Travel

Bormio: Braulio, Schnee und tausendjährige Quelle

Das hätte sich der Apotheker Francesco Peloni wohl auch nicht gedacht, als er 1875 die Rezeptur für den in der Region sehr bekannten Likör entwarf. Heute, vier Generationen weiter, ist das Unternehmen nicht mehr in Familienhand, seit 2014 ist es Bestandteil der Campari-Gruppe. Allerdings: Noch immer wird das Geheimnis der Botanicals weitestgehend gehütet. Der Name Braulio hingegen ist kein Geheimnis: es ist die Adaption der gleichnamigen Bergregion in den Südtiroler Alpen.

Für gut 30 Tage kommen die Kräuter, Pflanzen, Wurzeln und Beeren für den Braulio in die riesigen Stahltanks zur Mazeration, in denen sie dem Alkohol und dem klaren Bergwasser die Aromen „spendieren“. Alle sechs Stunden wird der Inhalt der Stahltanks durchmischt um die bestmögliche Aromenverteilung zu erreichen. Wachholder, Muskat und einige andere Kräuter werden verarbeitet, um den würzigen und bitter-süßen Geschmack zu erreichen. Da die Produktionsmenge (ca. 800.000 Liter / Jahr) unter dem Dach Camparis zugenommen hat, braucht das Unternehmen mittlerweile eine sehr hohe Menge an Botanicals die einzig und allein in der Alpenregion wachsen, erklärt uns Edoardo Tarantola Peloni, Nachkomme des Gründers und Apothekers Francesco Peloni.

Historische Flaschen des Kräuter-Bitter. Foto: Michael Schabacker
Historische Flaschen des Kräuter-Bitter. Foto: Michael Schabacker

Edoardo ist in dem kleinen Unternehmen nach wie vor für alle Botanicals und die Mengeneinhaltung bei der Produktion zuständig. „Aber“, so Edoardo, „genaue Angaben kann ich dazu nicht machen. Das ist ein Betriebsgeheimnis.“ Der letzte Schritt vor der Abfüllung erfolgt 13 Meter unter der Erde, wo die Fässer zur Reifung stehen. Insgesamt hat das Unternehmen fast 400 Fässer befüllt, für bis zu drei Jahre erfolgt hier die Reifung des Likörs. Zwar werden diese Fässer in Italien gebaut, „das Holz ist aber slawonische Eiche“, berichtet Edoardo weiter.

Das finalisierte Produkt ist ein schwarz-roter Kräuter-Bitter, der einen kräftigen herbalen Geschmack vorweist und durch die lange Lagerung holzige Noten abliefert. Moschusgarbe, Wermut, Enzian und Wacholder, so verrät Edoardo dann noch, geben dem Braulio seinen aromatischen Charakter.

Ab in den Schnee

Doch Bormio hat natürlich vor allem eines zu bieten: eine wunderbare Winterlandschaft. Und will man etwas zentral für seinen Aufenthalt wohnen, empfiehlt sich das Hotel La Genzianella in Bormio. Denn von hier sind es gerade mal 200 Meter bis zur Bergbahn, besser geht es kaum.

Bormio: bekannt für sein schönes Skigebiet. Foto: Michael Schabacker
Bormio: bekannt für sein schönes Skigebiet. Foto: Michael Schabacker

Besser bezüglich abzufahrender Pistenkilometer geht es auch kaum. Denn mit dem Bormio-Skipass kann man nicht nur in Bormio, sondern auch in den Skigebieten Valdidentro /Cima Piazzi-San Colombano und Santa Caterina/Valfurva fahren. Insgesamt lassen sich so mehr als 100 Pistenkilometer erobern – und dass bis zu einer Höhe von 3000 Metern („Cima Bianca“). Eine der schönsten Strecken, da auch die längste, ist die „Cima Bianca-Bormio“. Auf einer Länge von acht Kilometern überwindet man gut 1800 Höhenmeter!

Das Skigebiet ist für alle Skifahrer – Anfänger wie auch Profis – geeignet. Freeridemöglichkeiten gibt es im Bereich „Ortler“ und „Cevedale“, für Shicracks empfiehlt sich die schwarze Piste „Betulle“. Valdidentro besteht weitestgehend aus Pisten für Anfänger und Fortgeschrittene. Prominent ist auch der „Haushang“ von Olympiasiegerin und Weltmeisterin Deborah Compagnoni, „Santa Caterina“, wo hauptsächlich rote und schwarze Abfahrten auf die Skifahrer warten. 

QC Terme

Und was bietet sich nach einem langen Skitag an? Ein wärmendes Bad. Die beste Gelegenheit dazu bietet die „QC Terme“, es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Eintauchen in die Geschichte – und zwar in eine Geschichte von römischen Bädern mit einer tausendjährigen Quelle. Ein Hochgenuss ist es, im Winter in die Außenbäder zu steigen und die Region zu beobachten…

Niedrige Außentemperaturen, wärmendes Bad... Foto: Michael Schabacker
Niedrige Außentemperaturen, wärmendes Bad... Foto: Michael Schabacker