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Oben und unten: Chicagos Architektur beeindruckt

Wohl kaum jemand verbindet Chicago als den Geburtsort der Wolkenkratzer. Den allermeisten Menschen dürfte zunächst New York in den Sinn kommen, würden sie nach den ersten Wolkenkratzern gefragt werden. Aber tatsächlich schaffte es die Stadt am südwestlichen Ufer des Michigan Lake sich durch den Bau des ersten Hauses mit Stahlskelett diesen Titel 1885 zu sichern. Dabei handelte es sich um das lediglich zehn Stockwerke hohe Home Insurance Building. Der Bauingenieur William Le Baron Jenney schuf das Gebäude, das lediglich 42 Meter hoch war, und das fünf Jahre später um zwei weitere Stockwerke erweitert wurde und dann eine Höhe von 55 Metern erreichte.

Architektonische Flussfahrt

Die heutigen Bauten der Innenstadt haben ganz andere Dimensionen erreicht. Am vielleicht imposantesten lassen sich die Leistungen der Architekten aus der ganzen Welt vielleicht im Rahmen einer Bootstour erkunden. Verschiedene Anbieter starten am Chicago River und bieten moderierte Touren an. Vorbei geht es zum Beispiel am „Trump International Hotel and Tower“ in Downtown, entworfen von einem der bekanntesten Architekten überhaupt: Adrian D. Smith.

Trump International Hotel and Tower. Foto: Michael Schabacker
Trump International Hotel and Tower. Foto: Michael Schabacker

Der US-Amerikaner brachte durch seine Entwürfe das Gebäude auf 442,2 Meter Höhe. Mit Fertigstellung im Jahr 2009 wurde es das zweithöchste Gebäude in den USA, übertraf das John-Hancock-Center in Chicago. Zumindest von der reinen Bauhöhe, die Antennen des JHC bringen das Gebäude noch immer auf 457 Meter. Adrian D. Smith war nicht nur Architekt für den Trump Tower, vielmehr entwarf er auch das höchste Gebäude der Welt, den Burj Khalifa in Dubai (829,8 Meter), sowie das Gebäude, das es übersteigen soll, den Jeddah-Turm (Saudi-Arabien), der das erste ein Kilometer hohe Gebäude werden wird.

Neugotische Bauweise

Wesentlich kleiner kommt dann schon der „Tribune Tower“ daher. Gerade mal 141 Meter hoch ist das Gebäude aus dem Jahre 1925, welches heute von der Chicago Tribune, der Tribune Company und CNN genutzt wird. Der in neugotischer Bauweise erschaffene Wolkenkratzer ist das einzige Gebäude weltweit, in das Steine von weltberühmten anderen Bauwerken eingelassen wurden. In der Basis wurden Steine der Cheops-Pyramide, der Chinesischen Mauer, dem Taj Mahal, der Hagia Sophia, der Kirche Notre Dame, der Berliner Mauer und auch vom World Trade Center eingelassen. Sogar ein im Besitz der NASA befindlicher Mondstein ist im Inneren des Gebäudes ausgestellt!

Ausgangspunkt der Bootstouren am Chicago River. Foto: Michael Schabacker
Ausgangspunkt der Bootstouren am Chicago River. Foto: Michael Schabacker

Mit 191 Metern Höhe ist der NBC Tower vielleicht nicht besonders hoch, ist dennoch wegen seiner postmodernen Architektur mit dem Einfluss von Art-Deco-Design ebenfalls ein Wahrzeichen der Stadt. Das 1989 fertiggestellte Gebäude war Sendeort der ersten WMAQ-TV Nachrichtensendung am 1. Oktober 1989, auffälliges Merkmal ist entsprechend der 40 Meter hohe Sendeturm auf dem Tower.

Höchstes Gebäude: Willis Tower

1974 wurde nach vierjähriger Bauzeit der Sears Tower (ab 2009: Willis Tower) fertiggestellt. Das Einzelhandels-Unternehmen Sears gab den Tower in Auftrag. Mit 527 Meter Höhe (inkl. Antenne) löste der Sears Tower das World Trade Center (417 Meter) als höchstes Gebäude der Welt ab.  Noch heute ist es das höchste Gebäude in Chicago und gleichzeitig der dritthöchste Wolkenkratzer in den Vereinigten Staaten. 

Die meisten Wolkenkratzer

Chicago ist aktuell die Stadt mit den meisten Wolkenkratzern weltweit. Es existieren 134 Wolkenkratzer mit mindestens 150 Metern, 36 ab 200 Metern und sieben 300-Meter-plus-Gebäude. Ein besonderes Erlebnis können Besucher Chicagos in oben erwähntem John-Hancock-Center erleben. Im 94. Stockwerks auf einer Höhe von 314 Metern kann in einer Aussichtetage ein wohl einmaliger Ausblick auf Chicago, das Umland und den Lake Michigan genossen werden. 

Aussicht aus 314 Metern Höhe auf den Lake Michigan. Foto: Michael Schabacker
Aussicht aus 314 Metern Höhe auf den Lake Michigan. Foto: Michael Schabacker

Auch wenn Chicago durch seine Wolkenkratzer seine Besucher in den Bann zieht, es gibt auch zwischen den Hochhäusern eine interessante Architektur die es zu entdecken gibt. Gleich gegenüber des John-Hancock-Centers befindet sich die Fourth Presbyterian Church. Die wunderschöne Fassade ist dichtbewachsen mit Weinreben, ein fast surrealer Anblick, betrachtet man die in direkter Nachbarschaft stehenden Wolkenkratzer.

Gleiches gilt für den historischen Wasserspeicher der Stadt, gleich gegenüber der Chicago Public Library an der North Michigan Avenue. In dem gotischen Kalksteinturm befindet sich die City Gallery mit Fotos zur Stadt Chicago – erstellt durch lokale Fotografen und Künstler. Der heutige Veranstaltungsort wurde zwischen 1867 und 1869 erbaut und hatte eine besondere Bedeutung zur Bekämpfung des Chicagoers Feuers 1871!

Historic Water Tower: innen City Gallery. Foto: Michael Schabacker
Historic Water Tower: innen City Gallery. Foto: Michael Schabacker

Alle historische Gebäude Chicagos zu beschreiben dürfte annährend unmöglich sein. Chicago ist, wie oben beschrieben, Architektur pur – an fast jeder Ecke lässt sich etwas entdecken…

Fotos: Michael Schabacker