Und die internationale Weinkritik überschlägt sich in Lobeshymnen: Mindestens 98 Punkte (u. a. Falstaff, James Suckling), dann 99 von vielen weiteren und dann sogar einhundert von möglichen 100 Punkten (Lobenberg) wurden bereits vergeben. Dabei hat der Masseto 2023 noch nicht einmal seine volle Power und Ausdrucksstärke erreicht. Attestiert wird ihm eine Langlebigkeit, die mindestens bis 2050, durchaus aber auch bis 2070 liegt. Der Masseto 2023: einerseits ein Genuss par excellence, andererseits eine veritable Geldanlage, die erfreulicherweise jederzeit flüssig ist und zur Verfügung steht.
Masseto ist heute ein eigenständiges Weingut sowie naturgemäß eine eigenständige Marke, die aber faktisch zur schon fast legendären Tenuta Ornellaia gehört, die seit 2005 im Besitz der toskanischen Familie der Marchesi (Markgrafen) Frescobaldi ist. Seit 2006 zeichnete hier der Deutsche Axel Heintz für die außerordentliche Spitzenqualität der weltweit zu den besten Weinen zählenden Erzeugnisse verantwortlich. Nun führt der noch junge Winzerstar Marco Balsimelli, Jahrgang 1983 und studierter Önologe, als Technischer Direktor Masseto wie Ornellaia. Und die Lobeshymnen auf ihn überschlagen sich. Kein Wunder, denn auch das schwierige Weinjahr 2023 wurde von ihm offenbar mit äußerster Bravour gemeistert. Einem milden Winter folgten ausgiebige Regenfälle im Frühjahr, was dann allerdings vom Team im Weinberg besonders sorgfältige Selektionsarbeit erforderte.
Marco Balsimelli: „Die Natur hat uns vor eine Herausforderung gestellt, und wir haben sie angenommen und in eine Stärke verwandelt!“ Der Sommer brachte dann viel Sonne, indes keine extreme Hitze. So reiften die Trauben langsam und gleichmäßig und entwickelten so Konzentration und Harmonie. Ende August regnete es erneut, es folgten kühle Nächte im September, was den Trauben aromatische Komplexität brachte und zudem Säure und Frische bewahrte. Und Balsimelli weiter: „Es war ein Jahrgang voller Vitalität, der uns viel Freude schenkte.“
Ernte und Herstellung
Geerntet wurde vom 6. September bis zum 5. Oktober per Hand, die gelesenen Trauben extrem vorsichtig in 15-kg-Kisten gelegt. Dann ging es quasi minutenschnell in die nahe Kellerei von Masseto, die direkt in den Weinberg hineingebaut wurde. Sofort wurde das Lesegut entrappt, die Beeren schongepresst und dank Schwerkraft in die Zementtanks geleitet. Auf Masseto wird jede Parzelle separat vinifiziert. „Jede Parzelle hat ihre eigene Stimme“, so Balsimelli „Wir vinifizieren sie separat, damit sie sich voll entfalten kann. Erst mit der Assemblage treffen die unterschiedlichen Charaktere aufeinander und vereinen sich zu Masseto.“ Nach 24 Monaten im Barrique (80 Prozent neu!) wurde der Masseto abgefüllt und blieb dann ein weiteres Jahr zur Reifung im Weinkeller.
Ein Merlot der Weltklasse
Das Ergebniss ist nun seit Oktober 26 dieser Masseto 2023, ein reiner, tief rubinroter Merlot mit satten, überaus kraftvollen 15 Prozent Alkoholgehalt. Zu den dunklen, saftigen Fruchtaromen gesellen sich Nuancen von schwarzem Pfeffer und süßem Tabak. Dieser Masseto überzeugt durch kraftvolle Eleganz, Komplexität, Frische und Dynamik, punktet mit präzisen, ausgewogenen Tanninen und ist ein Meisterwerk. Marco Balsimelli: „Masseto 2023 ist lebendig und ausgewogen. Ein Wein, der sich bereits heute klar und ausdrucksstark präsentiert und zugleich eine lange Zukunft vor sich hat!“
Nur: Eine Sparschweinfüllung wird vermutlich für den Kauf einer 0,75-Liter-Flasche des Masseto 2023 kaum reichen. Der stolze Preis bewegt sich im letzten Viertel unterhalb 700 Euro! Der Masseto 2023 ist also etwas für den Weintresor!
Basis des Geheimnisses: blauer Lehm
Das Rätsel und Mysterium rund um den Masseto wurde allerdings schon Anfang der 1980er Jahre erkannt – und umgehend in einen Wein umgesetzt, der heute die Welt erobert hat. Der größte Dank gebührt dabei dem Boden, denn die Trauben des Masseto gedeihen auf einem einzigen Weinberg, dessen Oberfläche sich durch steinharte blaue Lehmklumpen auszeichnet. Diese nennt man lokal „massi“, woher der Masseto auch seinen Namen bezieht. Er ist verwurzelt in den Tiefen des blauen Lehms, der über geologische Zeitalter hinweg durch Faltung wieder an die Erdoberfläche gelangte. Dies spezielle Terroir, gepaart mit Licht und Wärme de Sonne sowie den kühlen Brisen des Meerwindes, war die Basis für den Masseto. Dann kamen die quasi geniale Intuition und der hartnäckige Fleiß einiger weniger Winzermeister hinzu, die das Potential dieses Weinbergs erkannten und dem Weinberg seither Jahrgang für Jahrgang durch spezifische Pflege seine besonderen Geheimnisse entlocken. Im Weinkeller folgt dann ein möglichst minimaler Eingriff.
Günstigere Alternative: der Massetino
Während der Masseto vermutlich ab 2028, nach anderen Einschätzungen ab 2033 seine besonderen Zusatzqualitäten entfalten wird, hat der seit 2017 produzierte Zweitwein, der „Massetino“, schon heute gute Aussichten, im Weinglas zu brillieren. Auf dem Markt ist bereits der Massetino 2024, ein Blend aus 91 Prozent Merlot und neun Prozent Cabernet Franc, der ebenfalls enorme 15 Prozent Alkoholgehalt mitbringt und ebenfalls schon mit bis zu 98 Punkten bewertet wird. Der Vorteil dieses seidig aromatischen Weins: Die 0,75-Liter-Flasche liegt preislich bei nur etwa einem Drittel des Hauptweins Masseto 2023. Das schont die Geldbörse. Und das Weinerlebnis sollte dennoch hochgradig entzücken. Besuchen kann man Masseto übrigens nicht, wohl aber die Tenuta Ornellaia, um dort genussvoll auch mehr zum Masseto zu erfahren.
Informationen:
Masseto: www.masseto.com/de
Massetino: www.masseto.com/de/wein/massetino-2024
Tenuta Ornellaia: www.ornellaia.com/de/
Fotos: Masseto / Tenuta Ornellaia

