Foodie

THY Danish Whisky und TRI-Kochkunst (Teil 2)

Den besten Überblick über den THY Nationalpark hat man von den Leuchttürmen aus. Oben auf dem hübschen weißen „Hanstholm Fyr“ zaust der stete Wind, der einst erste Leuchtturm Dänemarks ist noch aktiv. Zu dem winzigen Gebäudeensemble gehört auch eine Kirche.

Wenige Schritte sind es von dort zum angesagten „Hanstholm Mad House“ direkt am Meer, wo köstliche, dänische Spezialitäten und alle einheimische Biere und Crafts serviert werden. Die Dänen verstehen es, zu schlemmen. Die Hanstholmer Räucherei „Det Gamle Røgeri“ stellt – so heißt es – Dänemarks beste Räuchereiprodukte her.

Nikolas Min Jørgensen (Mitte) mit seinem Team Charlotte Haugaard als Restaurantleiterin und seinem Sous Chef Lasse Westman sind seit kurzem „Bestes neues Restaurant in Dänemark“ und auch noch nominiert für das „Nachhaltigste Restaurant des Jahres 2022“. Foto: Mads
Nikolas Min Jørgensen (Mitte) mit seinem Team Charlotte Haugaard als Restaurantleiterin und seinem Sous Chef Lasse Westman sind seit kurzem „Bestes neues Restaurant in Dänemark“ und auch noch nominiert für das „Nachhaltigste Restaurant des Jahres 2022“. Foto: Mads

Der Geschmack des Limfjords

In Agger an der Nordseeseite leben etwa 400 Menschen. Das Restaurant TRI von Nikolas Min Jørgensen ist eine ehemalige Disco, heute ein Glaspavillon vom Sockel inklusive bis zum Dach. Hell, transparent und schlicht weiß gestaltet ist der Gästeraum, nur sieben runde Tische, weiße Schaffelle auf den Stühlen, Kerzenschein rundherum… einer erholsamen Insel im Sturm gleich. Im Giebel darüber befindet sich die Chill-Empore, dem Himmel nah – man kommt sofort an und fühlt große Ruhe, sobald man die gesamten Räumlichkeiten betritt. Im Westen, Norden wie im Osten ist das kleine Agger von Wasser umgeben: Der Nordsee, der Flade Sø und dem Krig Vik Fjord.

Alle Drei vom TRI haben sich der Region verschrieben. Sie verarbeiten den Reichtum der Natur und des Meeres direkt vor Ort, dazu gehören Fisch, Schalentiere, Wild, Geflügel, auch regionales Getreide, Wildkräuter, Beerenwie auch Eier, Milchprodukte, Gemüse oder Honig. Nikolas verwendet vielfach auch den sogenannten Beifang, vieles „fällt“ dem Team gewissermaßen direkt vor die Füße: die Zapfen der Bäume, die Strandgräser und die Limfjordauster.

Chill-Empore im Restaurant TRI. Foto: Uta Petersen
Chill-Empore im Restaurant TRI. Foto: Uta Petersen

„Wir bieten das, was in dieser Naturlandschaft gedeiht, auch mit Zutaten an, aus denen der Whisky von Jakob Stjernholm besteh“, sagt Nikolas. „THY Whisky spielt eine große Rolle in unserem Geschmacksprofil. Sowohl als Aromen direkt aber auch die Rauchnoten, das in „Gyrup“ hergestellte Malz, die Schale und sogar ihre verschiedenen Getreidearten werden bei uns als Aroma verwendet.“

Delikatessen direkt vor der Tür

Der 40-Jährige hat ein extrem feines Gespür für die Harmonie einzelner Zutaten in neuer, ungewohnter Konstellation. So serviert er als Willkommensgetränk etwa einen gekühlten Karotten-Apfelsaft mit Birkenrauch-Malz aus „Gyrup“ (dem Landgut des THY-Teams) und geräuchertem Getreideöl“.

„Zur richtigen Jahreszeit servieren wir immer eine Tartelette mit Steinkrabben und Gewürzgurken. Die knusprige Schale wird aus lokalem Mehl und Butter hergestellt, wir bekommen lebende Steinkrabben aus dem Limfjord, geliefert. Die Gurken sind von Mors, einer Insel im Limfjord. Den Essig zum Einlegen machen wir selbst, der Thy-Honig und die Dillblüten sind von denselben Feldern wie die Gurken“.

Normalerweise finde er Produzenten in seiner Nähe und baue dann sein Essen in ihre Aromen ein, sagt der kreative TRI-Chef… „wie es jeder Koch tun sollte“, fügt er hinzu.

Tartelettes mit geräucherter Muschelemulsion und einem Hauch von THY Sommeraromen. Foto: Uta Petersen
Tartelettes mit geräucherter Muschelemulsion und einem Hauch von THY Sommeraromen. Foto: Uta Petersen

In Dänemark ist es jedem gestattet, Austern zu sammeln. Sehr besonders ist die prächtige Limfjord-Auster. Sie hat einen hohen Eisengehalt und hat dadurch auch einen gewissen Eigengeschmack. Limfjord-Austern stehen fast immer auf Nikolas’ Speisekarte: Roh, gekocht oder als Zutat in einem Gericht. Nikolas’ Gruß aus der Küche ist eine sehr zarte Tartelette mit geräucherter Limfjordmuschel und mit einem Konfitüren-Hauch von den Aromen des Thy-Sommers. Oder auch „Pochierte Gigas-Auster mit Pinienessenz und salzigen Strandkräutern – mit gefrorener Buttermilch, Algen und wilden Stiefmütterchen“.

Einer der Abschlüsse bildet das  „Steinpilzeis mit karamellisiertem Honig und Haselnussöl“ – sein TRI-Signaturen Dish. Die vermeintlichen „Eierschalen“, in denen dieses Dessert serviert wird, sind – wie alle Teller und Gefäße – Produkte einer regionalen Keramikwerkstatt – die Thy-Seele lebt! Für die insgesamt 15 Gänge des TRI-Teams sollte man sich viel Zeit nehmen… und vorab anmelden, versteht sich!

Mit Butter porchierter Tintenfisch, Nobilis-Kiefernzapfen und angegossener Liebstöckelbrühe. Foto: Uta Petersen
Mit Butter porchierter Tintenfisch, Nobilis-Kiefernzapfen und angegossener Liebstöckelbrühe. Foto: Uta Petersen

Eine Weinkollektion aus ganz Europa

Ein kleiner, sehr persönlicher Weinkeller birgt vinothekische Überraschungen, perfekt zum Menue abgestimmt. Nikolas denkt jedoch global: „Dänemark ist noch nicht so stark in Weinen, aber es wird langsam besser. Wir sind ziemlich gut im Fruchtwein. Ich kooperiere beispielsweise mit dem „Weingut Coldhand“ und die „Brennerei Andersen“. Wir wählen unsere Wein-Kollektion aus ganz Europa aus. Deutschland, Slowenien, Ungarn, Frankreich, Spanien, Italien, Georgien etc. Und in Dänemark haben wir derzeit sehr viele, kleine Brauereien und Craft-Biere“.

Nikolas begann 2001 und arbeitete sich stetig hoch, nahm an Kochwettbewerben teil, wurde Kapitän des kulinarischen Teams Dänemarks. 2015 erhielt sein Arbeitsplatz „Substans“ eine Michelinstern und fünf Jahre später eröffnete er als kreativer Küchenchef sein eigenes Restaurant „Agger-Darling“.

Eine Trüffelvariante von Nicolas. Foto: Mads Krabbe
Eine Trüffelvariante von Nicolas. Foto: Mads Krabbe

Mit dem Gewinn „Durchbruch des Jahres“ und zwei Sternen des „National Eating Guide“ beschloss er, 2022 das Restaurant TRI zu eröffnen. Die Preise für sein Können häufen sich, das TRI ist bereit das beste neue Restaurant Dänemarks, von Kritikern schon als „Das vielleicht westlichste Spitzenrestaurant Dänemarks“ bezeichnet und selbst FORBES benennt das TRI „Dänemarks überraschender NEW HOT SPOT FOR FOOD – anders als erwartet“! Schwer sterneverdächtig, das TRI!

Alles zusammen erzählten das THY-Team Jakob und Marie Stjernholm, Andreas Poulsen und Ellen Nicolajsen wie auch dasTRI-Team Nikals Min Jørgensen, Lasse Westman und Charlotte Haugaard die Geschichte der wasserumspülten Region Thy. Sprechen die Sprache einer respektierten, unverfälschten Natur. Mittlerweile machen sich Whisky Kenner und Gourmets aus der ganzen Welt eigens auf in die Thy Region für neue lukullische Erlebnisse der Extraklasse!

Übernachten kann man weder auf dem „Gyrup-Landgut“ noch im TRI Restaurant.
Doch rundherum gibt es romantische Hotels, Ferienhäuser und besonders das schön renovierte „Bauernhaus Agger“.


Informationen:

www.restaurant-tri.com

www.thy-whisky.dk

www.visitnordvestkysten.de

Fotos: Thy Danish Whisky Distillery, Mads Krabbe, Uta Petersen

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