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A la salute!

Das touristische Projekt stützt sich auf vier Säulen: Avantgarde-Kultur-Kunst-Agrikultur-Landschaft. Fünf Flussläufe, der Livenza ist einer davon, Dämme, bieten ein besonderes Landschaftserlebnis, das 2007 eröffnete Museum del Paesaggio di Torre di Mosto bietet zeitgenössische Kunstausstellungen und avantgardistische Neuinterpretationen der Landschaft. 

Überall Wasser 

Um Venedig zu schützen und das Hinterland zu erschließen, zu besiedeln und Verbindungs- Transportwege zu schaffen wurde 1501 der erste Magistrato alle Acque (Magistrat der Gewässer), Verantwortliche Institution für die Wasserverwaltung bestimmt. Venezianer sind bekanntlich die Meister des Wasseringenieurwesens, es galt damals Flüsse umzuleiten, Gebiete trocken zu legen, ein Kanalsystem zu schaffen. 

Wasserwege, Flüsse und Kanäle waren bis Beginn des 18. Jahrhunderts dominierend im Transport von Menschen und Gütern. Die reichen Venetianer hegten seit dem 16. Jahrhundert eine Passion für das Landleben natürlich waren die Schlösser und Burgen der Euganeischen Hügel attraktiver als das flache Land, aber zum Jagen und Fischen sehr beliebt.

Wasser-Impression der Region. Foto: Ellen Spielmann
Wasser-Impression der Region. Foto: Ellen Spielmann

Borgo Stajnbech

Stajnbech ist ein familiengeführtes Weingut in Pramaggiore (VE), zwischen Venedig und Triest, wo ein mildes Micro-Klima und ein reicher Lehmboden Weinreben sehr gut gedeihen lässt. Im 17. Jahrhundert taucht der Name „Stagnibech“ in Verbindung mit der „Borgo di Belfiore“, der Burg von Belfiore. Die venezianischen Landbesitzer, die Dogen, gaben dem Land den Spitznamen „Vigneto della Serenissima“. Unter österreichischer Herrschaft wurde der Name des Orts in „Steinbach“ geändert. 

Giuliano Valent und Adriana Marinatto, die Besitzer der Tenuta, entschieden sich für den Namen Stajnbech. Uns präsentiert die junge Winzerin Rebecca, Tochter des Hauses das Weingut. Während ihrer Ausbildung sammelte sie auch Erfahrung in Kalifornien. Mit ihren 28 Jahren ist sie eine großartige Persönlichkeit, mit autonomen Vorstellungen, Power und Verve, präsentiert sie ersten eigenen Wein. Selbstverständlich strebt sie nach höchster Qualität und Exzellenz. Das Familienmotto „Lasst uns Harmonien kultivieren“ betrifft über Einklang von Natur und Umwelt auch die unter Menschen. 

Der erste von Giuliano Valent und Adriana Marinatto bepflanzte Weinberg stammt aus dem Jahr 1988, 1991 kam der zweite hinzu. Stajbechs Produktionslinien sind in Superiori und Classici unterteilt. Wir probieren den „150“ Lison Classico DOCG (2021), aus 100 Prozent Tocai Friulano-Trauben, er ist der traditionellste der Weine, erzielte 2023 den höchsten Preis im Veneto. Italien verlor 2010 das Namensrecht für die Traube Tocai an Ungarn. fünf Prozent des Weins wird in Eichenfässern veredelt. 

Rebecca Valent. Foto: Borgo Stajnbech
Rebecca Valent. Foto: Borgo Stajnbech

Dann verkosten wir den „Bosco della Donna“ (Garten der Frauen) aus der Superiori-produktion, 100 Prozent Sauvignon, der Holunder- und Salbeinoten schmecken lässt. Ideal als Begleitung für Eier-, Spargelspeisen, aber auch zu rohem Schinken, Fischgerichten. Die Reben werden auf 6 1/2 Hektar der insgesamt 17 Hektar großen Anbaufläche produziert. Ursprünglich stand auf dem Boden Wald, der für den Schiffbau von den Venezianern abgeholzt und dann landwirtschaftlich mit Gemüse und Obstanbau genutzt wurde.  

Dann kommt Rebeccas erster 2022 produzierter eigener Wein auf den Tisch, sie macht eine klare Ansage: Auf dem Etikett, ist die Endung auf den Buchstaben o “ L´Enologo“ durchgestrichen und durch ein a, „L´Enologa“ ersetzt. Es ist ein Blend aus Friaul Tocai- und Chardonnay-Trauben, die neun Monate in französischem Barrique reifen. Laut Rebecca, der Enologin, soll jede Flasche, eine Botschaft bringen. Hier wird „aufgrund der Lage (elf Meter über dem Meeresspiegel, die besondere Lage der Flussnähe, der Fluss ist gewissermaßen die letzte Welle vor dem Meer) der typischste Ausdruck des Territoriums mit Handwerk, internationalen Trends verbunden“.

Nostalgie pur: Die Osteria da Ninetta in Annone 

Im kleinen Städtchen Annone (Veneto) kreuzten sich im 2. Jahrhundert vor ChrIstus die Via Postumia und die Via Annia, die ersten beiden Römerstraßen. Die Kirche San Vitale mit Glockenturm aus dem 15. Jahrhundert und Rathaus sind die historisch markenten Gebäude der „Stadt des Weins“ der D.O.C Lison-Pramaggiore. Hier im Rathaus wurde im 1. Weltkrieg ein Lazarett eingerichtet, das Ernest Hemingway besuchte und sich in die legendäre englische Krankenschwester verliebte, das zum Setting seines ersten Bestselleromans „A Farewell to Arms“ (1929) („In einem anderen Land“) gehörte und der mehrfach verfilmt wurde. 

Gegenüber dem Rathaus liegt die Osteria „A Ninetta“; Annones zentraler Treffpunkt. Die ehemalige Grappa Destille war in den 1960er Jahren eine Institution. Nostalgische Gefühle sorgten vor einigen Jahren dafür regionale Kulinarik wiederzubeleben, Aromen und frische Produkte des Veneto von Chioggia bis Triest zu bieten, hausgemachte Pasta und Desserts nach Rezepten de la Nona (der Großmutter) zu servieren und dazu heimische Weine auszuschenken.

Polenta Caprese Salat. Foto: pixabay
Polenta Caprese Salat. Foto: pixabay

„A Ninetta“ empfängt die Gäste mit „Suelato D´Artista“ (Vino bianco frizzante), dem typischen in der Flasche gegärten Spumante. Die „Salame di casada e polenta“, eine hausgemachte frische Schweinswurst mit Zitrone, getrockneten Pilzen, sie wird beim Braten mit feinstem Essig abgelöscht und zu verschiedenen Polentasorten (bianco, weiße und rote, „Rosso de San Martino“, eine alte Sorte) serviert, schmeckt köstlich.

Unter den hausgemachten Nachspeisen stechen die „Mandorlato“, ein feiner Mandelkuchen und die nebst „Tira Misu“ kredenzte Panettone besonders hervor. Grappe dürfen nicht fehlen, da wäre der „Prime Uve Nere, die drei Jahre gereifte Riserva „Nardini“ oder die Riserva Castagner, die 12 Monate in einem Barrique di Ciliego, Fass aus Kirschholz reift. A la salute!


Informationen:

Weingut Stajnbech: www.borgostajnbech.com

Osteria da Ninetta in Annone Veneto: www.osteriadaninetta.it

Fotos: Ellen Spielmann, Borgo Stajnbech, pixabay