Hier trifft man sich eher drei Kilometer außerhalb im gerade 88 Einwohner zählenden Ortsteil San Vito: Bis zu 30 Meter hoch ragt hier die Fassade der Abbazia di San Vito Martire (Sankt Vitus/Veit der Märtyrer-Abtei) über Strand und Hafen auf, über dem zudem ein restaurierter Sarazenenturm wacht. Das Kloster ist vielfältig berühmt, bei Gourmets zum Beispiel, weil ringsum auf den Feldern di Carota di Polignano, die Karotte von Polignano wächst, deren Qualität Slow Food rühmt.
Auch sonst haben die Restaurants vor Ort einiges, vor allem großartige Meeresfrüchte zu bieten: Allen voran das Ristorante La Veranda di Giselda, wo man auf der überdachten Terrasse kostengünstig speist und herrlich sitzt, wenn nicht gerade eine lokale Hochzeitsgesellschaft alle Tische okkupiert. Laut Legenden wurde San Vito als Apanestae an der Via Traiana in antiker griechisch-römischer Zeit gegründet. Im 6./7. Jh. siedelten sich hier Basilianermönche an. Die Legende will auch, das 801 n. Chr. die Gebeine des katholischen Heiligen Sankt Veit/Sankt Vitus des Märtyrers hierher gelangten. Im 10. Jh. wurde dann das Benediktiner-Kloster Abbazia di San Vito Martire gegründet, Zisterziensermönche folgten. Schließlich übernahm 1866 die örtliche Adelsfamilie der Markgrafen La Greca das Kloster in Privatbesitz, mit Ausnahme der kleinen romanischen Kirche. Diese frühere Klosterkirche bewahrt weiterhin angebliche Reliquien des heiligen Vitus/San Vito: den Knochen eines Arms und eine Kniescheibe. Dazu grüßt San Vito vor dem Bau als Statue von hohem Sockel.
Überhaupt nicht vor Polignano zu verstecken braucht sich Molfetta zirka 40 Kilometer nördlich von Bari. Zwar ist die seit Langem versprochene Promenade am Hafen noch nicht fertig. Aber das Flair auch der wiederaufgebauten Altstadt ist einmalig, ebenso der alte Dom San Corrado oder der nachmittägliche Fischmarkt direkt von den Kuttern am Hafen. Hinzu gekommen ist neuerdings sogar schon ein großer Yachthafen mit Werft, die sich hinter dem wunderbaren Fischrestaurant Marechiaro etabliert hat. Sehr zu empfehlen ist für einen Aperitif auch das Café „Cipriani Drink Ice Coffee“ an der Banchina San Domenico. Dort gibt es zum Beispiel auch Weltbiersorten wie Grimbergen oder natürlich Spritz, ideal eher mit Campari.
Castel del Monte und Fiat 500
Direkt im Hinterland wartet Ruvo di Puglia mit herrlichem romanischem Dom, Altstadt und dem Nationalmuseum Jatta auf, das antike griechische Vasen der Spitzenklasse präsentiert. Danach locken gleich die kargen Murge und natürlich das ikonische Castel del Monte des Staunens der Welt und „Puer Apuliae“ („Sohn Apuliens“), des Stauferkaisers Friedrich II. Mit etwas Glück kann man in Ruvo im Frühjahr auch das alljährliche Treffen der Freunde des Fiat 500 erleben.
Der Cinqeucento, auch Cinquino genannt, Italiens Wirtschaftswunderauto wie bei uns der Käfer, erfreut sich nach wie vor größter Beliebtheit und wird wieder erfolgreich produziert. Großartig sind aber vor allem die Sonderanfertigungen, etwa des Fiat Abarth, des Fiat Giannini oder des sagenhaften Fiat 500 Vignale Gamine Cabrio, den man ab und an auch als Mietwagen erhalten kann. Einfach stylish!
Martina Franca statt Lecce, Locorotondo statt Alberobello
Wer sich auf die Spuren des apulischen Barocks begeben möchte, muss nicht in den Provinzhauptort Lecce oder nach Bari hinein! Ideal ist Martina Franca. An der Piazza Umberto I steht das von Kerzen und Blumen umstandene Bronzedenkmal für Padre Pio, vor dem zwei Kinder knien. In Martina Franca hätten selbst US-Präsidenten null Prozent Chancen mit einer Papstschelte! Davon zeugt das erhaltene barocke Stadttor Porta di Santo Stefano (Sankt-Stefanstor) aus dem 18. Jahrhundert, auf dem eine Reiterstatue des Heiligen Martin steht.
Daher wird es auch Arco di San Martino, Sankt-Martin-Torbogen, genannt. An den Innenwänden des Tors erinnern Gedenktafeln an den Besuch von Papst Johannes Paul II. in der Stadt samt Zitat aus seiner Rede und Ehrung der Bevölkerung für ihre Widerständigkeit gegen allfällige Versuchungen sowie eine von 2010 an Philip I. von Tarent, später als Philip II. auch Titularkaiser von Konstantinopel, der als Gründer 1310 die Stadt erstmals „Franca Martina“ nannte. Nur Schritte entfernt beweist die einen Olivenbaum zeigende Bronzeskulptur „Il futuro siamo noi“ („Wir sind die Zukunft“), 2024 vom Bildhauer Andrea Roggi geschaffen, das auch moderne Kunst mit Barock funktioniert.
Ein Höhepunkt ist dann die Piazza Plebiscito mit dem Uhrenturm des Palazzo dell`Universita, der 1734 – 1761 im Barockstil vollendet wurde. Er besitzt eine Zeiger- und eine Sonnenuhr. Hier sollte man in der Bar del Centro ein Päuschen samt Panino-Häppchen einlegen oder ringsum in einem der Ristoranti wie dem Garibaldi Bistrot speisen. Höhepunkt ist dann die Basilica di San Martino (Basilika Sankt Martin), die 1747 – 1785 im Barockstil erbaut, aber schon 1775 eingeweiht wurde. An der Fassade prangt als Basrelief das Reiterstandbild des Heiligen Martin, bemerkenswert ist auch das Bleiglasfenster mit Sankt Martin, der seinen Mantel teilt, an der Decke im Inneren.
Das sich anschließende Valle d`Itria, das Itria-Tal, ist dann die landschaftlich wunderschöne Heimat der Trulli. Aber es muss nicht immer das Trulli-Dorf Alberobello sein. Man findet hunderte Trulli auch ringsum in der Landschaft. Großartig ist auch die Stadtkulisse von Locorotondo mit der Hauptkirche Chiesa Madre di San Giorgio Martire. Und natürlich sollte man bei einem Abstecher ans Meer Ostuni besuchen. Dabei ist die „weiße Stadt am Meer“ von der Inlandseite her gesehen sogar spektakulärer als beim Blick von der Küste aus.
Kurioses in Manduria, Sensationelles in Galatina
Manduria, die uralte Stadt der Messapier und Griechen, bewahrt im Stadtnamen die Liebe und Pflege zu den Pferden, besitzt einen imposanten archäologischen Park und mit dem „Calvario“ („Kalvarienberg“) an der Piazza Vittorio Emanuele II ein Unikat: In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts schuf hier Giuseppe Renato Greco, Professor, auch Künstler und Maurer, dieses spezielles Kunstwerk, indem er Scherben von Porzellan, Keramik, Terrakotta, Muscheln und andere Objekte aus den Haushalten von Manduria einsammelte und dieses Sammelsurium zu einem dreidimensionalen Mosaik samt Statuetten zu Szenen aus der Passion Christi wandelte.
Am gleichen Platz beeindrucken such der Brunnen von 1933 und das riesige, kreisrunde „Denkmal für die Gefallenen aller Kriege“, das Künstler Vitantonio De Bellis 1966 errichtete. Zudem befindet sich auf dem Platz auch ein Denkmal für den ermordeten Politiker Aldo Moro, das 2008 enthüllt und vom zeitgenössischen Künstler Giuseppe Greco geschaffen wurde. Beeindruckend ist zudem der ab 1719 erbaute barocke Palazzo Imperiali-Filotico.
Ein uneingeschränktes Muss ist dann die einzigartige Basilica di Santa Caterina d`Alessandria in der Stadt Galatina, die ebenfalls griechische Wurzeln hat. Die Kirche, seit 1992 eine Basilica minor, wurde laut Tradition 1369 bis 1391 auf Anordnung von Raimondo Orsini del Balzo im romanischen und frühen gotischen Stil Apuliens erbaut, wohl auf Überresten einer früheren christlichen Kirche mit griechischem Ritus. Indes votieren manche auch auf den Baubeginn 1319 durch Raimondo del Balzo, Onkel von Raimondo Orsini.
Die Kirche sollte eine heilige Reliquie, einen Finger der hl. Katharina von Alexandrien bewahren. Im inneren wurde sie im 14. Jahrhundert komplett mit Fresken ausgemalt, die Anfang des 15. Jahrhunderts auf Anordnung von Maria d`Enghien, Königin des Königreichs von Neapel und Contessa von Lecce. erneuert wurden. Dazu rief sie auch Künstler aus der Schule von Giotto und der Sieneser Schule herbei. Mit nachhaltigem Erfolg. Der Eindruck ist einmalig. Linkerhand der Basilika lohnt zudem das Sankt-Katharinenkloster mit Kreuzgang, den Giuseppe da Gravina di Puglia 1696 ebenso vollständig mit Fresken ausmalte. Und Galatina bietet viele Plätze und Orte für kulinarische Genüsse.
Informationen:
La Veranda di Giselda: www.laverandadigiselda.shop
Fotos: Ellen Spielmann








