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Mandarin Oriental Ritz: Madrids Hotellegende in neuem Glanz

So ein wenig hat die pandemische Lage, die weltweit die Hotellerie zum Erliegen brachte, dem Mandarin Oriental Ritz in die Karten gespielt. Mit den Renovierungsarbeiten, die 2018 begannen um das Hotel zu modernisieren, wurde die Zeit der Pandemie mehr als gut überbrückt. Sinnvoll genutzt, kann man da wohl durchaus sagen. Und mit der Eröffnung im April dieses Jahres stieg das Mandarin Oriental Ritz passgenau wieder in den Markt ein!

Nunmehr präsentiert sich das Gebäude als das wohl beste und luxuriöseste Hotel Madrids. 111 Jahre Geschichte, 111 Jahre Hotellerie prägen dieses so außergewöhnliche Gebäude der Belle Époque in Spaniens Hauptstadt. Und so ein wenig ist der Odem dieser schillernden Epoche noch spür- und greifbar. Denn alles in diesem Hotel ist geprägt von zeitloser Eleganz und einem neo-historischen Hintergrund in Punkto Ausstattung und Interieur.

Leitung unter César Ritz

1910 öffnete das Hotel seine Pforten für die ersten Besucher. Der Schweizer Hotelier César Ritz hatte zunächst noch die Leitung und Aufsicht über den Bau des Ritz Hotels, konnte aber durch eine Krankheit bereits ab 1905 nicht mehr richtig am Geschehen teilhaben. 1918 verstarb César Ritz nach langer Leidenszeit, ohne wohl noch so richtig das Hotel genießen zu können.

Palm Court und Pictura Bar

Nun also steht das Mandarin Oriental Ritz in neuer Pracht in prestigeträchtiger Lage im Herzen des Geschäfts- und Kulturviertels von Madrid bereit, die Genießer und Anhänger der gehobenen Hotellerie zu begrüßen. Der spanische Architekt Rafael de La-Hoz aus Córdoba und das französische Designduo Gilles & Boissier haben mit der Gestaltung des Mandarin Oriental Ritz eine mehr als elegante und luxuriöse Atmosphäre geschaffen – die Arbeit der gestalterischen Protagonisten verleiht dem Haus greifbare Geschichte im Mantel des Staunens.

In der Lobby: Deckenskulptur statt Kronenleuchter. Elemente wurden durch Fotografien von Pflanzen im Park angefertigt (vernickelt). Foto: Mandarin Oriental Hotel Group
In der Lobby: Deckenskulptur statt Kronenleuchter. Elemente wurden durch Fotografien von Pflanzen im Park angefertigt (vernickelt). Foto: Mandarin Oriental Hotel Group

Denn es sind die vielen kleinen Details, die dieses Hotel so besonders machen: Die Lobby mit den hunderten vernickelten Blättern an der Decke (Haberdashery), den wunderschönen weißen Säulen und den rund um den Bereich angebrachten, ebenfalls vernickelten, Verzierungen der Belle Époque, der angrenzende Palm Court, lichtdurchflutet, hell, mit Mobiliar, dass ebenfalls an das vergangene Jahrhundert erinnert, oder auch die Pictura Bar, die, kurz gesagt, an Imposanz kaum zu überbieten ist.

Top Position – Nummer 1″

Und eben hier treffen wir auch Greg Lidell, General Manager des Mandarin Oriental Ritz. Als Area Vice President ist er jedoch nicht allein für das Haus in Spaniens Metropole Madrid zuständig, sondern steuert auch die Geschicke des Mandarin Oriental in Barcelona und in Canouan. Auf unsere Frage, wo denn der Stellenwert des Mandarin auf dem hiesigen Hotelmarkt einzuschätzen sei, antwortet er lächelnd: „Natürlich auf der Top Position – Nummer 1.“ Und damit dürfte er unumwunden richtig liegen, betrachtet man die Lage, Ausstattung, aber auch die Preispolitik des Hauses. Denn eine Übernachtung im Mandarin Oriental Ritz ist unter 900 Euro die Nacht kaum buchbar.

Ein Spiegel der Geschichte offeriert sich auch in der Pictura Bar, ist es doch fast weniger Bar als ein Ort des Entdeckens und Staunens. Ein Saxophonspieler im Hintergrund, dezente Beleuchtung, elegantes Mobiliar und die fast ins Innere schauenden Augen der Personen auf den Gemälden an den Wänden. Denn dort, an den Wänden, ist so ein wenig das Stimmungsbarometer des Abends manifestiert. Natürlich sollten dies in aller erster Linie die Drinks oder Cocktails auf der Karte sein (und die sind über jeden Zweifel erhaben!), allerdings ist es eine optische Entdeckungsfahrt, die einzelnen Elemente in diesem Raum zu erforschen.

Der gewisse „touch“

Die angesprochenen Gemälde sind wohl durchaus als geschichtlicher und sozialer Spiegel Madrids anzusehen. Denn die vierzehn von der Fotografin Paula Anta erstellten Porträts von Musikern, bildenden Künstlern, Schriftstellern, Tänzern, Architekten und Schauspielern sind durch ihre Machart stark erinnernd an Werke alter Meister – aber in Symbiose mit dem gewissen „touch“ der Moderne. Denn Beleuchtung und Farbpaletten sind in Adaption zur Gegenwart ein visueller Bezug zu großen Künstlern des Museo del Prado, welches sich in Sichtweite zum Hotel befindet. Diese zeitgenössische Bindung neuer künstlerischer Wege zum Althergebrachten fasziniert und lässt fast ruhelos beobachten. Ein wahrhafter optischer Magnetpunkt…

Die Pictura Bar: Opulenter Charme des Belle Époque. Foto: Mandarin Oriental Hotel Group
Die Pictura Bar: Opulenter Charme des Belle Époque. Foto: Mandarin Oriental Hotel Group

Nur wenige Meter von der Bar entfernt ein weiteres interessantes Kunstwerk. In einem 250 cm großem Kreisrahmen verarbeitete die Künstlerin Rachelle Reichert ein Naturmaterial, welches zunächst überraschen dürfte. Mit spanischem Salz aus der Region Torrevieja, der Heimatstadt von Küchenchef Quique Dacosta, manifestiert die Künstlerin jedes Salzkorn, jedes Kristall, um individuelles Licht einzufangen. Es ist eine Hommage an das Meer – und ein wenig auch an den Küchenchef, der weit über die Landesgrenzen den meisten Kennern ein Begriff sein dürfte.

Vom Tellerwäscher zum 3*-Koch

Quique Dacosta hat mit dem „Quique Dacosta“ Restaurant drei Sterne und somit den höchsten Grad der Ehrung durch den Michelin Guide erfahren dürfen. Und dies durch eine absolut beeindruckende Karriere. Als Tellerwäscher angefangen, vollzog er seinen zielstrebigen Weg weiter über die Arbeit in Pizzerien und Tapas-Bars. 1991 eröffnete er sein Restaurant „El Poblet“ in Dénia. Als 3*-Koch ist er nun auch zuständig für die kulinarischen Geschicke im „Deessa“, dem Restaurant im Mandarin Oriental Ritz in Madrid.

Besuch im Deessa

Ein Besuch im „Deessa“ dürfte also durchaus als gesetzt gelten, besucht man die spanische Metropole und/oder ist Gast im Hotel. Denn hier zeigt sich höchste spanische Kochkunst mit dem gewissen Extra. Gerichte wie „Kaviar und Fisch Rogen Selektion“ und „Geräucherter Aal mit Chili-Suppe“ waren die ersten kulinarischen Überraschungen im Menü. Aber als besonders konnte wohl der „Ray in black butter sauce“ angesehen werden. Den Kopf ausgeschaltet und neugierig gegessen: wunderbar. Es war, wie zu vermuten ist, nicht das schönste Tellerbild, aber das wohlschmeckendste

Gang: The enchanted forest. Foto: Michael Schabacker
Gang: The enchanted forest. Foto: Michael Schabacker

Ebenfalls sehr geschmacksintensiv: „Iberian porc shoulder“. Hier schmeckte man das volle Holzaroma der Röstung durch, ebenso wie beim Gang „Smoked eel rice with cherries“. Wie so oft in der Top-Gastronomie Spaniens: es war alles etwas rustikaler. Und vor allem: experimenteller. So wie eben auch beim Gang „The enchanted forest“. Ein kleines Sammelsurium an Aromen, die einen Wald darstellten nebst „Moos“ und Pizen. Eine optisch gelungene Komposition, die im Übrigen sehr üppig daherkam.

Kurz gesagt: Der Besuch im Deessa ist absolut anzuempfehlen. Ebenso sollte man sich auch einen Besuch auf der Terrasse gönnen und eventuell auch dort zum Dinner das illustre Treiben der Gäste und die tolle Abendatmosphäre der pulsierenden Metropole genießen. Allerdings geht das natürlich auch tagsüber: zum Lunch, einem Kaffee – oder einfach nur um zu relaxen!

Eines bleibt festzuhalten: Das Mandarin Oriental Ritz Madrid ist ein Hotel, dass unbedingt auf jede Bucket List gehört! Denn schon Yves Saint-Laurent sagte über das Hotel, welches er stets als Gast während seiner Aufenthalte in Madrid besuchte: „genuinely felt at home“ (sich wirklich zu Hause fühlen)…


Information: 

https://www.mandarinoriental.de/madrid/hotel-ritz/luxury-hotel

Fotos: Mandarin Oriental Hotel Group, Michael Schabacker

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