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Ein Edelstein in Castellina in Chianti: SIEPI IGT Toscana

Der 1992 aus der Taufe gehobene Wein ist nach dem historischen Weinberg benannt, der schon 1435 zu den Ländereien des Castello und der Familie Mazzei gehörte. Es handelt sich um ein avantgardistisches Produkt, das sich aus einer Tragödie heraus, dem großen Frost im Januar 1989 entstand, als ein Großteil der Weinstöcke des ältesten Weinbergs erfroren waren und nur die Pflanzen auf 2½ ha Anbaufläche überlebten. Markgraf Lapo Mazzei, Jahrgang 1925, zeichnet für die Idee, einen Blend aus Sangiovese und Merlot zu kreieren. Über das Projekt gab es in der Familie, dem Triumvirat der drei Markgrafen (Vater Lapo Mazzei, den Brüdern Filippo und Francesco Mazzei) viele Diskussionen.

Heute wird auf 6,5 ha in dem von hohen Bäumen umstandenen Weinberg auf drei Parzellen (bei einer Höhenlage von 220 bis 310 m) halb Sangiovese halb Merlot angebaut. Das ideale Mikroklima und der Boden, eine Kombination aus Kalkstein, Alberese und Ton aus dem Pliozän, die auf Felsgestein liegt, sorgt für optimales Gedeihen und Reifen der Trauben. Ab 1992 war der „neue Spross“ Siepi IGT Toscana schon ein sehr guter Wein. Er erfuhr Steigerungen erfuhr und entwickelts sich in den letzten sieben Jahren in Kraft und Struktur, erreichte Finesse, wurde zu einem originären Chianti mit ganz eigener Persönlichkeit.

Borgo di Fonterutoli. Foto: Castello di Fonterutoli
Borgo di Fonterutoli. Foto: Castello di Fonterutoli

Nach dem Grundsatz der Markgrafenfamilie Mazzei „Unsere Vergangenheit ist unsere Zukunft!“ kamen bei Archivstudien unter Einbindung universitärer Expertise, Dokumente über den Siepi zu tage. Schlüsselfigur ist Dona Esmeralda, die Enkelin des Ahnen der Familie Lapo Mazzeis. Sie heiratete 1435 Piero di Agnolo da Fonterutoli, brachte als Mitgift Ländereien und Weinberge mit in die Ehe, besondere Erwähnung findet der Siepi, somit entstand das Fonterutoli-Landgut.

Historische Dokumente und Briefe verweisen auf die Bindung der Familie Mazzei an die Toskana und den Weinanbau bis zurück ins 11. Jh. Auch heute prägt mittelalterlicher Charme der Anlage (Ende des 16. Jh.), die auf einer Zitadelle erbauten Villa und die Kirche San Miniato, den Ort zwischen Siena und Florenz. Hier einigten sich 1202 und 1208 die verfeindeten Stadtstaaten um die Ländereien des Chiantigebiets. Inzwischen leben die Mazzei in der 24 Generation auf dem insgesamt 650 Hektar großen Anwesen, das 117 ha für Weinanbau nutzt.

Was den Siepi angeht, unterstreicht Filippo Mazzei: „Wir sind jung“. Schließlich blickt man „erst“ auf 30 Jahre sorgfältige, innovative Arbeit zurück. Ein großer Innovationsschub kam 2006 mit dem Bau des neuen sehr großen Weinkellers. Seine Größe erlaubt es, jede Parzelle einzeln zu fermentieren, was für den Sangiovese wichtig ist. Die Trauben, von Hand gelesenen, kommen zunächst in konische 100 hl Stahlfässer und können dank der Schwerkraft „durchrutschen“.

Filippo, Francesco und Giovanni Mazzei. Foto: Castello di Fonterutoli
Filippo, Francesco und Giovanni Mazzei. Foto: Castello di Fonterutoli

Dann reifen die Trauben 18 Monate in französischen Eichenfässern, der Sangiovese in Tonneaus (500 Liter) und der Merlot in Barrique (225 Liter). Vor der Flaschenabfüllung bleibt der Blend am Schluss zur Harmonisierung für vier Monate in Betonbehältern.

Wie alle verkosteten Weine wird der Siepi 2016 (14,56 % Vol) in einem außergewöhnlich schönen Glas von Zalto serviert. „2016 war ein reguläres Jahr“ mit ausreichenden Niederschlägen, heißen Sommertagen bei großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht und besten Bedingungen für die Endreifung der Trauben. Ergebnis ist ein eleganter, sehr ausbalancierter Wein, mit einem Original-Chianti Timbre. Er passt bestens zum „Tartare di manzo“ (Rindertartar), das der Mailänder Chefkoch Simone Suardi über den Dächern Berlins im Ristorante Medinis (im 7. Stock des China Club im Adlon Palais) serviert. Im Vergleich dazu wirkt der Siepi 2017 „rauer“ und wartet mit ausgeprägteren Säurefruchtnoten auf. Ungewöhnliche klimatische Ereignisse (Frost noch Ende April), ein überaus trockener Jahresbeginn, zu wenig Niederschlag, hohe Sommertemperaturen deuteten zunächst auf eine mittlere Katastrophe. Es hieß warten, warten bis die Rettung, der Septemberregen, kam. Filippo Mazzei wettet darauf, dass der Jahrgang 2017 in zehn Jahren ein Riesenwein ist.

2018 bescherte mit ausreichendem bis viel Regen und regulärem Sommer eine qualitativ und quantitativ sehr gute Ernte. Die Finesse des kräftigen Weins, dessen Trauben an 20 bis 33 Jahre alten Rebstöcken wuchsen, kombiniert ideal mit Gerichten wie Osso Buco. 38.000 Flaschen kamen auf den Markt. Ein echter Klassiker wie in den 1980er Jahren, ein Superjahrgang bei der der Sangiovese stärker als der Merlot hervortritt, kommt mit dem Siepi 2019 auf den Tisch. Seine Klasse wird mit den „Raviolo di ossobuco“ (Ossobuco-Ravioli) untermalt. Intensität, ein prononciertes Bouquet zeichnen den Jahrgang 2020 aus, der durch kalte Temperaturen zu einem geringeren Ertrag führte.

Toskanische Reben. Foto: Castello di Fonterutoli
Toskanische Reben. Foto: Castello di Fonterutoli

Dicke Schale der Trauben und gut gereifte Phenole haben ein Wein entstehen lassen, der Fülle und Struktur mit Balance und Frische vereint. Natürlich passt der Jahrgang blendend zum exzellenten „Filetto di angus con sale Moldon, rosmarino e olio di Fonterutoli Puré di Patate e asparagi verdi confit“ (Filet vom Angus Rind mit Maldon Salz, Rosmarin und Olivenöl von Fonterutoli). Was den kommenden Jahrgang (2021) angeht, frohlockt Filippo Mazzei, der Reigen der Superlative geht weiter.


Information:

Mazzei dal 1435 (Marchesi Mazzei SPA Agricola),  www.mazzei.it/de/ 

Fotos: Castello di Fonterutoli

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