Foodie

Sternekoch Markus Pape bereitet Wellness für den Gaumen

„Kulinarik ist für mich Wellness für den Gaumen“, sagt Markus Pape, Patron des Meisenheimer Hofs – und man spürt es in jedem Gang. Seine Küche schmeichelt dem Gaumen, ohne laut zu sein.

Gemeinsam mit Küchenchef Florian Holtmann und dessen Team entstand ein Fünf-Gänge-Menü, das regionale Wurzeln mit feiner Klassik verband. Hochwertige Produkte, handwerkliche Präzision und klare Aromen bestimmten den Takt des Abends. 

Seit 2013 führen Markus und Clarissa Pape das traditionsreiche Haus aus dem Jahr 1699 in Meisenheim am Glan. Der Michelin-Stern, der seit 2024 über dem Weinhotel leuchtet, wirkt dabei weniger wie ein Ziel – sondern wie eine stille Bestätigung einer Küche, die Herz und Handwerk zusammenbringt.

Küchenchef Markus Pape. Foto: Carola Faber
Küchenchef Markus Pape. Foto: Carola Faber

Wie ein klärender Atemzug

Der Abend beginnt stilvoll mit einem Glas Champagne Lanson Black Label, das die Sinne behutsam öffnet. Die Perlage ist fein, die Nase erinnert an Frühling, an helle Blüten und einen Hauch Honig. Am Gaumen treffen Zitrus und reife Frucht aufeinander, getragen von einer stillen Tiefe. Zum ersten kleinen Gruß aus der Küche wirkt der Champagner wie ein klärender Atemzug: Er nimmt die Schwere, bevor sie entstehen kann, und stimmt auf einen Abend ein, der mehr verspricht als bloße Abfolge von Gängen.

Es folgt das Tatar vom Glantalrind, roh und klar im Ausdruck, zugleich geprägt von asiatischen Aromen. Miso und Dashi verleihen Tiefe, Shiitake bringt erdige Wärme. Dazu der Spätburgunder Rosa Rosé 2024 vom Weingut Disibodenberg: rotbeerig, frisch, von einer feinen Säure getragen. Der Rosé nimmt dem Umami die Schwere, seine zarten Tannine geben dem Fleisch Halt, ohne es zu dominieren. Zwischen Glas und Teller entsteht ein leichtfüßiger Dialog – als würde ein lauer Abendwind durch die würzige Komposition ziehen.

Tatar vom Glantalrind. Foto: A. C. Bassin
Tatar vom Glantalrind. Foto: A. C. Bassin

Präzision im Glas, Präzision auf dem Teller

Mit der leichten Essenz von Roter Bete wird es leiser, aber nicht weniger spannend. Die erdige Süße der Bete trifft auf die Schärfe von Meerrettich, die feinen Nadelstiche des Senfkaviars und die fermentierte Tiefe der Kimchi-Gyoza. Der Riesling Schloss Neuenburg 2023 antwortet mit Klarheit. Pfirsich und Aprikose blitzen auf, Zitrus hält die Linien straff. Der Wein fängt die Süße der Bete auf, kühlt die Schärfe und bringt Ordnung in das Spiel der Kontraste. Präzision im Glas, Präzision auf dem Teller – beides ergänzt sich ohne sich zu überbieten.

Das Filet vom Skrei im Limonen-Kräuterduft wirkt fast schwebend. Schwarze Linsen geben Bodenhaftung, Schwartenmagen eine herzhafte Tiefe, die Beurre blanc umhüllt alles mit sanfter Fülle. Der Grauburgunder Vulkanstein 2024 von Christian Steitz setzt dagegen mineralische Spannung: gelbe Frucht, Rauch, ein salziger Biss. Er greift die Kräuter auf, schneidet durch die Butterigkeit und verleiht dem Fisch Kontur – ein Gleichgewicht zwischen Opulenz und Klarheit.

Filet vom Skrei. Foto: Carola Faber
Filet vom Skrei. Foto: Carola Faber

Wein umarmt Tiefe des Gerichts

Kräftiger wird es mit dem Allerlei vom Kalb. Radicchio bringt Bitterkeit, Hackfrüchte und Sellerie erdige Süße, die Sauce Grand Veneur dunkle Würze. Der Pinot Noir Mercurey 2023 aus dem Burgund legt rote und schwarze Früchte darüber, würzige Röstaromen und geschmeidige Tannine. Der Wein umarmt die Tiefe des Gerichts, ohne es zu beschweren – er trägt die Würze, lässt Raum für die Bitterkeit des Radicchio und hält die Balance.

Zum Dessert öffnet der Moscato d’Asti Solaris von Marrone den Raum wieder ins Helle. Pfirsich, Aprikose, florale Leichtigkeit, feine Perlage. Der modern interpretierte Bienenstich mit Mascarpone, Sanddorn und Sauerrahmeis findet darin einen spielerischen Partner: Die Süße des Weins fängt die Speise auf, die Säure des Sanddorns bekommt Leichtigkeit, das Eis bleibt frisch. Wer den Abend verlängern möchte, findet im gereiften Grappa Nebbiolo Riserva der Edeldestillerie Francoli einen warmen Nachklang – still, aromatisch, ein letztes leises Echo dieses Menüs.

Allerlei vom Kalb. Foto: Carola Faber
Allerlei vom Kalb. Foto: Carola Faber

Kulinarische Bühnen für den Norden

Das Schleswig-Holstein Gourmet Festival steht seit 1987 für kulinarische Entdeckungsreisen im hohen Norden. Ziel der Initiative ist es, die Qualität regionaler Produkte sichtbar zu machen und Schleswig-Holstein als Genussregion über die Landesgrenzen hinaus zu positionieren. Herzstück des Festivals sind 18 vielfach ausgezeichnete Köchinnen und Köche aus dem In- und Ausland, die mit ihrer persönlichen Handschrift, handwerklicher Präzision und kreativen Ideen aus heimischen Viktualien außergewöhnliche Gerichte entwickeln.

Im Mittelpunkt des 39. Schleswig-Holstein Gourmet Festivals, von September 2025 bis März 2026, stehen 15 Mitgliedsbetriebe mit insgesamt 33 hochkarätigen Veranstaltungen. Ob Gastkochabende oder kulinarische Themenmenüs – das Festival brachte Spitzenküche und regionale Qualität in einen genussvollen Dialog und machte den Norden einmal mehr zur Bühne für anspruchsvolle Kulinarik.


Informationen:

www.gourmetfestival.de

Fotos: A. C. Bassin, Carola Faber

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