Foodie

Toskana auf dem Teller – Regionalität ohne Inszenierung

Das Atto di Vito Mollica ist ein mit einem Michelin-Stern ausgezeichnetes Gourmetrestaurant im Herzen von Florenz. Es befindet sich im historischen Palazzo Portinari Salviati. Bereits im Bistrot wird eine elegante, raffinierte Küche geboten, die traditionelle mediterrane Aromen mit saisonalen, regionalen Produkten verbindet. Die Kochkunst ist von einer Klarheit geprägt, die fast zurückhaltend wirkt und gerade deshalb in Erinnerung bleibt. Spargel trifft auf Safranrisotto – weich und doch strukturiert –, begleitet von knusprigem Guanciale, das dem Gericht eine salzige Erdung verleiht. Das Beef Medallion mit Frühlingszwiebeln setzt einen präzisen, beinahe stillen Kontrapunkt. Und selbst das Dessert – karamellisierter Cheesecake-Pudding mit Mangoeis – bleibt leise und verbindet Süße mit einer mediterranen Leichtigkeit, die nicht konstruiert wirkt, sondern gewachsen.

Toskanische Küche mit Blick auf den Arno

Ganz anders präsentiert sich die Küche des L’Alfieri in historischen Mauern. Das Restaurant begrüßt seine Gäste direkt am malerischen Lungarno Corsini mit traumhaftem Blick auf die Ponte Santa Trinita. Ob stilvolles Dinner, entspannter Aperitif oder ein Drink am Abend – hier genießen Besucher kulinarische Momente in besonderer Atmosphäre, begleitet von romantischen Sonnenuntergängen über den Dächern von Florenz.

Kulinarik im L’Alfieri. Foto: Carola Faber
Kulinarik im L’Alfieri. Foto: Carola Faber

Hier wird Regionalität nicht als Strenge verstanden, sondern als Spielraum. Die „Sgranocchi“-Auswahl ist kein klassischer Gang, sondern eine Sammlung kleiner kulinarischer Stimmen: Spiced Tortellini Popcorn, gefüllt mit Fleisch und Prosciutto crudo, begleitet von einer Pecorino-Creme, die alles zusammenhält. Chicken Bites mit Limettenmayonnaise bringen Säure und Frische, Falafel-Bällchen mit Baba Ghanoush, Sesam und Zitrone öffnen den Blick Richtung Mittelmeerraum. Dazu kommen Süßkartoffelsticks, frittiert und weich im Kern, sowie panierte Gemüsevariationen mit süß-saurer Sauce – eine Küche, die nicht trennt, sondern verbindet.

Im ersten Gang verdichtet sich diese Bewegung: Chianti Classico Disraspini, das „Chef’s Signature Dish“, getragen von knusprigem Pancetta, Kirschtomaten und Oliven. Hier spricht die Toskana selbst – nicht als Konzept, sondern als Produktlandschaft. Der Hauptgang bleibt dieser Linie treu: gegrilltes Rinderfilet, begleitet von herb marinierten Florentiner Tomaten und Ofenkartoffeln mit Salbei und Rosmarin. Alles wirkt vertraut, aber nicht banal – eher wie eine Erinnerung an eine Küche, die nie den Anschluss an ihre Umgebung verloren hat.

Im Innenhof der Fondazione Museo Franco Zeffirelli. Foto: Carola Faber
Im Innenhof der Fondazione Museo Franco Zeffirelli. Foto: Carola Faber

Zum Abschluss die Crêpe Flambée, gefüllt mit Vanillecreme und Orangenkaramell. Ein Dessert, das nicht überrascht, sondern zusammenführt – Hitze, Süße, Frucht und Flamme.

Speisen im prachtvollen Ambiente

Im geschichtsträchtigen und prachtvoll ausgestatteten Palazzo Borghese wird das Essen zum gesellschaftlichen Ereignis, kuratiert von der Associazione Italiana Cuochi. Hier verschmelzen Gastgeberschaft und Küche zu einem bezaubernd choreografierten Abend.

Im Sinestesia, einem neu eröffneten Restaurant im Innenhof der Fondazione Museo Franco Zeffirelli, verschiebt sich der Fokus erneut. Hier wird köstliche regionale Küche – etwa Pappa al Pomodoro – in ein kulturelles Umfeld gesetzt, das sie nicht verändert, sondern rahmt. Das Ambiente trägt die Gerichte, nicht umgekehrt. Geschmack wird hier zu einer Form der Erzählung, die sich zwischen Theater, Musik und toskanischer Bodenständigkeit bewegt.

Raffinesse mit italienischer Seele

Mitten in Florenz verbindet das Relais Le Jardin kulinarische Raffinesse mit tief verwurzelter italienischer Tradition. Die Küche versteht sich hier nicht als Museum, sondern als lebendige Erzählung: regional geprägt, kreativ weitergedacht und stets überraschend. Zwischen feiner Ästhetik und präzisen Aromen entstehen Gerichte wie kleine Wegmarken einer kulinarischen Reise – von der fermentierten „Tiella in fermento“ bis zum expressiven Risotto „Meracinque“, das Rauch, Meer und Säure virtuos vereint. Den leisen Schlusspunkt setzt das „Sospiro di Bisceglie“ – ein Dessert, das weniger endet als nachhallt.

Relais Le Jardin: regional geprägt, kreativ weitergedacht. Foto: Carola Faber
Relais Le Jardin: regional geprägt, kreativ weitergedacht. Foto: Carola Faber

Zwischen Museum, Restaurant und Palazzo entsteht so ein kulinarisches Bild von Florenz, das nicht auf Effekte setzt, sondern auf Herkunft. Regionalität zeigt sich hier nicht als Schlagwort, sondern als Haltung: als bewusste Nähe zu Produkten, Landschaften und Traditionen, die nicht neu erfunden werden müssen, um relevant zu bleiben.

Tipp: Das renovierte Rivoli Boutique Hotel ist eine Oase im Herzen von Florenz. Es vereint Geschichte, Stil und italienische Gastfreundschaft in den Mauern eines ehemaligen Franziskanerklosters aus dem 14. Jahrhundert. Individuell gestaltete Zimmer schaffen ein persönliches Wohlfühlerlebnis mitten in Florenz. Direkt gegenüber der berühmten Officina Profumo di Santa Maria Novella gelegen, genießen Gäste authentisches Florenz-Flair und maßgeschneiderten Vier-Sterne-Komfort in außergewöhnlicher Atmosphäre.


Informationen:

www.visittuscany.com

Fotos: Carola Faber

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