KULINARIKER: Was hat Sie dazu inspiriert, OAD und zuletzt auch OAD Travel zu gründen?
Steve Plotnicki: Nachdem ich meine Plattenfirma verkauft hatte, nahm ich an vielen Diskussionen über Lebensmittel in einem Online-Diskussionsforum teil und stellte fest, dass die Leute nicht wussten, wie man über dieses Thema spricht. Mir wurde klar, dass einer der Gründe darin lag, dass es keine Standards gab, an die sich die Leute hielten. Das hat mich dazu gebracht, etwas zu schaffen, das dazu beiträgt, die Art und Weise, wie wir über Essen sprechen, zu klassifizieren. Heute ist OAD die einzige Bewertungsplattform, die in ihren Ergebnissen die Erfahrung jedes einzelnen Voters berücksichtigt.
OAD Travel verspricht Reservierungen in den begehrtesten Restaurants. Wie funktioniert das angesichts von teils mehrmonatigen Wartezeiten, wie kommen Sie an die Tische?
Wir schicken den Restaurants eine Vielzahl guter Gäste. Das sind nicht zwangsläufig Gäste, der viel Geld ausgibt, sondern solche, die die Speisen wirklich schätzen. Solche Gäste mögen die Restaurants und dadurch fühlen sie sich – lassen Sie es mich so ausdrücken – verpflichtet. Sie wissen, dass ich ihnen die besseren Gäste schicken werde. Das ist ein ganz einfacher Mechanismus, der auch bei Reservierungen in Luxushotels funktioniert. Es ist der Kern von OAD Travel. Einen Tisch in einem Drei-Sterne-Restaurant circa zwei Wochen vor dem Besuch zu bekommen, klappt in acht von zehn Fällen.
Klingt fast zu schön, um wahr zu sein …
… betrachten Sie es als Sortierverfahren. Als ich mit dem Besitzer des Piazza Duomo in Alba telefoniert hatte, sagte er: „Ich habe Tausende von Leuten auf der Warteliste, aber ich habe keine Ahnung, wem ich die Tische geben soll.“ Dies alles zu organisieren kostet Zeit und Geld. Die Restaurants benötigen Hilfe von außen – und hier sind wir zur Stelle.
Was können die User von OAD Travel bei der Buchung einer Reise auswählen?
Unsere ersten OAD-Pakete in Spanien ermöglichten es den Gästen zum Beispiel, Luxushotels zusammen mit den begehrtesten Restaurants der Region zu buchen, darunter das „Disfrutar“ in Barcelona, „Asador Etxebarri“ in San Sebastian oder „DiverXO“ in Madrid. Natürlich können Sie auch eine fünftägige Reise mit nur einem Spitzenrestaurant und einem Tapas-Restaurant buchen. Wir sind gerade dabei, das System flexibler zu gestalten.
Was bedeutet das in Bezug auf weitere Länder?
Wir wollen zunächst Städte in ganz Europa erschließen.
Wie sieht es speziell in Deutschland aus?
Deutschland steht für das nächste Jahr auf dem Programm, mit dem Schwerpunkt auf Nürnberg und München. Die beiden Städte bieten kulinarisch sehr viel und liegen auf einer Route, die durch die Mitte von Österreich über Wien bis nach Budapest gehen soll. Diese Reise möchten wir als Gesamtpaket anbieten. Außerdem soll es eine Genussroute von Köln bis in die Schweiz nach Bad Ragaz geben.
Wie wäre es mit Japan als Land mit den weltweit meisten Drei-Sterne-Restaurants?
Japan ist fantastisch und die Nachfrage ist riesig, aber man sollte die dortige kulinarische Kultur kennen. Das fängt schon damit an, dass man wissen sollte, wie man in Japan überhaupt isst. Das ärgert viele japanischen Küchenchefs. Wir müssten eigentlich jemanden mitschicken, der sich darum kümmert und zum Beispiel sagt: nein, hier passt keine Sojasauce. Japan benötigt ein eigenes Geschäftsmodell.
Wir sind hier in der Traube Tonbach mit der Schwarzwaldstube als kulinarisches Aushängeschild. Wie war Ihr Eindruck?
Torsten Michels Küche ist großartig, aber es ist eine Variation der französischen Haute-Cuisine.
Was sollte es daran zu kritisieren geben?
Die französische Hochküche entspricht nicht wirklich dem, was junge Leute auf Reisen essen wollen. Die Qualität ist überragend. Aber ich würde nicht zu meinen Juroren sagen, oh, da musst du hin. Denn sie kennen diese Stilrichtung. Frankreich hat mir die Augen für die Bedeutung von erstklassigem Essen geöffnet und ich hatte dort mein kulinarisches Erweckungserlebnis. Aber es ist stilistisch isoliert vom Rest der Welt. Es ist, als wäre man in Jamaika und würde nur Reggae-Musik hören.
Was ist Ihrer Meinung nach Deutschlands bestes Restaurant?
Das „Jan“ in München. In der aktuellen Bewertungsumfrage von OAD hat es Küchenchef Jan Hartwig auf Platz drei geschafft. Das ist bisher noch keinem deutschen Koch gelungen. Übrigens: Wenn ich Jan sage, ich benötige für einen meiner Bewerter am Freitag in einer Woche einen Tisch, sollte das mit recht hoher Wahrscheinlichkeit funktionieren.
Foto: Steve Plotnicki