Foodie

Top Taste – Spitzenküche in Grindelwald

Was das „Top Taste of Grindelwald – Alpine Excellence Food Festival“ besonders macht, ist seine konsequente regionale Verankerung. Unter dem Leitgedanken „Hier erdacht. Hier gemacht. Hier gewachsen“ stehen Produkte aus dem auf 1034 Meter gelegenen Grindelwald und seiner Bergregion im Mittelpunkt. Die Bergwelt wird zur Speisekarte, die Landwirtschaft zum Rohstofflieferanten und die regionale Identität zur wichtigsten Zutat. 

Den Auftakt des Festivals machte bei strahlendem Wetter ein kulinarischer Parcours durch die Küchenwelten der fünf Grindelwalder Spitzenköche. An ihren Stationen präsentierten sie ihre Kreationen persönlich und gewährten den Gästen spannende Einblicke in ihr handwerkliches Können. Die Protagonisten: Dávid Imre Rózsa vom Restaurant „1910 – Gourmet by Hausers“ im Hotel „Belvedere“ (16 Gault&Millau-Punkte, ein Michelin-Stern), der erst 28 Jahre alte, ebenfalls mit 16 Punkten und einem Michelin-Stern ausgezeichnete Aurélien Mettler vom Restaurant „Fiescherblick“, Marco Allemann vom „Glacier Restaurant“ im gleichnamigen Boutique-Hotel (16 Punkte), Adrian Bolsmann vom Restaurant „Schmitte“ im Hotel „Schweizerhof“ (14 Punkte) und Urs Gschwend vom „BG’s Grill Restaurant“ im „Alpine Design Resort Bergwelt“ (16 Punkte).

Aurélien Mettler überzeugte mit einem fein austarierten Zusammenspiel aus Zander, Brioche-Miso und weißem Spargel, ehe er im Hauptgang heimische Gämse als fein abgeschmecktes Hack in den Mittelpunkt rückte. Da die Tiere zwischen einem und sieben Jahren alt waren, unterschieden sich Struktur und Reife des Fleisches deutlich, was eine exakt auf jedes Stück abgestimmte Garung erforderte – eine Aufgabe, die Mettler mit großem Fingerspitzengefühl löste.

Gruppenfoto der teilnehmenden Köche. Foto: Verein Top Taste of Grindelwald
Gruppenfoto der teilnehmenden Köche. Foto: Verein Top Taste of Grindelwald

Große Küche, große Gefühle

Zu den kulinarischen Glanzpunkten des Festivals zählte das Vierhand-Dinner „Menu du Pays“ von „Bergwelt“-Chefkoch Urs Gschwend und Irma Dütsch. Die 1944 geborene Walliserin gilt als Grande Dame der Schweizer Spitzenküche. Mit der Verleihung eines Michelin-Sterns schrieb sie 1994 Geschichte: Als erste Frau der Schweiz wurde sie mit der begehrten Auszeichnung geehrt und prägte damit Generationen von Köchinnen und Köchen. In ihrer Ausbildung war Dütsch die einzige Frau unter vierzig Männern. Auf die Bemerkung ihres ersten Chefs, die Küche sei kein Modesalon, reagierte sie kurzerhand mit einem radikalen Kurzhaarschnitt.

Die charakteristische Frisur begleitet sie bis heute. Geblieben ist auch ihre kompromisslose Haltung zum Genuss. „Ein Mensch, der nicht gut isst, kann nicht gut leben“, lautet ihr Credo. Ein Satz, der ihre Karriere ebenso treffend zusammenfasst wie das Menü, das sie gemeinsam mit Urs Gschwend auf die Teller brachte: klassisch verwurzelt, handwerklich präzise und getragen von der Überzeugung, dass große Küche vor allem eines schaffen muss – Lebensfreude. 

Besonders berührend: Ihr Ehemann Hans-Jörg, gelernter Koch und Sommelier, mit dem sie 30 Jahre lang das Waldhotel „Fletschhorn“ in Saas-Fee und dessen legendäres Restaurant prägte, begleitete als Maître das Dinner. Ein Auftritt, der die enge Verbundenheit des Paares ebenso spürbar machte wie seine gemeinsame Leidenschaft für große Gastlichkeit.

Simmentaler Kalbsfilet mit Raviolo und Frühlingsmorcheln. Foto: Christian Euler
Simmentaler Kalbsfilet mit Raviolo und Frühlingsmorcheln. Foto: Christian Euler

Adrian Bolsmanns große Bühne am Eiger

Ganz im Zeichen dieser Verbindung von Kulinarik, Handwerk und Emotion stand auch der Champagner-Brunch im „Romantik Hotel Schweizerhof“ – begleitet von stimmungsvoller Live-Saxophonmusik und mit freiem Blick auf den Eiger. Hier sorgte Adrian Bolsmann für einen der spektakulärsten Auftritte des Wochenendes: Das 17,5 Kilogramm schwere Lamm hatte er fast drei Tage lang in einer intensiven Marinade aus Pesto aus selbst gesammeltem Bärlauch, frisch abgeriebener Orangen- und Zitronenzeste sowie Cayennepfeffer ruhen lassen. Um drei Uhr früh am Tag des Brunchs entzündet der in Südafrika aufgewachsene Küchenkünstler den Grill. Das Resultat war weit mehr als ein klassisches Barbecue: ein vielschichtiges, aromatisch tiefes Geschmackspanorama, kraftvoll und zugleich bemerkenswert ausgewogen.

Der „Schweizerhof“ zählt heute zu den prägenden Genussadressen des Berner Oberlands. In den Küchen des traditionsreichen Hauses setzt Executive Head Chef Adrian Bolsmann auf eine Handschrift, die regionale Produkte und alpine Aromen mit internationalen Einflüssen verbindet. Doch das 1892 eröffnete Haus überzeugt nicht allein kulinarisch. Unweit des Bahnhofs gelegen und mit freiem Blick auf die Eigernordwand verbindet das einzige Fünfsternehotel Grindelwalds historische Eleganz mit zeitgemäßem Luxus und herzlicher Gastfreundschaft.

Zwischen Gletschern, Gipfeln und Panoramawegen

Auch abseits des „Top Taste Food Festivals“ gibt es einiges in der Region zu entdecken. Buchstäblich ein Höhepunkt ist das 3454 Meter über dem Meer gelegene „Jungfraujoch – Top of Europe“, Europas höchstgelegener Bahnhof. Die Fahrt durch die spektakuläre Hochgebirgslandschaft endet in einer Welt aus ewigem Eis und Schnee mit grandiosen Ausblicken auf den Aletschgletscher, den längsten Gletscher der Alpen und UNESCO-Welterbe.

Hotel Schweizerhof. Foto: Hotel Schweizerhof
Hotel Schweizerhof. Foto: Hotel Schweizerhof

Nicht minder reizvoll ist die kurze Wanderung von der Station Eigergletscher zur Kleinen Scheidegg. Von dort geht es mit der Zahnradbahn nach Wengen und weiter mit der Gondel auf den 2.343 Meter hohen Männlichen, der neben dem berühmten Dreigestirn aus Eiger, Mönch und Jungfrau auch einen herrlichen 360-Grad-Blick bis zum Thunersee bietet. Grindelwald First wiederum lockt mit spektakulären Ausblicken und vielfältigen Bergerlebnissen. Der First Cliff Walk etwa führt über einen schmalen Steg entlang der Felswand und endet auf einer Aussichtsplattform über dem Abgrund. Wanderer schätzen die knapp eine Stunde dauernde Tour zum Bachalpsee, dessen glasklare Wasserfläche die umliegenden Gipfel spiegelt.

Fazit

Die Verbindung aus hochalpiner Natur, erstklassiger Hotellerie und einer überraschend lebendigen Gourmetszene macht Grindelwald heute zu weit mehr als einem Ausgangspunkt für Bergtouren. Zwischen Eigernordwand und Fine Dining zeigt das Berner Oberland, wie genussvoll sich alpine Tradition und zeitgemäße Spitzenküche verbinden lassen.


Informationen: 

www.tasteofgrindelwald.ch

www.grindelwald.swiss/de

www.hotel-schweizerhof.com

www.jungfrau.ch

Fotos: Christian Euler, Verein Top Taste of Grindelwald, Hotel Schweizerhof

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