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Die Wunder von Göreme gestern und heute

In der kleinen Ortschaft Göreme (2500 Einwohner), die heute von Landwirtschaft und Tourismus lebt, finden sich noch Spuren römischer Siedlung, dazu aus dem frühen Mittelalter und aus osmanischer Zeit: der aufwendig restaurierte Wohnsitz Mehmet Paşa Konağı, eines hohen osmanischen Beamten. Damit das historische Göreme mit seinen einzigartigen Felskegeln und Höhlenwohnungen erhalten bleibt, ist es seit 1985 verboten neue Räume in den weichen Tuffstein zu hauen. Auf dem Weg zum Freilichtmuseum, das 2 km entfernt liegt, befindet sich die 1957 entdeckte, Johannes dem Täufer geweihte „Sakli Kilise“ (Versteckte Kirche) aus dem 11. bis 12. Jahrhundert. Sie wurde von frühchristlichen kappadokischen Mönchen errichtet, um ihre Religion auch unter römischer Herrschaft im geheimen weiter praktizieren zu können.

Open-Air-Museum Göreme

Obwohl die Farben verblasst sind und die sakralen Felsbauten zerbröseln, beindruckt ein Besuch des Freilichtmuseums, das diese frühe Höhlenarchitektur zugänglich macht und vom Arbeits- und Gemeinschaftsleben kappadokischer Mönche und Nonnen sowie der Bevölkerung vor Ort erzählt, zutiefst. Für frühchristliche Einsiedler, die bei ihrer Suche nach Gott strengster Askese unterlagen, boten die natürlichen Grotten und Höhlen im heutigen Nationalpark (türkisch: Tarihî Millî Parkı) ideale Wohnbedingugen. Getreide-, Obst- und Gemüseanbau in den Tälern warf genügend ab zum Leben. Bald entstanden Klostergemeinschaften, die die christliche Lehre praktizierten, sozial und karikativ tätig waren, Heilkunde, aber auch Landwirtschaft betrieben. Nonnen und Mönche lebten im engen Miteinander mit der örtlichen Bevölkerung. 

Eindrucksvolle Felsen-Architektur. Foto: Ellen Spielmann
Eindrucksvolle Felsen-Architektur. Foto: Ellen Spielmann

Gleich nach dem Eingang des Freilichtmuseums erhebt sich der Nonnenfelsen, auch Mädchenkloster genannt, eine aus dem Felsen gehöhlte Klosteranlage. Sie enthält neben den Zellen auch Gemeinschaftsräume, Küche, Refektorium. Daneben liegt die Basileus Kapelle auch aus Byzantinischer Zeit. Sie ist dem kappadokischen Kirchenvater Basileus der Große geweiht. Er stellte Maria in den Mittelpunkt seiner christlichen Lehre (der Erlösung), so dass sie auf zahlreichen ehemals farbenprächtigen Wandbildern zu sehen ist. In der repräsentativen „Dunklen Kirche“, einer Kreuzkuppelkirche mit sechs Kuppeln haben sich die Malereien, sie zeigen u.a. die Himmelfahrt Christi, am besten erhalten. 

Symbolisch aufgeladene Namen wie Schlangenkirche, Kirche mit den Sandalen, Apfelkirche, die beeindruckende Baukunst und farbenreiche Wandmalereien repräsentieren den tiefen Glauben, aber auch gelebte Alltäglichkeit der frühen Christengemeinden. Interessant ist zu sehen, wie lange nach den Umbrüchen im Zuge der türkischen Eroberung Anatoliens religiöse Toleranz herrschte und christliche Malerei und Kunst weiter praktiziert wurde.    

Große Kunst bei Keramik-Töpfermeister Galip

Bekannt als der türkische Einstein, wegen seines Aussehens betreibt Galip Korukcu seit 40 Jahren seine Töpfer und Keramikwerkstatt Chez Galip in Avanos, einem traditionellen Familienbetrieb in fünfter Generation. Er genießt höchste internationale Anerkennung, frühe Arbeiten finden sich im renommierten Musée de l´Homme in Paris. Meister Galip gewann zahlreiche Preise und er profilierte sich als Lehrmeister einer Reihe sehr erfolgreicher Keramikkünstler. Mit seinen Workshops und Vorträgen auf internationalem Parkett, vor allem aber durch die Qualität und Schönheit seiner Kunst nimmt er eine Sonderstellung ein im traditionell von der Töpferei lebenden Avalos. 

Durch das Städtchen fließt der Kizilirmark (Rote Fluss), der längste Fluss der Türkei. Schon in der Zeit der Hettiter (2000-1500 v. Chr.) wurde hier Keramik hergestellt. Das Material, der rote Lehm, kommt aus dem Fluss, wird im Frühjahr an die Ufer geschwemmt. Den weißen Lehm beziehen die Töpfer aus den Bergen. Im anliegenden Museum und Showroom sind Keramiksammlungen, traditionelle, antike und moderne Stücke anzusehen und auch zu erwerben.

In der Keramikwerkstatt Chez Galip in Avanos. Foto: Ellen Spielmann
In der Keramikwerkstatt Chez Galip in Avanos. Foto: Ellen Spielmann

Lokale kappadokische Küche

Im Zentrum Göremes liegt das beliebte Dibek Restaurant, ein Höhlenrestaurant in 500 Jahre alten Gemäuern, ein Familienbetrieb in der fünften Generation. Der große mit Teppichen ausgelegte Gastraum diente zu Großvaters Zeiten als Pferdestall. 2003 öffnete das neu restaurierte Restaurant auf 2 Etagen. Ein sehr beliebtes Lamm- oder Rindfleischgericht ist Testi Kebabı. Dieses lokale Gericht für das das Dibek bekannt ist, wird in den berühmten Tonkrügen der Region zubereitet. Im Dibek kommt nur Rindfleisch zusammen mit roten und grünen Paprika, Zwiebeln und Knoblauch in den Keramikkrug, mit Teig bedeckt wird es mindestens drei bis dreieinhalb Stunden lang in dem mit Holz beheiztem Lehmofen gegart.

Die Präsentation des Gerichts ist der spannendste Teil des Essens: Der Tontopf wird am Tisch zerbrochen, die mit Rauchnoten versehene köstliche Fleisch-Gemüse-Mischung wird serviert. Im Schnitt werden pro Saison 15.000 Tongefäße gebrochen. Dazu serviert das Dibek einen Hauswein, ein blend aus drei Rebsorten aus der Gegend von Ankara.

Das Tık Tık Kadın Emeği Restaurant in Ürgüp

Die Anstrengungen haben sich gelohnt, das nur von Frauen betriebene Tik Tik Manti (Nudeln) Restaurant wurde 2026 in die Liste der Michelin Restaurants aufgenommen. Seine umweltfreundliche Produktion, die Auswahl der Gerichte, der Service überzeugten. In der Frauenkooperative, die vor 10 Jahren mit 5 Frauen in Ürgüp startete, arbeiten 18 Personen, einige kommen aus den umliegenden Ortschaften. Die Anschubfinanzierung für das Sozialprojekt leistete ein Ballonfahrt-Hotelunternehmen, erzählt die junge Chefin Hatice Ersoy. 

Ballonfahrten in der Region. Foto: Ellen Spielmann
Ballonfahrten in der Region. Foto: Ellen Spielmann

Das Tik tik ist ein Non-Profit-Unternehmen, das Frauen, jungen und alten einen Job gibt und ausbildet, Stipendien für die Universität in Ankara oder Istanbul vermittelt. Es ging ihnen darum alte Rezepte und traditionelles Kochen wieder aufleben zu lassen. Der Name Tik tik gibt phonetisch das Geräusch wieder, das das Messer beim Schneiden der Nudeln auf dem Brett macht. Unter dem Motto „Hier zählt der Happen“ ist es Programm des Tik tik, eine kulturelle Erfahrung besonderer Art, d.h. eher ein Essen im familiären Kreis als im Restaurant zu bieten, einen Ort für authentisches türkisches Nudelerlebnis zu schaffen. 

Es gibt handgemachte Pasta mit Rinderhackfleisch oder Gemüse, andere Nudel- und Gemüsegerichte, mit Käse, Minze-Joghurt-, Knoblauchjoghurtsauce. Auch gefüllte Weinblätter, mit Kürbiskernen gefüllte Köfte (weil die Walnüsse oft erfrieren) in aromatischer Tomatensoße, Nudel-, Tandoor- Suppe mit getrocknetem Joghurt, Linsen- Kichererbsen Suppe serviert das Tik tik, sowie Baklava und Aprikosenkompott zum Dessert. Vom Gastraum aus fällt der Blick in die kleine Küche, wo die lokalen Köstlichkeiten zubereitet werden.


Informationen:

Kappadokien: www.cappadocia.goturkiye.com

Utopia cave hotel: www.utopiacave.com

„Ziggy´s Restaurant: www.ziggycafe.com

Chez Galip: www.chezgalip.com 

Fotos: Ellen Spielmann

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