgüter Rosalia (Glera), Case Bianche und vor allem Rolando wächst Giustis Portfolio noch weiter. Man sollte durchaus auch den roten „Antonio“, die neuen Pinot Grigio und Pinot Nero, den Chardonnay Glera und Chardonnay und die neueste Errungenschaft, den weißen „Gabriele“ probieren. Wir testen Giustis „Gabriele Asolo Montello DOC 2024“, ein exzellenter Wein aus Manzoni Bianco mit 12,5 Prozent Alkoholgehalt, der sich sehr gut zu Spargel-Risotto oder San Daniele-Schinken eignet. Und, keine Frage: Der Selfmade-Milliardär Joe Giusti und sein Team sind längst ein Aushängeschild des Weinbaugebietes Asolo Montello – mit weltweitem Export!
Informationen:
Società Agricola Giusti Dal Col: www.giustiwine.com
Abbazia di Sant`Eustachio: www.abbaziasanteustachio.com
Consorzio Vini Asolo Montello: www.asolomontello.it
Fotos: Giusti Wine, Jürgen Sorges









