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Felskegel, utopische Wohnlandschaften und Sterneküche

Von der auf einem Plateau liegenden zentralanatolischen Provinz Konya aus in Richtung Osten sind es zwei Stunden bis zur Gebietsgrenze Aksaray, bis der schneebedeckte heute ruhende Vulkan-Riese Erciyes (türkisch: Erciyes Dağı) in Sicht ist. Dessen Eruptionen trugen vor 60 Millionen Jahren wesentlich zu der Herausbildung der einmaligen Felskegellandschaft Kappadokiens bei. 

Unzählige Kulturen und Zivilisationen fanden in dem heute 2000 Quadratkilometer umfassenden Gebiet ihre Heimat, da sich der vulkanische Untergrund leicht bearbeiten ließ. Kappadokien ist voller Höhlenwohnungen und unterirdischer Städte, die Zeitkapseln der Vergangenheit sind. Kaymaklı ist eine der circa 100 in den 1960er Jahren entdeckten und erschlossenen Anlagen. Sie wurde im dritten Jahrtausend v. Chr. von den Hethitern aus dem Tuffstein herausgehauen. Urchristliche Gemeinden suchten hier Schutz vor den Römern. Später dienten sie türkischen Bewohnern teils als Ställe und aufgrund der konstanten Temperatur von zehn Grad Celsius als Lagerräume. 

Kappadokien ist voller Höhlenwohnungen. Foto: Ellen Spielmann
Kappadokien ist voller Höhlenwohnungen. Foto: Ellen Spielmann

Heute lassen sich fünf der acht durch Tunnelsysteme verbundenen Stockwerke, die mit Kirche, Wohn- und Werkräumen und Tierställen ausgestattet waren, besuchen. Luftschächte versorgten die Bewohner mit Sauerstoff. 

Peri Bacalan – Wahrzeichen Kappadokiens

Doch erst zehn Kilometer weiter nördlich in der Provinz Nevşehir tauchen die ersten fantastischen Felsformationen auf, die durch Erosion im Verlauf von Millionen Jahren entstanden. Als Peri Bacalan, Feenkamine werden die Felskegel bezeichnet, die in den Tälern um die kleinen Städte Uçhisar, Göreme, Ürgüp stehen. Erzählungen nach bezirzten Feen jene Männer, die es wagten, verlassene Felskirchen aufzusuchen und verwandelten sie in Stein. 

Feenkamine und viele andere Gesteinsformationen können in den Tälern des Kerngebiets bewundert werden. Aus der Palette der Naturwunder stechen die Fantasie- und Tierfiguren des Devrent- bzw. Imagination-Valley hervor, aber auch Canyon-ähnliche durch Schmelzwasserflüsse entstandene und in Serie rund geschliffene Felsen bezaubern. Bei einer Ballonfahrt lassen sich Vielfalt und Unterschiedlichkeit der schönen Landschaft im Zeit-zoom verdichten.  

Ballonfahrt über die Region. Foto: Pixabay
Ballonfahrt über die Region. Foto: Pixabay

Uçhisar und das Tal der Tauben

Ein gigantischer Bergfelsen erhebt sich in der Landschaft, doch siehe da er ist durchlöchert:  die Burg Uçhisar. In der Antike diente die Grenzburg als militärischer Spähposten. In den Berg wurden Wohnstätten gehauen, zu byzantinischer Zeit wohnten hier Mönche. Heute dient der durch das Innere und dann über äußere Treppen zu besteigende Gipfel als fantastischer Aussichtspunkt. Am Fuß des Burgfelsen liegt die kleine Ortschaft. Von hier aus erstreckt sich über vier Kilometer das Tal der Tauben mit beindruckenden Felsformationen aus erodiertem Tuffstein. Seinen Namen hat das Tal von den unzähligen künstlichen Taubenschlägen erhalten, die in den weichen vulkanischen Stein gehauen wurden.

Ürgüp: Tradition und Moderne

Ürgüp (griechisch: Prokopio) geht auf eine urchristliche Siedlung zurück. Im 11. Jahrhundert gewann sie an Bedeutung. Davon zeugen Grabstädten und die Museumssammlung im Ort. Das ehemalige Handelszentrum aus seldschukischen und osmanischen Zeiten hat sich heute mit 10.000 Einwohnern zum größten und quirligsten Städtchen Kappadokiens gemausert. Für viele der alten Bauten wurden rosa- und beigefarbene Tuffsteinblöcke verwendet. 

Im Revithia Restaurant. Foto: Revithia Restaurant
Im Revithia Restaurant. Foto: Revithia Restaurant

Auch Flachdachhäuser bestimmen das Stadtbild. Ürgüp wartet heute mit utopischen Wohnlandschaften auf: So das Utopia Cave Hotel, eine sehr charmante, komfortable mit Terrassen ausgestattete, in den Fels gehauene Wohnanlage auf drei Stockwerken. Und seit Ende 2025 hat Ürgüp mit dem Revithia Restaurant, das erste Michelin-Sterne-Restaurant Kappadokiens. 

Türkisch-Griechisch-Armenische Küche

Der Name Revithia ist kappadokisch-griechisch, bedeutet auf Deutsch Kichererbsen beziehungsweise den traditionellen griechisch-kappadokische Kichererbsen-Eintopf. Für Duran Kasir Restaurantbesitzer und Küchenchef symbolisiert Revithia Transformation und Erneuerung. Er stammt aus einer wohlhabenden kappadokischen Familie, verbrachte nach Studium, Arbeit im Import- Exportgeschäft, zwei Jahre in Kalifornien, arbeitete im türkischen Restaurant seines Vaters in Orlando. 

2014 kehrte er heim mit der Idee, sein eigenes Restaurant mit alter anatolisch-kappadokischer Kulinarik aufzumachen. Fünf Jahre dauerte der Bau des Restaurants, das in alten griechischen Gemäuern in Kayakapi – das ist der Name eines Hotels und gleichzeitig des historischen Viertels in Ürgüp – eingebettet ist. 

Duran Kasir. Foto: Ellen Spielmann
Duran Kasir. Foto: Ellen Spielmann

Duran Kasirs Bruder Mehmet betreibt das Hotel. Zur Kreation des kappadokischen Menüs grub Duran alte, fast vergessene türkische, griechische, armenische Rezepte aus, veränderte, erneuerte sie mit modernster Kochtechnik. Im Revithia kommen ausschließlich kappadokische Produkte auf den Tisch, das gilt auch für den Wein. Geräucherter Wels aus dem roten Fluss (Kizilirmak) mit grüner Apfelsoße, heimischem, fermentiertem, cremigen Käse und roten sowie orangefarbenen Karotten macht den Auftakt, ein Gericht mit griechischen Wurzeln.

Dazu serviert das Haus den weißen Vinolus Emir (2021). Es folgen Turhal-Weinblätter, Fava-Bohnen-Creme, Weizencrackern und Pflaumensoße, als Wein der Vinolus Rosé „Kalecik Karasi“, ein blend aus Tempranillo und Syrah-Trauben (2024). Griechischer Kohl, schwarze Johannisbeeren mit gerösteten Kürbiskernen, Walnüssen an roter Beete und Kürbis, einer Melasse aus Trauben (anstelle von Zitronensaft), wird in einer weißen Venus-Muschel serviert. 

Weinbegleitung ist ein Sauvignon Blanc „Côtes d´Avanos, Château Serle“ (2024). Weiter geht es mit ostasiatischem Touch: gefüllte handgemachte „Manti“ (Nudel in Ravioligröße) nach Art der kappadokischen Provinz Kayseri, d.h. Mutabbal, ein cremiges Auberginenpüree mit Tahin und Traubenmelasse. Überaus empfehlenswert ist der Hauptgang: Kalbsbäckchen mit Kichererbsen, Lauch, sonnengetrockneten Aprikosen und Zwiebeln. 

Kulinarik im Revithia. Foto: Revithia Restaurant
Kulinarik im Revithia. Foto: Revithia Restaurant

Das Fleisch wird nach dem Tanduri-Kochsystem zubereitet, in Tongefäßen auf kleinster Flamme im traditionellen Ofen gegart. Dazu ein Rotwein „Leo´s Kokabaǧ“ (2021) aus Kalecik Karası-Trauben, die in einem Mikroklima auf einer Höhe von 1.000 Metern nahe Ankara gedeihen. Die runden Beeren, einer Traube mit dicker Schale haben eine fast schwarze, dunkelblaue Farbe. 

Zum Dessert: Getrocknete Büffelmilchcreme, Quittenbrot und Meringue. Im charmant dekorierten Revithia gibt es Platz für 26 Personen an vier großen und zwei kleinen Tischen. Die Terrasse bietet einen schönen Blick auf das Tal und Ürgüp. Küchenchef Duran Kasir wechselt der Saison folgend das Menü drei bis viermal jährlich. In challah! 


Informationen: 

Go Turkiye: www.cappadocia.goturkiye.com

Utopia cave hotel: www.utopiacave.com

Michelin-Stern Revithia Restaurant: www.kayakapi.com/revithia

Fotos: Ellen Spielmann, Pixabay, Revithia Restaurant

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