Palma liegt unterhalb des Hotels, von der Hotelterrasse fast zum Greifen nah. Die Stadt zieht sich entlang der Bucht, die Kathedrale ragt aus dem Häusermeer, und dahinter beginnt das Mittelmeer. Mit zunehmender Abenddämmerung wird das Licht weicher, die Konturen der Stadt werden durch zehntausende Lichter akzentuiert, und irgendwo zwischen Stadt und Horizont entsteht jene mediterrane Szenerie, die Mallorca so einzigartig macht.
Der Blick allein wäre eine Reise zum Castillo Hotel Son Vida wert – doch die eigentliche Besonderheit des Hauses liegt nicht in seiner Aussicht, sondern erschließt sich den Besuchern erst, wenn sie durch die Tür des Hotels schreiten: es ist ein Schritt in die Geschichte des Hauses und der Insel. Von den Ursprüngen, welche bis zu einer mittelalterlichen Finca zurückreichen, wurde über Jahrhunderte gebaut, verändert und modernisiert. Aus dem historischen Besitz entstand schließlich eines der traditionsreichsten Luxushotels der Insel. Heute gehört das Castillo Hotel Son Vida zur Luxury Collection von Marriott. Ein hospitalistischer Ritterschlag.
Das Bemerkenswerte daran: Die Vergangenheit ist hier nicht Kulisse. Sie ist Bestandteil der Gegenwart und somit des gesamten Aufenthalts im Hotel. Geschichte ist auf den Gängen, in der Lobby und den imposanten Eingangsbereich fassbar und allgegenwärtig.
Zwischen Finca und Grand Hotel
Die Anfahrt zum Son Vida führt zunächst durch die privilegierten Wohnlagen oberhalb von Palma. Je weiter man sich von der Stadt entfernt, desto stärker verändert sich die Umgebung. Pinien und mediterrane Vegetation bestimmen das Landschaftsbild, vorbei geht es an gepflegten Golfplätzen von Arabella Golf Mallorca.
Das Hotel liegt erhöht inmitten einer weitläufigen Parklandschaft. Palma befindet sich in unmittelbarer Nähe, wirkt von hier oben jedoch erstaunlich weit entfernt. Diese Kombination aus urbaner Erreichbarkeit und räumlicher Abgeschiedenheit gehört zu den charakteristischen Vorzügen des Hauses, keine Frage.
Wer am Vormittag nach Palma fährt, befindet sich wenige Minuten später mitten im quirligen Leben der Inselhauptstadt. Allem voran die historische Altstadt, diverse Museen und Galerien und zahllose Restaurants liegen nur wenige Kilometer entfernt. Zurück im Son Vida kehrt man in eine Umgebung zurück, deren Rhythmus deutlich langsamer ist. Das Son Vida ist dabei weniger Ferienanlage als Rückzugsort. Seine Atmosphäre ist ruhig, kultiviert und auf erwachsene Gäste ausgerichtet.
Die Geschichte sitzt mit am Tisch
Historische Hotels stehen vor einem Dilemma: Sie müssen ihre Vergangenheit bewahren, ohne als museales Relikt wahrgenommen zu werden. Das Son Vida schafft diesen Spagat, denn schon die Zimmer und Suiten vermitteln, dass die Geschichte des Hauses nicht nachträglich inszeniert wurde, sondern fester Bestandteil des Hauses ist. Gemälde, historische Möbel, Porträts und architektonische Details sind selbstverständlich in die Räume und Gänge des Hotels integriert.
Man bewegt sich durch Korridore, Säle und Treppenhäuser und entdeckt immer wieder Details, die nicht eigens erklärt werden müssen. Ein Möbelstück, ein Gemälde oder eine architektonische Besonderheit genügt, um daran zu erinnern, dass dieses Gebäude bereits existierte, lange bevor die moderne Luxushotellerie ihren Begriff von Exklusivität entwickelte.
Luxus in den Zimmern
Doch für die Gäste des Son Vida ist vor allem eines entscheidend: die Ausstattung und die Annehmlichkeiten in den Zimmern. Hochwertige Materialien, Holz, Stoffe und mediterrane Farbtöne prägen das Interieur. Die Gestaltung verbindet historische Anklänge mit zeitgenössischem Komfort, ohne die Räume mit dekorativen Luxusinsignien zu überfrachten.
Hier übernimmt die Umgebung einen beträchtlichen Teil der Inszenierung. Der Garten, die Architektur, die historische Substanz – und natürlich das ganz große Plus: der Blick auf Palma.
Mallorca auf dem Teller
Auch gastronomisch versucht das Hotel, die regionale Identität nicht lediglich als touristisches Versatzstück einzusetzen. Im Es Balcó de Son Vida steht eine moderne Interpretation der mallorquinischen Küche im Mittelpunkt – und dies seit einigen Monaten durch den aus Madrid stammenden Küchenchef David Méndez. Regionale Produkte und mediterrane Aromen werden zeitgemäß interpretiert, ohne die kulinarische Tradition zu überstrapazieren.
Dabei ist Méndez kein unbekannter auf der Insel. Sechs Jahre zeichnete er sich für das „La Fortaleza“, dem Restaurant im Cap Rocat verantwortlich. Bestens mit der lokalen Küche und deren Produkten vertraut, übernahm er danach die Regie im „Es Balcó de Son Vida“, dem neu konzipierten Signature-Restaurant im Castillo Hotel Son Vida.
Es sind kleine Experimente, die Méndez hier auf die Teller zaubert – und es ist ein enormer kulinarischer Zugewinn, den das Haus mit dem Madrilenen verzeichnen kann. Ungewöhnliche Kombinationen wie zum Beispiel „Schwarzes mallorquinisches Schweinefleisch mit Zackenbarsch“ erwartet die Gäste des „Es Balcó de Son Vida“. Passt nicht? Passt doch!
In (fast) allen Gerichten scheint die mallorquinisch-spanische Produkttiefe durch: Ob „Trampó mit Muscheln“ (Salat), „Iberischer Bellota-Schinken“, „Langustinen- und Schweinebackenkroketten“, „Rotbarbe mit Zitrus-Suquet (katalanischer Fischeintopf)“ oder auch dem perfekt serviertem „Wolfsbarsch mit Meerfenchel“. Und dass Méndez sein Handwerk beherrscht, zeigt nicht zuletzt auch die neue Tellersprache: kein Teller wirkt überladen, alle Produkte werden gekonnt in Szene gesetzt.
Als vinophile Begleitung kommen ebenfalls spanische Klassiker an den Tisch: Pazo Señorans aus Paradela, Belondrade Y Lurton (Barriquegereifter Verdejo) oder auch der „Dauerbrenner“ Muga aus dem Norden Spaniens. Sich hier den lokalen bzw. nationalen Weinen hinzugeben, dürfte zwingend die erste Wahl sein.
Das Konzept des „Es Balcó de Son Vida“ mit Chefkoch David Méndez scheint durchaus aufzugehen. Es ist ein frischer Wind, den Méndez hier durch die Küche wehen lässt. Wahlweise lassen sich hier einzelne Gänge genießen oder zwei verschiedene Degustationsmenüs (90 bzw. 120 Euro).
Wenn Palma zu leuchten beginnt
Sitz man zur Abendstunde im „Es Balcó de Son Vida“ oder auf der hoteleigenen Terrasse, verändert sich mit der einsetzenden Dunkelheit auch das Son Vida. Die Konturen Palmas werden undeutlicher, während einzelne Lichter der Stadt und in der Bucht den Ausblick komplettieren. Und in der Bar „Armas“ findet der Tag seinen passenden Abschluss. Cocktails, Musik und der Blick über Palma genügen. Das Hotel muss diesen Moment nicht weiter dramatisieren. Die Umgebung übernimmt die Inszenierung.
Vielleicht ist genau das eine der subtilsten Formen von Luxus: nicht permanent beeindrucken zu müssen.











