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Schnee-Paradies Livigno

Wenn die gesamte Weltelite des Wintersports sich 2026 aufmacht Medaillen zu jagen, steht auch der kleine Winterskiort Livigno auf deren Agenda. Inmitten der italienischen Alpen und nahe der Schweizer Grenze gelegen ist Livigno vor allem bekannt für seine Pisten. 115 Kilometer Pisten verschiedenen Niveaus bieten Skifahrern kurzweiliges Vergnügen auf zwölf schwarzen, 37 roten und 29 blauen Pisten. Sechs Gondeln, 13 Sessellifte und elf Skilifte schaffen es bis zu 50.000 Personen stündlich zu befördern. Folge: Wartezeit weitestgehend Fehlanzeige.

Wie in den meisten Skigebieten, hat auch hier der Klimawandel dazu beigetragen, dass der Einsatz von Schneekanonen unumgänglich geworden ist. Mittlerweile sorgen 110 Schneekanonen für die Versorgung der Pisten mit Kunstschnee – und das bereits auf etwa 80 Prozent der Pisten. Das erfordert natürlich einen erhöhten Einsatz von Wasser und Energie. Umgerechnet bedeutet die Beschneiung pro Hektar einen Verbrauch von einer Million Liter jährlich!

Eines dürfte als sicher gelten: Bis zu den Olympischen Winterspielen werden sich diese Daten sicher noch verändern. Ohnehin steht der kleine Ort, in dem gerade mal 7000 Menschen wohnen und circa 260 Unterkünfte und Pensionen Gäste empfangen, besonders im Fokus von Umweltschützern. Im „Kleinen Tibet der Alpen“ werden 2026 Snowboard und Freestyle-Rennen stattfinden. Ausgesucht wurde Italien als Austragungsort vor allem wegen der sorgfältigen Beachtung der Nachhaltigkeit und der Projekte zum Abbau und zur Wiederverwendung der Infrastrukturen die für die Spiele geschaffen werden, so das Olympische Komitee.

Livigno am Abend. Foto: pixabay
Livigno am Abend. Foto: pixabay

Für die Veranstaltungen werden zum Teil Gebäude eingesetzt, die später weiter für andere Projekte genutzt werden sollen. Geplant ist die Verwendung für den nationalen Katstrophenschutz, um im Falle von Erdbeben oder anderen Naturkatastrophen schnell einsatzfähiges Material zu haben. Ebenso soll Abfallvermeidung neben Hightech-Energiequellen über integrierte Solarmodelle genutzt werden.

Geschichte des Ortes

Um sich ein wenig mit der Geschichte Livignos auseinanderzusetzen, bietet sich der Besuch des kleinen Museums im Ort an. Das „Mus!“ im Ortskern besteht eigentlich nur aus einem alten Bauernhaus, vermutlich aus dem Jahr 1692. Denn in der Region war zu der Zeit lediglich Landwirtschaft möglich. Die Wohnhäuser standen direkt auf dem Farmland, Holz war das wichtigste Gut zu der Zeit.

Als Rohstoff wurde das Holz nicht nur für den Bau der Häuser genutzt, sondern auch für Alltagsgegenstände und zum Kochen und Heizen. Wegen der großen Höhe war es aber auch ein rares und streng geregeltes Gut. Bäume wachsen in dieser Höhe langsamer, die Menge an Brennholz und Holz war für jede Familie geregelt. 

Im Mus!, dem Museum für die Geschichte Livignos im Ortskern. Foto: Michael Schabacker
Im Mus!, dem Museum für die Geschichte Livignos im Ortskern. Foto: Michael Schabacker

Die einzige landwirtschaftliche Ressource war das Heu, welches nur einmal im Jahr produziert werden konnte. Daneben gab es nur noch den Anbau von ein wenig Gemüse und Rüben. Es war eine karge Gegend, die deswegen bereits seit dem Mittelalter einen Sonderstatus genoss. Aufgrund der Isolationsbedingung und des Notstands der Bevölkerung hatte Livigno gewisse Steuerprivilegien. Waren aus dem benachbarten Tirol konnten importiert und weiter exportiert werden ohne dafür Zölle zahlen zu müssen. Nicht zuletzt dieser Umstand sorgte für eine rasante Entwicklung, das Leben und das Erscheinungsbild der Region wurde dadurch stark beeinflusst.

Und tatsächlich gilt dieses Recht noch heute. Livigno ist noch immer zollfreie Zone, es werden weder Mehrwert- noch Verbrauchssteuer erhoben. Ein Umstand, der in der Region zusätzlich für Touristen sorgt…

Foto: Michael Schabacker, pixabay