Travel

Madeira: Eine Insel im Weihnachtsrausch

Es scheint fast so, als wolle der Lichterglanz der Farbenpracht der Blumen – und Pflanzenwelt von Madeira eine neue Dimension verleihen. Auf der Insel gedeiht eine Vielzahl von Früchten, angefangen von Äpfeln bis hin zu Zitronen. Es gibt eine breite Palette von Obstsorten, darunter Ananas, Aprikosen, Avocados, Bananen, Papayas, Baumtomaten, Weintrauben und Cherimoyas. Dank ihrer Lage im warmen Golfstrom profitiert Madeira von günstigen Klima- und Wetterbedingungen. Die vorhandenen Gebirgszüge sorgen gleichzeitig für Wetterscheiden, was zu abwechslungsreichen Klimazonen in verschiedenen Regionen der Insel führt. 

Die Pflanzen blühen das ganze Jahr über, ursprünglich waren etwa 800 Pflanzenarten auf Madeira heimisch. Im Laufe der Jahrhunderte brachten Seefahrer aus der ganzen Welt zahlreiche weitere Pflanzen auf die Insel. Heutzutage sind rund 1200 verschiedene Arten aus Afrika, Asien, Europa und Australien auf Madeira zu finden, wobei 120 Arten ausschließlich auf der Insel beheimatet sind.

Pflanzenwelt Madeiras: 1200 verschiedene Arten. Foto: Carola Faber
Pflanzenwelt Madeiras: 1200 verschiedene Arten. Foto: Carola Faber

Kulinarische Erkundungen in Funchal

Schon bei einem kulinarischen Stadtrundgang wird die Vielfalt der Produkte und der Gerichte in Verbindung mit der Historie deutlich. Renke Olieslagers lebt seit ihrem 15. Lebensjahr auf der Insel. „Hier ist es so schön, dass ich niemals mehr weggehen möchte“, bestätigt die gebürtige Belgierin ihre Liebe für die Blumeninsel. Mit Empathie führt sie Gäste zu den feinsten kulinarischen Adressen der Stadt. So beginnt die vierstündige Tour in dem Teehaus „Loja do Chà“, wo unter anderem der feine inseleigene Tee mit einem Gebäck genossen werden kann. 

Auf Madeira gibt es sogar ein eigenes Verzeichnis historischer Geschäfte. Dazu gehört der kleine Laden „Mercearia do Bento“, wo man sich spezielle Gewürzmischungen zusammenstellen lassen kann. „Der Inhaber Bento kann auf das Gramm genau – ohne Waage – die beliebte Weihnachtsgewürzmischung zusammenstellen“, berichtet Renke Olieslagers. Auch die Fábrica Santo António ist als ein Hotspot für delikates Gebäck bekannt. Das Interieur des Ladens, der sich auf die Herstellung traditioneller madeirischer Süßigkeiten spezialisiert hat, stammt noch aus dem Gründungsjahr 1893. Besonders beliebt sind der traditionelle madeirische Zuckerrohrhonig-Kuchen, handgefertigte Bonbons, Quittengelee und Konfitüren aus Früchten der Region. 

Kulinarische Köstlichkeiten... Foto: Carola Faber
Kulinarische Köstlichkeiten... Foto: Carola Faber

Nach der kurzen Zeitreise lohnt sich ein Besuch in der Markthalle. Neben Maronen wird dort von handgefertigten Pralinen über Gemüse und Früchten bis zum Fisch die riesige Vielfalt der Insel geboten. Lohnenswert ist auch eine Kostprobe vom „Bolo do Caco“, einem saftigen Fladenbrot aus Süßkartoffelmehl oder -püree. Besonders zur Adventszeit wird es gern, gefüllt mit Schweinefleisch sowie Knoblauchbutter, genossen. 

Gastronomische Perlen

Já Fui Jaquet lautet der Name für ein Restaurant in der Altstadt mit einer regionalen und frischen Küche sowie einem Fokus auf inseltypischen, innovativ interpretierten Gerichten, wie den köstlichen Kabeljaubällchen mit einem passenden Wein. Unbedingt probierenswert ist ein Poncha.  Dieses traditionelle Getränk auf Madeira besteht typischerweise aus Aguardente de cana-de-açúcar, einem madeirischen Brand aus frischem Zuckerrohrsaft, Bienenhonig und einheimischem Zitronen- und Orangensaft. „Für einen Liter Aguardente de cana-de-açúcar werden zwölf Kilo Zuckerrohr benötigt“, erklärt Renke Olieslagers schmunzelnd. 

Zu den weiteren empfehlenswerten Adressen in Funchal dürfte das elegante und stilvolle Restaurant Vivaldi zählen. Auch das Restaurant Kampo gehört zu den gastronomischen Perlen. Im Zentrum des gemütlichen Ambientes befindet sich die offene Küche von Chefkoch Júlio Pereira. Er bereitet kreative, moderne Speisen aus marktfrischem Gemüse und Fisch oder lang gereiftem Fleisch zu. Und nicht zu vergessen: Handgemachtes, hausgebackenes Brot aus natürlich fermentiertem Teig.

Viele Restaurants locken mit lokalen Spezialitäten. Foto: Carola Faber
Viele Restaurants locken mit lokalen Spezialitäten. Foto: Carola Faber

Wandern durch das Paradiestal

Nur wenige Kilometer hinter Funchal bietet die Hochebene traumhafte Panorama-Wanderwege. Die Paradiestal-Route führt entlang des malerischen und jahrhundertealten Levada Serra do Faial Trails, durch das charmante und traditionsreiche Bergdorf Camacha. Der Pfad schlängelt sich an landwirtschaftlich genutzten Terrassen vorbei, die wie riesige Stufen in die Hügel eingebettet sind. Die Wanderung bietet eine spektakuläre Kulisse mit üppiger Vegetation und urwüchsigen Wäldern.

Die abwechslungsreiche Landschaft des Paradiestals begleitet die Wanderer ständig, zusammen mit dem sanften Wasserlauf und den atemberaubenden Aussichten auf den Süden Madeiras, wo kleine Dörfer in grüne Hügel eingebettet sind.

Ein absolutes Highlight ist der bezaubernde tropische Garten von Madeira, der das ganze Jahr über mit einer Vielzahl von blühenden Pflanzen und Blumen aufwartet. Die Planung für dieses beeindruckende Meisterwerk der Gartenkunst begann 1988, und nur drei Jahre später wurde die Anlage der Öffentlichkeit präsentiert. Der portugiesische Investor José Berardo ließ sich für die Gestaltung des Gartens während seiner Reisen in den fernen Orient inspirieren. In Japan und China erkundete er die Pfade früherer portugiesischer Einwanderer. Diese gesammelten Impressionen setzte er in dem Garten um.

Flamingos im Park. Foto: Carola Faber
Flamingos im Park. Foto: Carola Faber

Immer wieder können in dem romantischen, terrassenförmig angelegten Park traumhafte Motive entdeckt werden. Geradezu zauberhaft wirken die Wasserspiele in Verbindung mit den portugiesischen Fliesen Azulejos und den Flamingos.

Vom Feenwald zum festlichen Lichterglanz 

Mit dem Jeep geht es weiter in den herrlichen Nordosten. Dort sind atemberaubende Wasserfälle, die fantastischen Vulkanbecken von Porto Moniz und der zauberhafte Lorbeerwald Fanal Laurisilva zu sehen. Wegen der Silhouetten der uralten knorrigen Bäume, umwachsen von Flechten, Moos und Farnen wird er auch gerne als Feenwald bezeichnet. 1999 wurde der Wald mit seinen stillen Zeugen einer längst vergangenen Zeit von der UNESCO zum Weltnaturerbe erhoben. Schließlich lockt die zweithöchste Steilklippe Europas Cabo Girao. Die Aussicht über den Atlantik von dem Bauwerk mit Glasboden ist phänomenal. 

Eine perfekte Möglichkeit sich von den funkelnden Lichtern in die romantische Weihnachtswelt mitnehmen zu lassen, bietet sich bei einer „Lights Tour“. Vom offenen Oberdeck eines Busses kann die geradezu magisch wirkende Beleuchtung in den Straßen, Alleen und auf Plätzen aus einer ganz anderen Perspektive erlebt werden. Festlich eingestimmt bietet sich anschließend der Rundgang über den Weihnachtsmarkt an. In Holzhütten werden die regionalen Köstlichkeiten, wie Poncha, Madeira-Wein, Rum, Wein der Quinta do Barbusano, Bolo do Caco oder Honigkuchen in vielfältigen Variationen angeboten. Auch traditionelles Kunsthandwerk, Holzarbeiten, Wollverarbeitung, Krippenausstellungen, Tanzdarbietungen oder Blumenschmuck gehören zum farbenprächtigen Programm. 

Holzhandwerk. Foto: Carola Faber
Holzhandwerk. Foto: Carola Faber

Einen zauberhaften Blick über die glitzernde Stadt erhalten Gourmets im Restaurant vom Design Centre Nini Andrade Silva. Dieser Ort der Begegnung und des Austauschs befindet sich in der alten Festung Nossa Senhora da Conceição. Neben der Dokumentation der Vita und Arbeit der madeirischen Innenarchitektin Nini Andrade Silva will das Designzentrum auf aktive und dynamische Weise zum Mittelpunkt und Labor für Ideen sowie zu einem Zentrum für Entwicklung und Innovation werden. 

Ergänzend führt dort die Kochkunst Kreativität und Leidenschaft zusammen: Die regionale Küche wird mit der atlantischen Küche in einer originellen Neuinterpretation verbunden. Design Centre Nini Andrade Silva ist ein grandioser Ort, um die Schönheiten der Insel zu sehen und gleichzeitig deren Köstlichkeiten zu schmecken. 

 

Informationen:

www.visitmadeira.com

Fotos: Carola Faber