Verantwortlich dafür ist vor allem Georgiens besondere Lage: Eingebettet zwischen Schwarzem und Kaspischem Meer und eingerahmt vom Großen und Kleinen Kaukasus entstehen hier völlig unterschiedliche Wetterzonen. Die mächtigen Gebirge wirken wie natürliche Schutzwälle – sie blockieren kalte Luftströmungen, lenken Winde und schaffen in den Tälern und Ebenen ganz eigene Mikroklimata.
Im Westen bestimmt das Schwarze Meer das Wettergeschehen. Dort herrscht ein feuchtwarmes, mediterran-subtropisches Klima mit hohen Niederschlägen und vergleichsweise milden Temperaturen das ganze Jahr über. Je weiter man jedoch Richtung Osten reist, desto stärker setzt sich das kontinentale Klima durch. Heiße Sommer mit Temperaturen deutlich über 30 Grad treffen dort auf kalte Winter rund um den Gefrierpunkt. Besonders in den Regionen entlang der Gebirgsketten sind starke Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht typisch – ideale Bedingungen für charakterstarke, aromatische Weine.
Uralte Tradition
Kaum ein anderes Land ist so eng mit der Geschichte des Weins verbunden wie Georgien. Archäologische Funde belegen, dass hier bereits vor rund 8.000 Jahren Wein hergestellt wurde – vermutlich früher als irgendwo sonst auf der Welt. Herzstück dieser uralten Tradition ist der Qvevri: große Tonamphoren, die bis heute zur Gärung und Lagerung des Weins genutzt werden.
Ebenso bedeutend: Die Rebsorte Vitis Vinifera, Grundlage nahezu aller europäischen Qualitätsweine, soll ursprünglich aus dem Südkaukasus stammen und hier erstmals kultiviert worden sein. Wein ist in Georgien deshalb weit mehr als ein Genussmittel. Er gehört zum Alltag, zur Familie und zur nationalen Identität. Viele Haushalte besitzen noch heute kleine Weinberge und produzieren ihren eigenen Hauswein im traditionellen Qvevri.
Frische aus dem Herzen Kachetiens
Der 2024 Tsinandali Chelti bringt die Frische und Eleganz Ostgeorgiens ins Glas. Die geschützte Ursprungsbezeichnung Tsinandali zählt zu den bekanntesten Weißweinregionen Georgiens und liegt in Kachetien, dem traditionsreichen Zentrum des georgischen Weinbaus. Die Trauben Rkatsiteli und Kakhuri Mtsvane wachsen auf rund 400 Metern Höhe nahe des Dorfes Eniseli im Alasani-Tal – einer Region, die vom Klima des Kaukasus geprägt wird. Der Wein duftet nach grünem Apfel, reifer Birne und Zitrusfrüchten, begleitet von feinen Noten weißer Blüten und Kamille.
Am Gaumen wirkt er lebendig, klar und harmonisch. Das Familienweingut Chelti verbindet seit seiner Neugründung im Jahr 2001 jahrtausendealte georgische Weintradition mit moderner Kellertechnik. Neben klassischen Weinen entstehen hier auch authentische Qvevri-Weine, die in traditionellen Tonamphoren reifen. I
Weintradition mit königlichen Wurzeln
Mit dem 2021 Shavkapito Bio zeigt Château Mukhrani, wie spannend Georgiens alte Rebsorten heute schmecken können. Die seltene autochthone Sorte Shavkapito galt lange als beinahe verschwunden – heute erlebt sie auf dem historischen Weingut eine eindrucksvolle Wiederentdeckung. Der trocken ausgebaute Rotwein verbindet saftige Aromen dunkler Beeren und Kirschen mit einer feinen Pfeffernote. Ein Teil reift klassisch im Holzfass, ein anderer traditionell im Qvevri, den georgischen Tonamphoren. So entsteht ein Wein mit weicher Struktur, lebendiger Säure und bemerkenswerter Balance. Château Mukhrani selbst gilt als Symbol der modernen georgischen Weinrenaissance. Das 1878 gegründete Weingut verbindet königliche Geschichte, biologischen Weinbau und zeitgemäße Kellerkunst – und gehört heute zu den renommiertesten Adressen des Landes.
Amphorenwein
Im Osten Georgiens, in der traditionsreichen Weinregion Kachetien, lebt eine der ältesten Methoden der Weinherstellung bis heute weiter: der Ausbau im Qvevri. Die großen, eiförmigen Tonamphoren werden tief in der Erde eingegraben, wo Temperatur und Reifeprozess auf natürliche Weise reguliert werden. Genau dort entsteht auch der 2022 Qvevris Kisi – ein charaktervoller Orange Wine, der Vergangenheit und Gegenwart verbindet. Die autochthone Rebsorte Kisi verleiht dem Wein seine markante Persönlichkeit. In der Nase zeigen sich reife Birne, getrocknete Marille und feine Nussaromen, am Gaumen wirkt er kraftvoll, strukturiert und zugleich überraschend elegant. Hinter dem Wein steht Tbilvino. Seit Jahrzehnten verbindet das bekannte Weingut traditionelle Qvevri-Kunst mit moderner Kellertechnik und interpretiert das georgische Weinerbe auf zeitgemäße Weise neu.
Informationen:
Fotos: Carola Faber, Jacqueline Hess

