Blickt man gen Osten, wandert der Blick bei guter Sicht mühelos auch über die Adria bis nach Albanien. Wie alles auf der erst 2017 gegründeten Tenuta Liliana scheint auch diese Wahl des Weinberges mit Bedacht und Sinn für höchste Ansprüche und Qualität stattgefunden zu haben. Denn auch das Terroir dieses wie alle anderen der dreizehn Hektar der im Kordon-System bepflanzten Weinberge des Gutes spiegeln die Philosophie der Tenuta Liliana wider: Hier oben befinden wir uns auf den letzten Ausläufern des mit viel Lehm und Eisen versetzten Uralt-Gesteins des Apennins.
Der nahe Weinberg an der Contrada Lembo, wo auf einem der insgesamt 3,3 Hektar Sauvignon Blanc gedeiht, profitiert hingegen bereits von viel Muschelkalk und skelettreichem Boden. Etwas niedriger liegen dann die kleine Weinberg-Parzelle von Rischiazzi, der mit viel Tuff und Kalk aufwartet, während der Rebgarten Pizziferro (3,5 Hektar) bereits hohe Magnesium- und Kaliumgehalt besitzt. Schließlich liefert die Parzelle der Contrada Mitriano bei Alezio, nur 500 Meter vom Meer entfernt, auch schlammige, sandige Böden. So sind alle wichtigen geologischen Hauptzonen im diesem südlichsten Teil Apuliens, dem Salento, der gleichzeitig auch Italiens Stiefelabsatz bildet, mühelos abgedeckt.
Und natürlich hat man bei der Wahl der Rebsorten von Anfang an auch Klima und Terroir mitbedacht. Gewählt wurde schließlich vor allem die Rebsorte Cabernet Sauvignon, die heute 90 Prozent der Rebstöcke der Tenuta Liliana ausmacht. Gewählt wurden indes nur ausgewählte Klone, die ein Top-Experte der französischen Weinszene, Pier Marie Guillaume, nach spezifischen Kriterien für die Besitzerfamilie Intiglietta auswählte. Und die, allen voran das Ehepaar Antonio und Liliana Intiglietta, in Mailand beruflich hoch erfolgreich, aber tiefverwurzelt im Salento, möchte nichts weniger als hochexklusive Weine voller Eleganz, die den Salento als eines der besten Weinbaugebiete weltweit etablieren sollen. Schließlich befindet man sich hier auf den gleichen Breitengraden wie Kalifornien!
Korrigiert werden musste Pier Marie Guillaumes Klon-Wahl nicht, wie Andrea Fattizzo betont. Im Gegenteil: Mit dem Jahrgang 2021 des Tenuta Liliana Cabernet Sauvignon Salento IGP gelangte ein exzellenter Tropfen auf den internationalen Markt, der prompt 94 Punkte erzielte. Und dies für einen Newcomer! Es folgten die Jahrgänge 2022 und der aktuelle 2023er Jahrgang -allesamt exklusivste, hochelegante reine Cabernet Sauvignon Weine, für deren Qualität vor allem auch Andrea Fattizzo selbst steht.
Unterstützt wird er dabei von einem weiteren Star: Carlo Ferrini, der schon 2007 als weltweit bester Winzer geehrt wurde und heute als Berater für eine Vielzahl allerbester italienischer Rotweine steht. Seit zwei Dekaden verbindet Andrea Fattizzo, der früher auch schon eine Weinhandlung führte, und Carlo Ferrini eine enge Freundschaft. Regelmäßig überzeugt sich Ferrini vor Ort vom Fortgang des ambitionierten Projektes, das nun seit 2024 auch schon voll biozertifiziert arbeitet.
High-Tech-Cantina im Carparo-Steinbruch
Den idealen Standort für den nagelneuen, vom Architekten Angelo Giaccari geschaffenen hochmodernen Weinkeller fand man in einem in den 1960er Jahren aufgelassenen alten Carparo-Steinbruch. Carparo, eher Tuff- als Kalkstein und im Hausbau verwendet, ist das dominierende Gestein in und um das Städtchen Parabita, wo man im Ortsteil Rischiazzi fündig wurde. Auf
1000 Quadratmetern Fläche samt Dachgarten mit Solarenergie entstand ein architektonisches Wunderwerk aus Carparo, Beton, Glas und Korten in engem Dialog mit der Natur: eine Verbindung von Vergangenheit und Zukunft, wo sich die Düfte von Myrte, Macchia und Mastixstrauch und bei unserem Besuch auch frischer Erdbeeren mit der Brise des Ionischen Meeres mischen.
Die Cantina wartet mit neuesten konisch geformten Stahltanks, mit hochmodernen State-of-the-Art-Zementtanks, mit Keramik-Amphoren sowie mehreren aus Georgien importierten dickbäuchigen Amphoren auf. Dazu werden ausschließlich Barriques und Tonneaux aus französischer Eiche, vorwiegend aus den Wäldern von Fontainebleau verwendet, manche in zweiter Passage! Neben Cabernet Sauvignon werden hier nun auch Sauvignon Blanc, Petit Verdot und Cabernet Franc gekeltert. Und klar: Bei der Verkostung im Degustationsraum der Cantina – eine Empfehlung für alle Besucher – fällt die Wahl unter den drei präsentierten Cabernet-Sauvignon-Jahrgängen schwer.
Alle drei sind herausragend exzellent, der 2021er mundet aufgrund seines Alters schon etwas mehr „corposo“ und kraftvoller, der 2023er hingegen brilliert auch aufgrund seines niedrigen Alkoholgehaltes von 13,5 Prozent durch seine einzigartige Eleganz. Und der 2022er har jedwedes Potential, die zwei zu überholen! Je 20.000 Flaschen wurden jährlich als Blend abgefüllt, dessen Reben von allen fünf Weinbergparzellen stammen.
L`Angelus und Venus-Figurinen
Dass auch die Kunst eine bedeutende Rolle auf der Tenuta Liliana spielt, zeigte schon das Eingangstor zum Weinberg auf der Contrada Specchia. Dort leuchtet eine Zweitafel-Keramikarbeit des Keramikmeisters Lorenzo di Stefano aus Castelli in der Mittagssonne, die ein bedeutendes Werk aus dem 19. Jahrhundert zeigt: das Ölgemälde „L `Angelus“ („Das Angelusläuten“), 1858/59 von Jean-François Millet (1814–1875) geschaffen. Das mysteriöse Bild stellt einen Mann und eine Frau beim Dank für die Kartoffelernte dar.
Doch hatte später Salvador Dali wohl recht: Er behauptete, das Motiv stelle die Trauer eines Paares um sein totes Kind dar. Eine spätere Röntgenanalyse bestätigte, dass sich unter dem Dargestellten Korb auf dem Gemälde ursprünglich ein Kindersarg befand.
Gänzlich unstrittig sind indes die zwei berühmten „Veneri di Parabita“, die „Venus-Figurinen von Parabita“. Diese zwei winzigen, aus Pferdeknochen geschnitzten weiblichen Statuetten wurden 1965 in einer Höhle in Parabita entdeckt und werden auf ein Alter von 12.000 bis 14.000 Jahren geschätzt. Heute sind sie eine Zierde nicht nur im Archäologischen Nationalmuseum von Taranto (Tarent), sondern als „Veneri“ auch auf den Etiketten der neuen Weiß- und Roseweine der Tenuta Liliana. Eine Erstauflage von 2500 Flaschen des Veneri Sauvignon Blanc Salento IGP wurde schon vom Jahrgang 2024 abgefüllt.
Nun ist der 2025er auf dem Markt und steht nach fünf Monaten im Stahl erneut für die Energie und Strahlkraft des Salento. Großartig ist dann die absolute Novität des Hauses, der Veneri Cabernet Sauvignon Rosato IGP Salento 2025: Dieser Roséwein aus der Signature-Rebe des Gutes kann gut gekühlt perfekt als Aperitif dienen, aber auch zu leichten Vorspeiseplatten und ersten Gängen der Traditionsküche des Salento dienen! Ein unbedingte Muss wie such die Degustationsangebote der Tenuta Liliana.
Wer das Glück hat, mit Andrea Fattizzo eine solche Verkostung zu erleben, darf sich auf einen Kenner, Gourmet und Winzer freuen, der mit Sachverstand und Herzblut überzeugt und zudem such noch als Verleger von Weinliteratur vollends überzeugt. In seinem Verlag, den Edizioni Ampelos mit der neuen Sonderreihe Kleos Press, erscheinen aktuell Werke zu den Weinen im Piemont oder zu den starken Frauen in Siziliens Weinwelt, aber auch populär Lesenswertes wie ein Band zum Wein in der Bibel. Großartig auch, dass bei ihm ein Buch zu den großen Weinskandalen erschienen ist.
In jedem Fall: Zu den vielen noch zu hebenden Schätzen im südlichen Apulien zählt nun auch die Tenuta Liliana, ein neuer Weinstern m Stiefelbsatz. Und man darf sich auf zwei neue hochexklusive spezifische Parzellenweine der Cabernet-Sauvignon-Rebe vorfreuen, die bis 2028 erscheinen sollen.
Informationen:
Tenuta Liliana: www.tenutaliliana.com
Weinliteratur: www.edizioniampelos.it
Fotos: Tenuta Liliana

