Die kulinarische Interpretation dieser Symbolik trägt die Handschrift von Küchenchef Dirk Hoberg. Der passionierte Wassersportler entdeckte seine Leidenschaft fürs Kochen im Hotel Walhalla in seiner Heimatstadt Osnabrück. Seit 2010 prägt er die Küche des Ophelia. Schon ein Jahr später erhielt das Restaurant seinen ersten Michelin-Stern, 2012 folgte die zweite Auszeichnung. 2018 ehrte ihn der Gault&Millau als „Aufsteiger des Jahres“.
Hoberg ist ein Mann der leisen Töne: bescheiden – und ausgesprochen sympathisch. „Kochen ist für mich Liebe“, sagt er ohne jegliches Pathos. Dazu gehört auch die Wertschätzung für seine Mitarbeiter, die ihresgleichen sucht. „Für mich bedeutet Teamgeist mehr als Zusammenarbeit“, sagt der Geschmackskünstler, dessen Führungsstil von Offenheit und höchstem Respekt geprägt ist. „Es ist das gegenseitige Vertrauen, das gemeinsame Engagement und die Freude daran, jeden Abend etwas Besonderes zu schaffen.“ Diese Haltung überträgt sich auf sein gesamtes Team – und schließlich auch auf die Teller.
Ein Menü voller Bodensee-Momente
Blickfang im Restaurant ist die großzügig dimensionierte Schauküche – nicht als Bühne für die Show, sondern als Ort präzisen Handwerks. Mit Ruhe, Hingabe und feinem Gespür kreieren Hoberg und sein Team ihre kulinarischen Preziosen – ohne Hektik, dafür mit viel Souveränität und Harmonie. Oldies von Supertramp über die Beatles bis hin zu Eric Clapton untermalen das Geschehen musikalisch.
Viermal im Jahr wechselt das neungängige Menü, das den Jahreszeiten folgt. Regionalität bildet den Ausgangspunkt, bleibt jedoch kein Dogma: Fisch aus dem Bodensee, Gemüse von der nahen Insel Reichenau und handverlesene Produkte aus der Umgebung verbinden sich mit jenen Einflüssen, die Hoberg auf seinen kulinarischen Reisen gesammelt hat. Schon die vier Begrüßungen sind ein kleines Kunstwerk für sich – und zeigen die Verbundenheit des gebürtigen Osnabrückers Hoberg mit seiner Wahlheimat. Exemplarisch dafür steht die virtuose Miniatur aus dem traditionellen Konstanzer Fladenbrot „Dünnele“ mit Crème fraîche, der auf der Bodensee-Halbinsel angebauten roten Zwiebel Höri-Bülle und Felchen, dem emblematischen Fisch des Bodensees.
Produktqualität in Perfektion
Mit dem Rücken der Bodensee-Kuh demonstriert Hoberg sein sicheres Gespür für erstklassige Produkte. Das Fleisch stammt von alten Milchkühen, die ihr Leben auf den Weiden rund um den Bodensee verbracht haben. Nach einer Reifezeit von acht Wochen wird es kurz angebraten, anschließend bei 200 Grad im Ofen gegart und zum Abschluss auf dem Green Egg über offenem Feuer vollendet. Immer wieder mit dem eigenen Fett glasiert und hauchdünn aufgeschnitten, präsentiert es sich von außergewöhnlicher Zartheit und aromatischer Tiefe. Für zusätzliche Tiefe sorgt eine intensiv konzentrierte Jus, die glücklicherweise – wie alle Saucen – à part gereicht wird. Den Grundstock liefern Kalbsknochen, ehe die Knochen der Dry-Aged-Bodensee-Kuh für zusätzliche Tiefe und Komplexität sorgen.
Zu seinem außergewöhnlichen Teamverständnis passt, dass Dirk Hoberg manche seiner Kreationen höchstpersönlich serviert. Zum Beispiel den gebratenen Kaisergranat aus Dänemark, begleitet von einem Püree aus der winzigen, ungemein aromatischen Reichenauer Cocktailtomate „Inselperle“, Spargel aus Tettnang sowie einem herrlich intensiven Krustentier-Gewürzsud, der glücklicherweise auch separat gereicht wird. Gleiches gilt für die schaumige Krustentier-Hollandaise: Sie bleibt auf dem Tisch – man kann ohnehin nicht genug davon bekommen
Zum würdigen Abschluss trifft die aromatische Bodensee-Erdbeere auf Karamell, Sauerampfer und Vanille. Die dazu gereichte Zabaione wird nicht klassisch mit Marsala, sondern – eine weitere Referenz an die Region – mit Müller-Thurgau zubereitet.
Die Handschrift perfekter Gastlichkeit
Für die passende Weinbegleitung zeichnet seit Dezember 2019 Gastgeber und Sommelier Jerom Nicke verantwortlich. Er zelebriert eine Gastfreundschaft, die sich nicht in den Vordergrund drängt, aber nachhaltig wirkt. Der junge Restaurantleiter, der ursprünglich nie eine Laufbahn in der Gastronomie plante, hat eine Weinkarte aufgebaut, die dem hohen Anspruch des Ophelia gerecht wird.
Seine Expertise spiegelt besonders eindrucksvoll in den „Editionen Jerom Nicke“ wider, die er zusammen mit unterschiedlichen Weingütern kreiert. In Kooperation mit dem Hohentwieler Weingut Vollmayr etwa ist mit dem tiefgründigen, biologisch ausgebauten 2022er Pinot Noir „Vom Vulkan“ aus der höchsten Weinlage Deutschlands ein Wein entstanden, der den Rücken und die Schulter des Poltinger Lamms kongenial begleitet.
Raritäten glasweise genießen
Für Gäste, die exklusive Raritäten von höchster Klasse schätzen, hält Nicke eine Auswahl feinster Weine bereit, die dank Coravin glasweise ausgeschenkt werden können. Auf diese Weise kommt man etwa in den seltenen (Hoch)genuss eines „La Tâche Grand Cru Monopole 2020“ aus der Domaine de la Romanée-Conti. Eine Entdeckung für Liebhaber großer Rieslinge ist der – auf maximal drei Flaschen je Kunde limitierte – „Riesling C.O. Liquid Earth 2015“ des rheinhessischen Top-Weinguts Battenfeld Spanier. Grundlage bilden ausschließlich die ältesten, von Hand selektierten und markierten Rebstöcke. Der zu Recht als „flüssige Erde“ bezeichnete Wein wird erst nach mindestens fünf Jahren Reife für den Verkauf freigegeben.
Mehr als ein Aperçu am Rande: Dass Küchenchef Hoberg den Erfolg als Teamleistung versteht, zeigt ein schönes Detail: Auf der Rückseite der Speisekarte sind sämtliche Mitarbeiter namentlich aufgeführt. Stellvertretend für das gesamte Serviceteam möchten wir Marie Wagner hervorheben, die uns ebenso charmant-liebreizend wie fachkundig durch den Abend begleitet hat.
Mediterranes Flair am Bodenseeufer
Das „Ophelia“ befindet sich in der denkmalgeschützten Jugendstilvilla aus dem Jahr 1909, die an das Hotel Riva angegliedert ist. Bei schönem Wetter können die Gäste auf der Terrasse speisen, wo der weite Blick über den Bodensee das Genusserlebnis perfekt macht.
Die 69 Zimmer und Suiten des Riva vereinen zeitlose Eleganz mit höchstem Wohnkomfort. Im rund 400 Quadratmeter großen Spa-Bereich rückt der Alltag schnell in weite Ferne. Ein ganzjährig beheizter Rooftop-Pool mit Panoramablick, weitläufige Ruhezonen und ein Yogaraum mit direktem Zugang zum Pooldeck schaffen eine Oase der Entspannung – inspiriert von den Elementen Wasser, Licht und Luft. Die freistehende Wendeltreppe aus Teakholz, die sich über fünf Etagen zieht, zieht die Gäste gleich hinter der großzügigen Lobby in ihren Bann. Zum Gesamterlebnis gehört auch das Riva Seerestaurant, wo Küchenchef Kevin Berlet und sein Team eine ebenso präzise wie fein austarierte Küche zelebrieren.
Der Name Riva ist Programm. Mediterrane Leichtigkeit, stilvolles Design und die direkte Lage am Wasser lassen beinahe vergessen, dass man sich am Bodensee befindet. Gemeinsam mit dem Ophelia entsteht daraus eine außergewöhnliche Symbiose aus Spitzenküche und Gastlichkeit.
Informationen:
Fotos: Philipp Uricher (Hotel Riva), Christian Euler





