Vom Kutter direkt auf den Tisch: Wer Seafood liebt, lässt sich dort im Norden Kroatiens die Kvarner Scampi schmecken. Die Fischer liefern die Zehnfußkrebse häufig noch lebend in großen, weißen Kisten direkt in den Lokalen an.
Am besten schmecken die Krustentiere kurz gegrillt oder sogar roh. Mit ihrem köstlich-süßlichen Geschmack gehören sie zu den bekanntesten Spezialitäten der Gegend. Kleinere Exemplare geben Pasta und Risotto den besonderen Twist.
An Fisch ist die Kvarner Bucht nicht weniger reich. Über 100 Arten leben in den Gewässern. Ob Dorade, Steinbutt, Rotbarbe, Sardine oder Makrele – sie sind von den Speisekarten der Gourmet-Tempel vor Ort ebenso wenig wegzudenken wie aus den kleinen, traditionellen Restaurants.
Grüner, wilder Spargel
Ausgesprochen gut macht sich als Beilage dazu der einheimische grüne Wildspargel. Im Frühling gibt es für das ranke, schlanke Gemüse kein Halten mehr. Dann sprießt das Liliengewächs zu Tausenden aus dem Boden.
Es mundet aber natürlich ebenso in der Omelette-ähnlichen „Fritaja“ oder knackig als Salat mit Oliven. Wer nicht selbst in Wald und Flur auf Wildspargel-Pirsch gehen möchte, kauft ihn einfach im „Mrkat“ von 1898, der Markthalle im Zentrum Opatijas. Dort bieten die Händlerinnen das Bund für fünf Euro an.
Und dann sind da noch die ausgezeichneten Olivenöle, die feinen Trüffel und das zarte Lamm. Dieses Fleisch ist ausgesprochen aromatisch, denn die Schafe fressen sich an wilden Kräutern und Gräsern satt. Jedenfalls hat diese Vielfalt das Internationale Institut für Gastronomie, Kultur, Kunst und Tourismus (IGCAT) so überzeugt, dass es 2026 diesen Flecken Erde zur „Kulinarik-Destination Europas“ kürte. IGCAT ist eine gemeinnützige Organisation, die mit einem Netzwerk von Experten kooperiert.
Der fruchtig-würzige Weiße: Žlahtina
Auch in Sachen Wein hat die Kvarner Bucht einiges zu bieten. Vom Klima verwöhnt, gedeihen in der Kvarner Bucht über 30 autochthone Rebsorten. Kroatien ist ohnehin ein spannendes Weinland mit jahrtausendealter Tradition. Man weiß, was man tut!
Allen voran ist da die „Königin der Rebsäfte“: die fruchtig-frische, weiße Traubenart Žlahtina. Aus ihr keltern die Winzer trockene Still- oder spritzige Schaumweine mit ausgeprägten Pfirsich- und Zitrusaromen, zu denen sich würzige Kräuternuancen, etwa von Salbei, gesellen, dazu ein dezenter Salzton. Das nahe Meer lässt grüßen! An lokalen Rotweinen mangelt es ebenfalls nicht, darunter sind der Sansigot oder die sehr alte Traubenart Trojščina.
Schätze aus dem „Miramar“-Keller
Einer, der sich mit guten Tröpfchen auskennt, ist der Chefsommelier des Hotels Miramar in der 10.000-Einwohner-Stadt Opatija an der rund 40 Kilometer langen, gleichnamigen Riviera.
In dem schlossartigen Vier-Sterne-Hotel am Meer präsentiert Mato Švabić kenntnisreich die Schätze aus seinem Keller und gibt Einblicke in die rund 100 Referenzen umfassende Weinkarte. Darunter ist auch der regionale Malvazija, wie die Kroaten den Malvasier nennen. „Nur gute Menschen können gute Weine machen“, ist Švabić überzeugt. Es scheint viele davon zu geben…
Miramar: Hotelkomplex mit großer Historie
Das Miramar wartet mit einer bemerkenswerten Geschichte auf. Das Hauptgebäude wurde bereits in den 1890er Jahren zu Zeiten der Habsburger Monarchie errichtet, damals noch als Villa Meyne.
Eine private Residenz für die Sommerfrische war sie. Und schon seinerzeit beherbergte dort der betuchte Hausherr Johann Meyne Gäste. Diese Tradition ist bewahrt, das stattliche Haus erhalten. Heute trägt es den Namen „Villa Neptun“.
Komfortable Zimmer und Suiten warten dort auf die Reisenden. In manchen schauen sie direkt vom Bett aus auf die leuchtend blaue Adria. So kann der Tag beginnen! Dazu diese märchenhafte Ruhe…
Hinab in die Unterwelt
Entspannung bietet ebenso der moderne Wellness-Bereich des Hotels, unter anderem mit In- und Outdoor-Pool, die praktischerweise ineinander übergehen. Ein direkter Zugang zum Meer macht das Glück für Schwimmer perfekt. Das Restaurant verfügt dazu über eine einladende Terrasse, natürlich mit Seeblick. Der urige Weinkeller im Untergeschoss eignet sich für private Dinner und natürlich Verkostungen mit Mato Švabić.
Originell: Die verschiedenen Gebäude des Resorts sind nicht nur von einem reich blühenden Garten umgeben. Sie sind allesamt durch unterirdische Gänge verbunden. Selbst wenn es regnet, lässt sich alles trockenen Fußes erreichen.
Und so ein Gang durch die „Unterwelt“ hat etwas: Er ist eine Zeitreise. Denn dort ist die Geschichte dokumentiert, als Opatija – damals noch Abbazia – eines der mondänsten Seebäder der österreichisch-ungarischen Monarchie war.
Kur- und Heilort „kleines Nizza“
Höchst offiziell wurde es per kaiserlichem Dekret zum ersten Luftkurort der Habsburger am Mittelmeer ernannt. Dieses „kleine“ Nizza“, wie man es alsbald bezeichnete, zog zwischen 1867 und 1918 Besucher aus fast allen Adelshäusern Europas an, selbst im Winter. Die Noblesse residierte in schicken Hotels, flanierte entlang herrschaftlicher Privat-Domizile, staunte im riesigen Park der Villa Angiolina über die Vielzahl exotischer Pflanzen.
Kamelien, Mammutbäume, Himalaya-Zedern schmückten die rund 3,5 Hektar umfassende grüne Oase am Meer, in der noch heute Lorbeerbäume Schatten spenden und Kamelien als Wahrzeichen von Opatija verschwenderisch blühen. In den zahlreichen Sanatorien suchte so manches Blaublut Genesung und Erholung. Die gesunde Seeluft versprach Abhilfe insbesondere bei Atemwegs- und Lungenbeschwerden.
Sommerfrische mit Sisi
Kurzum: Die europäische Elite konnte sich der Magie des Ortes kaum entziehen. Es war ein Sehnsuchtsort am Meer, ein Place to be. Dazu trugen nicht zuletzt die guten Zugverbindungen von Wien, Budapest, selbst von Berlin und München bei.
Versteht sich, dass es sich der österreichische Kaiser Franz Josef I. nicht nehmen ließ, dort vorbeizuschauen. Und mit ihm – im Jahr 1890 – Sisi. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. war ebenfalls vor Ort. Am 31. März 1894 berichtete Franz Josef I. an seine Frau Elisabeth: „Um neun Uhr früh kamen wir bei schönstem Sonnenschein, reinem Himmel, blauem Meer und warmer, kräftiger Luft an, wo mich Kaiser Wilhelm mit Suite erwartete…“
Wissenschaftler, Schriftsteller, Komponisten taten es den Aristokraten nach. Zu den Besuchern gehörten Wissenschaftler wie Albert Einstein, Schriftsteller wie Anton Tschechow und James Joyce, Komponisten wie Gustav Mahler, Giacomo Puccini, Franz Lehár. Später zog es Schauspieler wie Robert De Niro oder Kirk Douglas an. Die Porträts vieler prominenter Gäste sind auf der „Wall of Fame“ im Park Angiolina zu sehen.
„Lungomare“ – die wohl schönste Uferpromenade der Adria
Es ließ sich aber auch fein verweilen an der Adria und besonders trefflich auf einer der ungewöhnlichsten Mittelmeer-Promenaden lustwandeln: auf dem „Lungomare“. Was so viel bedeutet wie: „entlang des Meeres“. Rund zehn Kilometer ist dieser Uferweg lang. Erbaut zwischen 1885 und 1911, führt er vom kleinen Fischerdorf Volosko im Norden über Opatija bis Lovran im Süden. Sehen und gesehen werden: Das war die Devise! Herrlicher Wasserblick inklusive.
Heute nennt sich der Weg nach einigen Umbenennungen offiziell Franz-Josef-Uferpromenade – oder in der Landessprache: Obalno šetalište Franje Josipa I. Manche alte, ehrwürdige Villa säumt noch immer den Küstenpfad. Ergänzt durch stylische Bars, moderne Hotelbauten und viele ausgezeichnete Restaurants wie etwa die Osteria Veranda in Volosko. Und auch das schöne Hotel Miramar liegt direkt am Lungomare: ein perfekter Ausgangspunkt, um die Genussregion Kvarner Bucht zu erkunden.
Informationen:
Hotel Miramar: www.hotel-miramar.info
Visit Opatija: www.visitopatija.com
Kvarner: www.kvarner.hr
Fotos: Frank Heuer, Lili Bašić, Kirsten Lehmkuhl

