Die letzten 4 Tage der Expedition gelten dem Besuch des weißen Kontinents. Beeindruckend Hope Bay mit der argentinischen Forschungsstation Esperanza, die jedoch leider nur von den Zodiacs aus beobachtet werden kann. In Curtiss Bay kommen nun auch die mitgeführten Kajaks zum Einsatz, dieser Teil der Expedition muss durch einen Aufpreis von 250 US$ pro Ausflug beglichen werden. Nicht selten begleiten Wale die Auswahrten aus nächster Nähe. In Palaver Bay wird gar ein Kaiserpinguin gesichtet, dieser hatte bei der Sammlung der zu beobachteten Pinguine noch gefehlt. Die Expeditionsleitung hat bewusst ein Programm erarbeitet, um – wenn möglich – alle in der Antarktis heimischen Pinguine sehen zu können. Nun, die Rechnung ist zur großen Freude aller aufgegangen, auch, wenn der Besuch des Kaiserpinguins sicher einer großen Portion Glück zuzuschreiben ist. Auf der Rückfahrt und kurz vor Einfahrt in die Drake Passage kann noch ein Zwischenstopp auf Deception Island eingelegt werden. Die Insel ist Teil der Südsandwich Insel Gruppe und regelmäßig Bestandteil der Expeditionen in der Nähe der antarktischen Halbinsel. Zu spektakulär ist die Einfahrt in die wassergefüllte Kaldera des erloschenen Vulkans, als dass man dies auslassen könnte.
Die Anspannung einzelner Gäste vor dem Durchqueren der berüchtigten Drake Passage ist heutzutage meist unbegründet. Zwar muss gesehen werden, dass in der Vergangenheit bis zum heutigen Tage über 11.000 Seeleute ihr Leben in der Passage verloren haben, da die hohen Wellen ihren Tribut zollten. Doch dank hochmoderner Navigationsgeräte sind die Bedingungen exakt vorab bekannt und solide abzuschätzen. Kapitän Vlad ist seit der ersten Stunde auf der SH Diana und hatte die zu erwartende Wellenhöhe mit knapp 3 Metern bemessen. Er sollte Recht behalten. Dank der hervorragenden Eigenschaften ein Leichtes für das neue Schiff. Die Rückreise verläuft entspannt und ruhig. Beinahe langweilig, wären da nicht die interessanten Vorträge danke der Lektoren.
Wohin die Reise gehen wird
Ein Blick auf die jüngsten Entwicklungen der Expeditionskreuzfahrt lässt erste Systematisierungen erkennen. Zum einen scheint es einen nachhaltigen Trend „back to the roots“ zu geben. Hierzu zählt auch das sehr hochwertige Angebot der drei Swan Hellenic Schiffe SH Diana, SH Vega und SH Minerva. Die Kerndienstleistung wird in flexiblen Anlandungen mit ausreichend Zeit zu Erkundungen an Land gesehen. Dazu bedarf es Schiffe mit einer Kapazität von unter 200 Passagieren. Der entscheidende Faktor für die Buchung einer solchen Reise ist das Expeditionserleben vor Ort. Da laut der Bestimmungen für Anlandungen in der Antarktis gemäß der IAATO nur maximal bis zu 100 Gäste an Land gebracht werden können, benötigen Schiffe mit einer Passagierkapazität von deutlich über 200 Gästen für die Operationen bis zu acht Stunden.
Dies führt in Konsequenz zu maximal einer Anlandung pro Tag, auch, wenn die nächste Destination praktisch nur eine Bucht entfernt liegt. Die Anzahl der Anlandungen wird also weniger durch die zurückzulegenden Distanzen, sondern in erster Linie durch die Anzahl der Passagiere an Bord definiert. Das ist der entscheidende Grund, warum in den letzten Jahren im Luxussegment Schiffe mit einer Kapazität von ca. 270 Gästen positioniert wurden, die wiederum zusätzliche, sehr aufwendige, aber nicht immer nachhaltige oder ergiebige Leistungen haben mit aufnehmen müssen.
Ein erster Schritt in diese Richtung war vor ca. 15 Jahren das ergänzende Angebot von Kajaktouren in den Buchten der Antarktis. Mit einem solchen Angebot ist eine parallele Expeditionsgestaltung mit drei Angeboten möglich. Eine Gruppe kann an Land gebracht werden. Eine zweite wird in Zodiac Fahrten unterhalten und eine dritte Gruppe wählt die Kajakalternative. Dies hat zudem den Vorteil, dass die Erlösstruktur des Anbieters optimiert wird, denn diese Angebote sind nur gegen Aufpreis möglich. Im Sinne dieser Entwicklungen werden nunmehr bei einzelnen Schiffen sogar U-Boote mitgeführt und Fahrten im Eismeer angeboten (auch dies gegen einen deutlichen Aufpreis). Eine weitere Alternative sind mitunter Helikopterflüge. Das Angebot muss also differenziert werden, damit auch eine relative hohe Zahl von bis zu 270 Gästen in vier Gästegruppen zeitgleich unterhalten werden kann. Im Ergebnis geht dies im Regelfall zu Lasten der Anzahl täglicher Anlandungen.
Die SH Diana von Swan Hellenic konzentriert sich auf das ursprüngliche Expeditionserleben, bestehend aus den Anlandungen und Zodiac Fahrten im Eis. Ergänzt durch vereinzelte Kajaktouren. Dies alles auf einem sehr hohen Niveau.
Der Reisende sollte vor seiner Buchung grundsätzlich überlegen, ob ein Schiff von ca. 150 Gästen für ihn die beste Alternative ist oder für ihn die ergänzenden Dienstleistungen wie z.B. U-Boot fahren im Vordergrund stehen. Es können bei Schiffen mit ca. 270 Gästen an Bord also deutlich weniger Anlandungen durchgeführt werden, da für jede Destination bis zu acht Stunden Verweildauer kalkuliert werden müssen, um sicherzustellen, dass auch jeder der Gäste die Chance erhält, an Land gehen zu können. Als Faustregel kann gelten: Schiffe mit der Option für eine Anlandung pro Tag oder Schiffe mit der Option für zwei Anlandungen pro Tag, abhängig von der Größe des Schiffes.
Da Expeditionen in die Antarktis einen überproportional großen Anteil an Wiederholungsreisenden aufweisen, muss zudem seitens der Anbieter über eine weiterreichende Ausdifferenzierung der Routen nachgedacht werden. Einzelne Anbieter haben dies bereits erkannt und haben Reisen nur nach Südgeorgien mit in ihr Programm aufgenommen. Da im Regelfall bei den längeren Antarktisreisen hier nur bis zu ca. vier Tagen verweilt werden kann, bieten derlei Reisen Expeditionen von bis zu zehn Tagen vor Ort. ‚South Georgia in depth‘, sozusagen. Ein weiterer Trend wir die künftige Fokussierung auf das Weddell Meer sein. Bislang wird die östliche Seite der antarktischen Halbinsel nur sporadisch inkludiert, der weitüberwiegende Teil verläuft an deren westlicher Küste. Gerade um Wiederholungsgäste künftig anzusprechen, sollte hier nach ergänzenden Alternativen geschaut werden. In diesem Zusammenhang ist sicher auch das Ross Meer an der gegenüberliegenden Seite der Antarktis relevan.
Dies wird im Regelfall, es gibt eine Ausnahme, nur im Rahmen einer antarktischen Halbumrundung angeboten. Aber auch hier zeigen sich erste Entwicklungen. War eine solche Reise in der Vergangenheit eher die Ausnahme, bieten aktuell vier Schiffe diese Route entlang der Amundsen See und der Bellingshausen See ab.
Während der Reise mit der SH Diana wurden neue Freundschaften geschlossen. Die sehr hochwertige Ausstattung des Schiffes im skandinavischen Design, die internationale und durch viele Wahloptionen strukturierte Küche, das sehr gut ausgebildete Personal (Lektoren und Expeditions Staff) und die durchweg große Flexibilität bei der Gestaltung der Abenteuer im Eis sprechen für sich. Ja, viele werden zurückkehren, denn der Volksmund hat Recht: Wiedersehen macht Freude.
Informationen:
Fotos: Frank Dieter Sistenich, Swan Hellenic








