SOStain, entstanden aus einer Initiative des Sicilia-DOC-Konsortiums und Assovini Sicilia, ist inzwischen das zentrale Nachhaltigkeitsprogramm des sizilianischen Weinbaus. Seine Basis bilden zehn klar definierte Mindestanforderungen, deren Einhaltung von unabhängigen Zertifizierungsstellen überprüft wird. Erst dann dürfen Betriebe das SOStain-Siegel tragen.
Heute gehören 43 Weingüter zur Stiftung, 33 davon sind bereits zertifiziert. Zusammen bewirtschaften sie über 6.300 Hektar Reben und bringen jährlich 23 Millionen Flaschen auf den Markt – erzeugt nach Prinzipien, die ökologische Verantwortung, soziale Sorgfalt und wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit miteinander verbinden. Da das Programm von SOStain zugleich die Einhaltung des staatlichen VIVA-Standards verlangt, messen und überwachen die Mitgliedsbetriebe regelmäßig ihren CO₂-Fußabdruck, Wasserverbrauch und mögliche Pestizidrückstände – überprüft von akkreditierten Stellen.
„Sustainable Interactions“
Die Stiftung fördert darüber hinaus Projekte, die ökologische, soziale und ökonomische Nachhaltigkeit voranbringen und Siziliens Rolle als Modellregion des nachhaltigen Weinbaus stärken. „Die SOStain Foundation wurde etabliert, um ein Netzwerk zu schaffen, das Unternehmen, Forschung und Gemeinschaften miteinander verbindet – und um Sizilien in den Mittelpunkt eines gemeinsamen Innovationsweges zu stellen“, sagt Alberto Tasca d’Almerita, Präsident der Stiftung.
„Das Symposium bietet jedes Jahr einen Moment des Innehaltens und Überprüfens dessen, was wir gemeinsam aufbauen – als Weinwertschöpfungskette und als Gemeinschaft.“
In 2025 sollte der Blick weiter reichen als sonst. „Wir wollen über ‚Possible Worlds‘ sprechen: Welche Art von Zukunft und Welt können wir – und wollen wir – aufbauen? Welche Rolle kann die Landwirtschaft dabei spielen, Wohlbefinden für Menschen und Territorien zu schaffen?“
Tasca unterstrich, dass nachhaltiges Handeln längst über reine betriebliche Entscheidungen hinausgeht: „Mehr denn je möchten wir betonen, dass Nachhaltigkeit nicht länger eine individuelle Wahl oder gar ein Kommunikationsziel ist – sie ist ein kollektiver Prozess, der aus kontinuierlichem Dialog zwischen Produzenten, Institutionen, der Forschungswelt und den Verbrauchern entsteht.“
Werte für Menschen und Landschaften
Über die Jahre habe sich SOStain zu einem „offenen Labor“ entwickelt, so Tasca. „Aus diesen ‚Sustainable Interactions‘ entsteht die authentischste Form von Innovation – jene, die Wert für Menschen und Landschaften schafft.“
Moderiert wurde das Symposium von Giorgia Bollati, Wissenschafts- und Umweltjournalistin und Autorin für Pianeta 2030 des Corriere della Sera.
Nach der Eröffnung durch Alberto Tasca und der Vorstellung des neuen Video-Manifests eröffnen Chiara Patitucci (Inedita Srl Società Benefit), Prof. Lucrezia Lamastra (SOStain Scientific Committee) und Klimaexperte Luca Mercalli die wissenschaftliche Perspektive – mit einem Blick auf aktuelle Umwelt- und Klimaszenarien.
Anschließend vertieften zwei thematische Sessions die Diskussion:
– „Agriculture and Sustainability“, mit Beiträgen über Innovation im Weinberg, Biodiversität und Energietransformation.
– „The Evolution of Agricultural Enterprises and New Business Models“, inklusive des Panels „The Future is Regenerative“, in dem mehrere SOStain-Mitgliedsbetriebe ihre Erfahrungen teilten.
Zu den Referenten gehörten Manuela Macchi (Chapter Zero Italy), Pietro Franceschi (Fondazione Mach), Raffaele Cirone (Präsident von FAI), Eleonora Riva Sanseverino (Universität Palermo), Prof. Biagio Pecorino und Enrico Foglia (Regenerative Marketing Institute) sowie unter den Gästen auf dem Podium José Rallo von Donnafugata.
Eine internationale Perspektive brachte Estefania Marti Malvido von der True Price Foundation ein. Sie zeigt neue Methoden auf, um den tatsächlichen Wert landwirtschaftlicher Produktionsprozesse zu berechnen – inklusive der bislang oft ausgeblendeten ökologischen und sozialen Kosten.
Drei Brüder, ein Weingut
Das Weingut Alessandro di Camporeale im Südwesten Siziliens ist mehr als ein Betrieb; es ist ein Erbe, das sich in jeder Falte der Landschaft widerspiegelt und ein bestes Beispiel für Nachhaltigkeit darstellt. Es wird heute mit einer Mischung aus traditioneller Handwerkskunst, beharrlicher Hingabe und moderner Steuerung geführt. Die Region ist von milden, nicht zu trockenen Klima-Parametern geprägt. Zum Weingut gehören rund 35 Hektar Rebfläche inmitten eines 50 Hektar großen Landschaftsraums. Daneben bewirtschaftet die Familie Alessandro zwei Hektar Olivenbäume, aus denen erstklassiges Öl gewonnen wird – eine weitere Facette des familiären Engagements.
Biodiversität des Bodens
Der Boden, reich an Ton und Kalk, bietet ideale Voraussetzungen für autochthone Sorten wie Nero d’Avola, Catarratto und Grillo – ergänzt durch den internationalen Syrah. Doch jenseits der genetischen Identität der Reben ist es das ökologische Konzept, das dem Betrieb seinen Charakter verleiht. Alle Arbeiten im Weinberg erfolgen nach Prinzipien des ökologischen Landbaus und werden von Hand erledigt. Rosen begleiten die Reben als Frühwarnsystem gegen Schädlingsbefall; Gründünger stärkt die Bodenfruchtbarkeit und schützt vor Erosion; Hecken und Sträucher rund um die Reben fördern Biodiversität und dienen als Lebensraum für parasitäre Hilfskräfte, die die natürlichen Gleichgewichte unterstützen. Tradition, Erfahrung und ein tiefes Verständnis der Landschaft sorgen dafür, dass Werte geschützt und Spitzenweine geschaffen werden.
Tradition trifft Moderne
Im Keller arbeiten Natale und Benedetto Alessandro Hand in Hand mit den Trauben des Familiengutes. Ihre Mission: die sizilianische Weintradition mit modernen Mitteln interpretieren und die sensorischen Qualitäten der Trauben herausarbeiten. Seit 2000 bietet der Keller ideale Bedingungen: Ein System zur automatischen Regulierung von Temperatur und Luftfeuchtigkeit sorgt für konsistente Reifung und Veredelung. Für den Syrah kommen Barriques, Tonneaux und große Eichenfässer zum Einsatz, in denen der Wein zehn Monate ruht, danach weitere sechs Monate in Flaschen bei einer konstanten Temperatur von 18 Grad Celsius.
Die Sorten Catarratto, Grillo und Nero d’Avola folgen einem anderen Pfad: sechs Monate Reifung in Stahltanks, gefolgt von einigen zusätzlichen Monaten in Flaschen, um Länge und Ausprägung zu integrieren. Zu den lohnenswerten Aushängeschildern gehören ein frischer und würziger Metodo Classico 2020 sowie aus dem Jahrgang 2024 ein weicher und eleganter Benedè Catarratto, ein aromatischer, gut strukturierter Donnatà Nero d’Avola, ein saftiger, delikater Grillo Mandranova, ein komplexer Monreale Perricone Mandranova und ein vielschichtiger Kaid Vendemmia Tardiva,
Was dieses Weingut auszeichnet, ist weniger der bloße Fokus auf Größe als die Qualität des Gleichgewichts: zwischen Tradition und Innovation, zwischen Bodenständigkeit und Handwerk, zwischen regionaler Identität und weltweitem Anspruch. Die Weine von Alessandro di Camporeale spiegeln eine Region wider, deren Charakter sich nicht in Schlagzeilen, sondern im Glas entfaltet – in Weinen, die die Seele der Insel tragen.
Informationen:
Fotos: Carola Faber

