71 Weine stellten sich in diesem Jahr der Bewertung einer Fachjury aus Sommeliers renommierter Spitzenrestaurants, Önologen und weiteren Weinexperten. Unter den eingereichten Weinen befanden sich 17 Vermentino Superiore sowie zahlreiche Erzeugnisse aus biologischem Anbau – rund 30 Prozent der Teilnehmer stammen inzwischen aus zertifiziert ökologischem Weinbau. Verkostet wurden überwiegend die Jahrgänge 2024 und 2022, die eindrucksvoll zeigen, wie vielseitig sich Vermentino in der südlichen Toskana präsentiert: von frischen, mineralischen Weinen bis hin zu komplexen, lagerfähigen Interpretationen.
Zehn Siegerweine
Zu den zehn höchstbewerteten Weinen zählen in alphabetischer Reihenfolge: Belguardo Mazzei mit dem Vermentino Superiore „Belguardo V“ 2022, Bruni („Perlaia“ 2024), Colli del Vento („Frieda“ 2024), La Biagiola („Cocciopesto“ 2022), Fattoria Il Casalone („Leopoldino“ 2024), Guido F. Fendi („Burattini“ 2022), Mantellassi („Scalandrino“ 2024), Podere Poggio Bestiale mit dem Vermentino Superiore „PerLelo“ 2024, Rocca delle Macie („Vigna L’Aja Bruciata“ 2024) sowie Tenuta Casteani mit dem Vermentino Superiore „Maremmano“ 2024.
Wie die Wettbewerbsregeln vorsehen, bestehen alle ausgezeichneten Weine zu mindestens 85 Prozent aus Vermentino. Die meisten wurden sortenrein vinifiziert, vereinzelt ergänzen kleine Anteile von Viognier, Sauvignon Blanc oder Trebbiano die Cuvées.
Vermentino aus der Amphore
Zu den ungewöhnlichsten Siegerweinen der „Cocciopesto“ von La Biagiola gehören. Der reinsortige Vermentino entsteht auf 350 Metern Höhe in einer vom Meer beeinflussten Vulkanlandschaft mit Böden aus Bimsstein und Vulkanasche. Seine Besonderheit liegt jedoch vor allem im Ausbau: Nach einer schonenden Pressung und statischen Mostklärung reift der unfiltrierte Wein 15 Monate lang in innovativen Cocciopesto-Amphoren. Diese aus einem traditionellen Gemisch aus Ziegelmehl und Kalk gefertigten Gefäße verleihen dem Wein eine eigenständige Charakteristik und unterstreichen seinen handwerklichen Anspruch.
Abgefüllt wird der „Cocciopesto“ ausschließlich in limitierter Auflage; jede Flasche ist von Hand nummeriert. Im Glas zeigt sich ein intensives Strohgelb. Das Bouquet vereint feine Zitrusnoten mit Anklängen von Rosenblüten und weißen Blüten. Am Gaumen präsentiert sich der Vermentino bemerkenswert ausgewogen und nachhaltig, mit einer dezenten Rauchnote, lebendiger Säure sowie Aromen von exotischen Früchten und Zitrusfrüchten, die dem Wein Frische und Tiefe verleihen.
Eleganz mit Frische
Und mit dem L’Aja Bruciata Vermentino Maremma DOC zeigt Rocca delle Macìe, wie viel Ausdruckskraft in der Rebsorte Vermentino steckt. Sein Bouquet verbindet saftige Birne und frische Zitrusfrüchte mit einem Hauch von Honig, der dem Duft eine feine, elegante Tiefe verleiht. Die Aromen wirken präzise und harmonisch, ohne aufdringlich zu sein.
Am Gaumen präsentiert sich der Vermentino trocken, lebendig und ausgewogen. Die frische Säure sorgt für Spannung und verleiht dem Wein eine angenehme Leichtigkeit, während der dezente Holzausbau zusätzliche Struktur und Finesse beisteuert. Mit nur 3 Gramm Restzucker bleibt der Charakter des Weins klar und geradlinig. Der lange, fein mineralische Nachhall rundet das Geschmackserlebnis stilvoll ab und macht Lust auf den nächsten Schluck.
Für diesen reinsortigen Vermentino werden die Trauben nach der Lese zügig verarbeitet. Nach einer sorgfältigen Selektion und einer schonenden Pressung erfolgt die temperaturkontrollierte Gärung sowohl in Edelstahltanks als auch in kleinen Holzfässern. Anschließend reift der Wein mehrere Monate auf der Feinhefe. Diese Kombination aus moderner Kellertechnik und behutsamem Holzeinsatz verleiht dem L’Aja Bruciata seine elegante Balance, aromatische Tiefe und geschmeidige Textur.
Wichtiger Gradmesser
Für Francesco Mazzei, Präsident des Consorzio Tutela Vini della Maremma Toscana, ist der Wettbewerb längst mehr als eine reine Prämierung. Er sieht darin einen wichtigen Gradmesser für die Entwicklung der gesamten Herkunftsbezeichnung. Das Qualitätsniveau steige kontinuierlich, gleichzeitig wachse das Bewusstsein der Winzer für das enorme Potenzial der Rebsorte. Vermentino sei heute der authentischste Botschafter der Maremma und bringe die unterschiedlichen Terroirs der Region besonders eindrucksvoll zum Ausdruck.
Auch Konsortiumsdirektor Luca Pollini unterstreicht die stilistische Bandbreite. Neben fruchtbetonten, jungen Weinen überzeugten zunehmend auch strukturierte und langlebige Vermentinos. Diese Vielfalt verleihe der Maremma Toscana DOC ein klares Profil und stärke ihre Position auf internationalen Märkten.
Die wirtschaftlichen Zahlen bestätigen diese Entwicklung. Während die Weinproduktion in der Toskana insgesamt zuletzt leicht rückläufig war, behauptet sich die Maremma Toscana DOC gegen den Trend. Mit knapp 7,5 Millionen erzeugten Flaschen verzeichnet das Gebiet gegenüber dem Vorjahr ein leichtes Plus. Besonders bemerkenswert fällt der Blick auf die vergangenen Jahre aus: Seit 2019 ist die Produktion um mehr als 22 Prozent gewachsen – stärker als in jeder anderen DOC der Toskana.
Begrenzte Verfügbarkeit
Vermentino ist dabei längst die wichtigste Rebsorte des Anbaugebiets. Mit mehr als 2,4 Millionen Flaschen steht sie inzwischen für rund ein Drittel der gesamten DOC-Produktion. Insgesamt entfallen über 43 Prozent aller erzeugten Flaschen auf Weißweine. Auch der Ciliegiolo gewinnt weiter an Bedeutung und behauptet sich als drittstärkste Kategorie hinter Vermentino und Rosso. Selbst die vergleichsweise kleine Ansonica legt weiter zu und überschreitet erstmals die Marke von 100.000 Flaschen.
Viele der beim Grand Prix ausgezeichneten Vermentinos stammen aus kleinen Produktionen und sind außerhalb Italiens nur eingeschränkt erhältlich. Gerade diese begrenzte Verfügbarkeit macht viele der prämierten Weine jedoch zu interessanten Entdeckungen für Liebhaber charaktervoller mediterraner Weißweine.
Informationen:
Fotos: Carola Faber, Consorzio Vini Maremma Toscana

