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Sicilia en Primeur 2026

Unter dem diesjährigen Motto „Taste the Island. Live the Story“ rückt Sicilia en Primeur den Wein nicht allein als Produkt in den Mittelpunkt, sondern als Teil eines umfassenden kulturellen Erlebnisses. Im Fokus stehen Landschaften, Geschichte, Kunst und regionale Identität – Aspekte, die den sizilianischen Weinbau ebenso prägen wie Rebsorten und Terroirs.

Eröffnet wurde die Veranstaltung im historischen Oratorio dei Bianchi mit einer Konferenz zum Thema Weintourismus. Im restaurierten Real Albergo delle Povere aus dem 18. Jahrhundert präsentierten sich die 56 teilnehmenden Weingüter mit ihren neuen Jahrgängen und Vorpremieren. Die direkte Begegnung zwischen Produzenten und Fachpresse stand dabei ebenso im Mittelpunkt wie die Vielfalt der sizilianischen Weinwelt – von etablierten Namen bis hin zu jungen, aufstrebenden Betrieben.

Am Abend lud der Palazzo Sant’Elia zur traditionellen Wine Party. Dort wurde auch die Zusammenarbeit mit „La Sicilia di Ulisse“ erneuert, einer Vereinigung, die gemeinsam mit Assovini Sicilia die kulinarischen und önologischen Spitzenleistungen der Region fördern möchte. 

400 Weine im Fokus der Fachwelt

Ein fachlicher Schwerpunkt lag auf der großen technischen Verkostung mit mehr als 400 Weinen. Gleichzeitig wurde der Erntebericht 2025 vorgestellt – ein umfassender Überblick über die Entwicklungen in den wichtigsten Weinbaugebieten der Insel.

Verkostung mit mehr als 400 Weinen. Foto: Carola Faber
Verkostung mit mehr als 400 Weinen. Foto: Carola Faber

Erarbeitet wurde der Bericht von den Önologinnen Lorenza Scianna, Maria Carella und Serena Cancemi. Ihre Analyse zeichnet das Bild eines Jahrgangs, der für viele Produzenten einen Wendepunkt markiert. Nach zwei schwierigen Jahren habe sich der Weinbau in vielen Regionen stabilisiert und zu seinem natürlichen Rhythmus zurückgefunden.

Serena Cancemi bezeichnete 2025 im zentral-südlichen Sizilien rund um Agrigent und Caltanissetta als „ein Jahr der wiederentdeckten Qualität, gekennzeichnet durch eine Trendwende mit einem Produktionsanstieg von 20 Prozent und vollkommen gesunden Trauben.“

Lebendige Säure und ausgeprägte Aromatik

Besonders hervorgehoben wurde der ausgewogene Verlauf der Weinlese: „Die Weinlese verlief wie eine perfekte Symphonie: Von den frühreifen Rebsorten im August bis hin zum Nero d’Avola im Oktober konnte jede Rebsorte ihren Zyklus ohne Überschneidungen abschließen und dabei lebendige Säure sowie ausgeprägte Aromatik bewahren.“

Auch die Weinregion rund um den Ätna blickt laut Maria Carella auf einen klassischen und qualitativ hochwertigen Jahrgang zurück. „Die Weinlese 2025 unterstrich die natürlichen Unterschiede der Hänge des Ätna: Während der Norden von einer langsamen und gleichmäßigen Reifung profitierte, konnte der Süden dank hervorragender Wasserreserven seine natürliche Sonnenfülle ausgleichen. Die Qualität der Trauben ist dank der ausgezeichneten Gesundheit der Reben und der perfekten Balance zwischen Zucker und Säure sehr hoch.“

Real Albergo delle Povere. Foto: Carola Faber
Real Albergo delle Povere. Foto: Carola Faber

Für das Gebiet um Ragusa beschrieb Carella ein Jahr mit viel Sonne, jedoch ohne extreme Hitze: „Im Gebiet von Ragusa war es ein sonniges, aber nicht heißes Jahr“, so Carella weiter, „das Weine mit großer aromatischer Ausdruckskraft, weichem Stil, Modernität und klarer Terroir-Identität hervorbrachte.“

Auch Lorenza Scianna sieht in den Weiß- und Rotweinen des Jahrgangs deutliche Qualitätsmerkmale. „Die Weißweine“, erklärt sie, „zeigen eine ausgeprägte sortentypische Aromatik, begleitet von Frische und angenehmer Trinkbarkeit. Es fehlt die tanninbetonte Härte, die häufig bei heißen Jahrgängen auftritt.“

Zu den herausragenden Weinen der Rebsorte Carricante zählen unter anderem ein Etna Bianco DOC Muganazzi von Graci oder ein Etna Bianco Superiore Praino Frontemare von Maugeri. 

Neben den Verkostungen widmete sich Sicilia en Primeur auch der kulturellen Bedeutung des Weins. In mehreren Gesprächsrunden diskutierten Journalistinnen, Wissenschaftler und Branchenvertreter über Esskultur, Sprache, Gastfreundschaft und neue Formen des Reisens.

Anastasia Moroaica vom Weingut Brugnano. Foto: Carola Faber
Anastasia Moroaica vom Weingut Brugnano. Foto: Carola Faber

Wein als kulturelle Sprache der Insel

Die erste Diskussionsrunde stand unter dem Titel „Der kulturelle Wert des Weins in der italienischen Küche und die verschiedenen Formen der Kommunikation“. Der Journalist Francesco Seminara moderierte Gespräche mit dem Schriftsteller und Journalisten Gaetano Basile, dem Semiotik-Forscher Francesco Mangiapane von der Universität Palermo sowie der Gastronomiekritikerin Adele Pupella. 

Dabei ging es unter anderem um die Rolle von Essen und Wein im kollektiven Gedächtnis, um regionale Identität und um die Frage, wie Kommunikation die Wahrnehmung von Genuss und Herkunft prägt. „Mein Großvater setzte sich erst an den Tisch wenn die Kerze angezündet und die Flasche geöffnet war. Als ich etwa vier Jahre alt war, ließ er mich das erste Mal Wein probieren. Nur einen Tropfen. Er lehrte mich, den Wein zu verstehen und in Maßen zu genießen. Diese Kultur ist leider verloren gegangen“, bedauerte Gaetano Basile.

Besonders im Fokus standen neue narrative Formen in Gastronomie und Hospitality, die Authentizität und emotionale Bindung schaffen sollen.

Mit dem Wandel des Reisens beschäftigte sich anschließend die Runde „Generazione Next Presents: From Destination to Experience: The Journey of the Younger Generations“. Federico Tosazzi, Gründer von Odex und Travel Producer bei WeRoad, diskutierte gemeinsam mit dem von Assovini Sicilia gegründeten Netzwerk Generazione Next über die Erwartungen jüngerer Zielgruppen an moderne Weinerlebnisse.

Im Palazzo Sant’Elia. Foto: Carola Faber
Im Palazzo Sant’Elia. Foto: Carola Faber

Architektur, Landschaft und Wein im Dialog

Zum Abschluss stand die Beziehung zwischen Weinbau, Architektur, Landschaft und Kunst im Mittelpunkt. In der Session „Vineyard and Cellar: Landscape and Cultural Setting“ sprachen die Landschaftsarchitektin Patrizia Pozzi und die Kunsthistorikerin Agata Polizzi über Weinberge und Kellereien als kulturelle Räume.

Für Assovini Sicilia ist genau diese Verbindung aus Wein, Kultur und Erlebnis die zentrale Botschaft der Veranstaltung. „Mit Sicilia en Primeur möchten wir ein authentisches, modernes Sizilien präsentieren, das zugleich tief in seinem Erbe verwurzelt bleibt. Wein ist heute nicht nur ein Produkt, sondern eine kulturelle Sprache, eine Reise an sich und eine Brücke zwischen Regionen und Menschen.“

Auch die Wahl des Veranstaltungsortes Palermo sei bewusst getroffen worden, erklärte Mariangela Cambria, Präsidentin von Assovini Sicilia: „Die Wahl Palermos für diese Ausgabe entspricht der Vision unseres Verbandes, das künstlerische und kulturelle Erbe unserer Städte zu fördern.“

Fotos: Carola Faber

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