Das Higuerón Hotel Málaga, Curio Collection by Hilton, ist Beleg für den bereits vor Jahren eingeläuteten Wechsel von Massentourismus zu Hospitality-Individualismus mit kulinarischer Expertise. Schon die Anfahrt zum Hotel verrät, dass hier nicht das klassische Strandhotel-Konzept umgesetzt wurde. Das Haus liegt oberhalb der Küstenlinie zwischen Málaga und Marbella auf einer Anhöhe mit weitem Blick über das Mittelmeer. Während unten die Strände der Costa del Sol gerade während der Hochsaison pulsieren, öffnet sich hier oben eine andere Perspektive auf die Region. Alles wirkt ruhiger, etwas exklusiver.
Mediterrane Leichtigkeit
Vor einigen Jahren wurde die damalige Anlage modernisiert und neu auf dem Hotelmarkt positioniert. Millionen flossen in die Neugestaltung des Resorts und die Integration in die Curio Collection by Hilton Sparte – jene Hotelmarke, die auf individuelle Konzepte und charakterstarke Häuser setzt. Und man merkt sofort nach Betreten des Hotels: Kunst und – im Besonderen – Gastronomie stehen im Fokus der umgesetzten Neuausrichtung.
Bereits die weitläufige Lobby präsentiert sich imposant: Kunstinstallationen, moderne Skulpturen und eine Architektur, die fast an eine zeitgenössische Designgalerie erinnert. Und vielleicht ist es genau das: Es wirkt nicht wie ein Hotel, das sich auf seinen fünf Sternen ausruht. Vielmehr ist das Higuerón Hotel Málaga ein Ort zum Entdecken. Klare Linien in der Raumgestaltung, große Glasflächen und offene Räume mit Blick auf das Mittelmeer bestimmen die Szenerie.
Stolze 290 Zimmer und Suiten bietet das Hotel – nicht grade ein keiner Player auf dem regionalen Hotelmarkt. Die Zimmer sind geprägt durch helle Farben, natürliche Materialien und präsentieren sich atmosphärisch unaufgeregt. Spektakulär ist hingegen der Infinity Pool auf dem Dach des Resorts. Von hier schweift der Blick über die Küste und die angrenzende Region. Wer morgens mit einem Kaffee oder abends mit einem Glas Wein auf das Meer schaut, kann hier mehr als angenehm entspannen.
Kulinarik als Hauptattraktion
Im Higuerón hat man bezüglich der Kulinarik die Qual der Wahl. Das MED Restaurant oberhalb der Lobby offeriert vielfältig die Aromen des Mittelmeers. Fisch, Meeresfrüchte, Gemüse und hochwertige andalusische Produkte finden sich auf der Speisekarte. Die Küche verzichtet auf unnötige Komplexität, der Gastraum ist wunderbar großzügig und passt sich an das Designkonzept des Hotels perfekt an. Etwas ungezwungener geht es im Chupadeo zu. Hier stehen lokale Spezialitäten im Vordergrund, das Qualitätssiegel „Sabor a Málaga“ deutet unumwunden auf die Verbindung zur Region und ihren Produzenten hin.
Als kulinarische Sperrspitze dürfte jedoch Chefkoch Diego Gallegos angesehen werden. Sein Restaurant Sollo gilt als das gastronomische Herzstück des Higuerón und wurde mit einem Michelin-Stern sowie dem Michelin Green Star für Nachhaltigkeit ausgezeichnet. Seine Küche kann wahrhaft als innovativ und auf regionale Produkte ausgerichtet beschrieben werden. Tatsächlich geht die Gallegos-Küche weit über das klassische Fine-Dining-Konzept hinaus. Dies liegt in erster Linie nicht an der Anrichtweise, definiert sich vielmehr über die eingesetzten Produkte, die partiell nicht nur weite Wege aus Südamerika hinter sich gebracht haben, sondern auch aus der hauseigenen Aquaponik entspringen.
Hochwertige und einzigartige Zutaten finden von dort kommend als „Kilometer Null“ Produkt direkt den Weg in das Restaurant – kein Wunder, ist das eigene Areal für die Fischzucht und diverse Gemüse und Co. doch fußläufig im Nebengebäude untergebracht. So garantiert Gallegos die vollständige Rückverfolgbarkeit der Produkte vom Anbau über die Aufzucht bis zum Teller. Sein naturnahes Konzept setzt dabei auf eine Vielfalt an frischen Lebensmitteln wie Salat, Tomaten, Paprika und Auberginen sowie Süßwasserfische wie Afrikanischen Wels, Tilapia, Schleie, Pacu oder auch Piranhas. Die Produktion dieser Gemüse und Fische in einem geschlossenen Kreislauf von mehr als 12.000 Litern Wasser, resultieren einzigartige Flussfischarten und mehr als 2.000 Pflanzen aller Art.
Frischwasserfische aus der eigenen Zucht
Schon bei den Appetizern werden Frischwasserfische aus der eigenen Zucht kredenzt und kunstvoll in Szene gesetzt. Cured trout loin taco, Pickled freshwater fish und Morsollo, black pudding of sturgeon kommen als Trilogie zu Beginn des Menüs an den Tisch. Drapiert auf unterschiedlich hohen Porzellanzylindern nicht nur kulinarisch, sondern auch optisch ein Genuss.
Die Starter zeigen mehr als eindeutig, warum Gallegos auch als „Kaviarkoch“ bekannt geworden ist. Eine seiner eingesetzten Zutaten ist eben Kaviar – und die in unterschiedlichster Konstellation. Alle Starter weisen als Protagonisten die „Schwarzen Perlen“ auf, so zum Beispiel „Tuna and tilapia ceviche and caviar“, „Smoked milk flan, salted caramel and caviar“, „Surf an turf: beef and caviar“ und der finale Teller im Starter-Quartett die „Onion confit in ist juice, Malaga wine sabayon and caviar“.
Wer vermutet, dies sei zu viel des Guten, sieht sich schnell getäuscht: reduziert, akzentuiert, mit der nötigen Schärfe von Chilis aus der eigenen Zucht und durchaus abwechslungsreich, sind die vier Starter alles andere als eintönig, sondern, ganz im Gegenteil, spannend und innovativ. Und durchaus verspielt ist die Anrichtweise, wie zum Beispiel beim „Surf an turf“ Gang.
Und dass die aus der eigenen Zucht und dem eigenen Garten eingesetzten Produkte auch in den Hauptgängen erscheinen, dürfte fast selbsterklärend sein. „Catfish stew“ mit Minze und Pfefferöl, geräucherter Aal mit grünem Curry und „Rossini-style sturgeon“ mit Wurzelgemüse sorgt für farbenfrohe und kulinarisch mehr als interessante Momente.
Auch farbenfroh, vor allem aber kreativ kommen die Desserts an den Tisch: „Andean corn“ (Rote Bete), „Guava“ (mit Ziegenkäse) und das fantastische Kunstwerk „Dairy, honey from La Axarquia and citrus“ wissen absolut zu überzeugen. Natürlich gilt auch hier: möglichst viele Produkte kommen aus dem eigenen Anbau. So ist ein Menü im Sollo also viel mehr als nur „Kulinarik“, es ist ein Spiegel der eigenen Anbau- und Zucht-Ideen des in Brasilien geborenen Chefkochs Diego Gallegos. Fazit: Die Sollo-Küche ist wenigsten eine Reise wert!
Shuttle-Service und „The Japo“
Natürlich locken auch die Strände der Costa del Sol, die nur wenige Minuten entfernt liegen. Das Hotel betreibt einen eigenen Beach Club und bietet vor allem einen Shuttle-Service zur Küste an. Nun, der Strand ist sicher auch fußläufig erreichbar, allerdings gestaltet sich der Weg zurück vom Strand zum Hotel per pedes als durchaus anstrengend, da das Hotel auf einer Anhöhe liegt und die Steigung gerade in den Sommermonaten äußerst schweißtreibend sein kann.
Ebenfalls in direkter Strandlage befindet sich ein weiteres Gastro-Konzept des Hotels. Das „The Japo“ liefert hier perfekt asiatisch ab. Nigiri, Makis und Co. stehen hier auf der Karte – und dies übrigens mehr als preisgünstig: ein Degustationsmenüs, dass einen interessanten Querschnitt der Karte offeriert, kann hier schon für 60 Euro genossen werden!
Informationen:
www.hilton.com/de/hotels/agprhqq-higueron-hotel-malaga
Fotos: Michael Schabacker, Higuerón Hotel Málaga











