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Ca´Corniani – ein Avantgarde-Projekt

Ihre Geschichte teilt sich in zwei historische Etappen: von 1400 bis 1851 gehörte das Fünf-Flüsse-Gebiet zusammen mit der Lagune von Caorle zur Republik Venedig. Für die Dogen diente das Territorium zum Fischen und Jagen bzw. es für diese Zwecke zu verpachten. 1851 pachtete die Adelsfamilie Cotoni das 1770 Hektar umfassende Territorium und beschloss es nach und nach trocken zu legen und für landwirtschaftliche Zwecke, Wein- Getreideanbau zu parzellieren und zu verpachten. 

Dann ging es in den Besitz der Corniani-Familie über. Überschwemmungen und die Kampfhandlungen, Besatzungen im I. Weltkrieg machten die Landwirtschaft zunichte. 1930 reklamierte die Corniani-Familie das Gebiet für sich und baute ein großes Landwirtschaftsprojekt auf. Das Landgut zog bis zu 3000 Landarbeiter die hier arbeiteten und mit ihren Familien lebten, für Schulen, Krankenstation wurde gesorgt. In den 1960er Jahren geriet das Anwesen in eine Krise, da die landwirtschaftlichen Produkte gegen die im Großflächenanbau mit dem Einsatz von modernen Maschinen auf dem Markt nicht konkurrieren konnten. 

2017 übernahm eine Unternehmergruppe das Landgut und nutzt es heute erfolgreich zum von Getreide-, Soja-, Mais- und Kräuteranbau. Da das Gebiet unter dem Meeresspiegel liegt, entschied man sich die neu gebaute Winery nicht zu unterkellern, sie dient nur dem Verkauf der anderorts produzierten Weine. Auf dem Gelände befindet sich eine neue Fahrradstation (ciclo stazione) mit großem Fahrradverleih. Mit dem E-Bike lässt sich die wunderschöne Fluss- und Lagunengegend bequemst und vergnüglich erkunden. 

Caorle – das „Klein-Venedig“

Wir radeln einen Teilabschnitt des Gira Livenza, des naturhistorischen Radwegs (insgesamt 46 Kilometer) entlang, der dem Fluss Livenza folgt, bis nach Caorle. Das alte Fischerstädtchen am Meer lockt gleich mit mehreren Highlights. Da ist der Fischmarkt am Hafen, die Insel in der Lagune mit den alten Fischerhütten und die Altstadt mit engen Gassen und der Piazza Vescovado.

Mit dem E-Bike entlang des Livenza. Foto: Ellen Spielmann
Mit dem E-Bike entlang des Livenza. Foto: Ellen Spielmann

Hier steht auch der alte Dom San Stefano (St. Stephan). Er wurde 1038 im Byzantinischen Stil von Ravenna erbaut. Besonders imposant ist der zylindrische romanische Glockenturm, er stammt aus dem 13. Jahrhundert. Sehenswert ist auch das Santuario della Madonna dell`Angelo, Sanktuarium der Madonna und des Erzengels Michael an der Viale Madonna dell’Angelo 12, das im 9. Jahrhundert gegründet und 1751 erbaut wurde.

Trattoria La Gassa

In der Gemeinde Santo Stino di Livenza am Fluss lohnt es sich einzukehren und sich an den slow food Köstlichkeiten zu laben. Eine Vorspeise ist „Bacalá mantecato“ mit frittiertem Salbeiblättern passend dazu wird ein Friaulischer Tocai aus Ranscedo serviert. Es folgen Sardinen mit Zwiebeln, Tintenfischarme auf weißem Bohnenpüree. Chefkoch Umberto Zerlo kommt extra aus der Küche und erklärt die Zubereitung des Hauptgerichts „Bisat in umido“ (gekochter Aal), ein Leckerbissen aus der Region. Der Aal wird in Essigwasser gewaschen, auf der Hautseite leicht gemehlt knusprig angebraten, mit Zwiebeln, Knoblauch, Sellerie kurz weitergegart dann mit Rotwein abgelöscht, dann kommen Tomaten dazu, ein bisschen Zitrone. Er gart eine halbe Stunde bis 40 Minuten.

Die Trattoria liegt direkt an dem Bootssteg des Livenza-Flusses. Von einem der drei Jungunternehmer von „Eboats & go“ erfahren wir von dem ambitionierten nachhaltigen Projekt per Elektroboot, Natur und Landschaft zu erleben ohne der Flussregion Schaden zuzufügen.

Avantgarde pur: Landschaftsmuseum in Torre di Mosto

Wie die Kirsche auf der Sahnetorte präsentiert sich das avantgardistische Museum im Ortsteil Boccafossa der Gemeinde Torre di Mosto. Vor dem Museum steht majestätisch eine Skulptur aus blauem Glas und Metal. Das Landschaftsmuseum (Museo del Paesaggio), ein großes Ingenieursprojekt, wurde im Rahmen einer Infrastrukturmaßnahme 2007 eröffnet und erfuhr 2010 eine Erweiterung. Es dient dem Zweck die flache, unspektakuläre, aber einzigartige Flusslandschaft attraktiv zu machen, erklärt Direktor und Kurator Giorgo Baldo. 

Ein Fokus der Museumsarbeit ist experimentell durch Landschaftsdarstellungen, Foto- Video- und zeitgenössische Kunst venezianische Traditionen zu stimulieren und weibliche Kunst zu fördern. Das Museum versteht sich als Vitrine, Schaukasten, Experimentierraum und Atelier. Alle Kunstobjekte sind online zu sehen. Es gibt enge Bande nach Venedig, zu Galerien, Museen, Sammlern und Kuratoren. So entfaltet das Museum magnetische Wirkung. 


Informationen:

Historischen Landgut www.cacorniani.it

Landschaftsmuseum www.museodelpaesaggio.ve.it

Caorle „Klein Venedig“ www.caorle.eu/en/experience/itineraries/on-foot

Foto: Ellen Spielmann