Foodie

Das kulinarische Dreieck

Denn schon oft waren wir zu Gast im angrenzenden Holland, besuchten die unterschiedlichsten Restaurants und Hotels. Von Seeland bis Texel, von Den Haag bis Limburg: Gastronomie entspannt! Entspannt und anders. Jenseits vom oben angesprochenen Formalismus und einer überborderten Kunstform auf den Tellern ist die Gastronomie in Holland vor allem eins: freundlich und geprägt von einer meist positiven Atmosphäre.

Ein Spaziergang

Es sind, natürlich, nicht nur die kulinarischen Aspekte, die einen Abend oder einfach nur ein Mittagessen prägen, es sind die Menschen und die kleinen Geschichten dahinter. Unser letzter Trip nach Harderwijk ist ein mehr als gutes Beispiel dafür. Die etwa 50.000 Einwohner zählende Stadt liegt unweit von Amsterdam mit einem indirekten Zugang zum Ijsselmeer (mit kleinem Badestrand). Eher ein unbekanntes Fleckchen in Holland, allerdings mit einer schönen Innenstadt, einer spätgotischen Kirche (Liebfrauenkirche, 15. Jahrhundert), dem Stadttor Vischpoort (Fischtor) und vielen alten Häusern aus dem 17. bis 19. Jahrhundert.

Harderwijk: mit kleinem Badestrand. Foto: Michael Schabacker
Harderwijk: mit kleinem Badestrand. Foto: Michael Schabacker

Und natürlich gibt es auf dem Spaziergang durch Harderwijk auch das eine oder andere Kulinarische zu entdecken. Einen Zwischenstopp sollten alle Genießer von Süßwaren in der Patisserie „Patrijs“ (Hondegatstraat 4) machen. Der kleine Laden mit ein paar Sitzgelegenheiten lädt ein sich nicht nur von den farbenfrohen Köstlichkeiten blenden zu lassen, sondern sie auch zu probieren. Die Eigentümerin und Gründerin Hilde van Maanen legt größten Wert auf Qualität, das ist unverkennbar. Übrigens: Die Unternehmerin war 2016 Gewinnerin der niederländischen Kochsendung MasterChef Holland.

„Schnelle“ Sternegastronomie

Wie so oft wenn wir unterwegs sind und die Gastronomien dieser Welt besuchen und beleuchten, bleibt wenig Zeit für ein längeres Verweilen. Leider. Denn gerade in Holland, mit der erwähnten Gastfreundschaft und der gemütlichen Atmosphäre, vergehen die Stunden in den Restaurants oft wie im Fluge. Gerade mal 19 Stunden waren wir in Harderwijk um final drei Restaurants und die oben erwähnte Patisserie zu besuchen.

Start mit einem Amuse... Foto: Michael Schabacker
Start mit einem Amuse... Foto: Michael Schabacker

Los ging es mit einem Abend und der Dinner-Teilung auf zwei Restaurants. Der Startschuss erfolgte im „Basiliek“ am Fischmarkt. Etwa 50 Gäste kann das Restaurant empfangen. Und leider, da wir recht spät ankamen und der Tisch nur noch kurz verfügbar war, kamen die Gänge in recht schneller Abfolge.

Rik Jansma

Zwei Gänge Amuse – wunderbar angerichtet und ein schönes Intro in den Abend. Ohnehin ist es ein schöner Ort. Das „Basiliek“ befindet sich in einer ehemaligen Kapelle des Klosters der Heiligen Agnes (Saint Agnes). Stilvoll eingerichtet, sorgt Rik Jansma durch eine tolle Produktqualität und eine anständige Weinkarte (650 Posten!) für ein volles Haus. 2006 bekam Rik Jansma die Möglichkeit geboten das Restaurant (damals noch „Olivio“ mit Rik als Sous Chef) von Wim Zwaart zu übernehmen. Gleich im Folgejahr bekam er den Michelinstern verliehen – und das seit dem Jahr ununterbrochen.

Die offene Küche und die in der Höhe versetzte Anordnung der Sitzplätze lockert den Raum auf, schafft eine schöne Atmosphäre. Und natürlich unterstützen die Speisen da nahtlos. Ohnehin ist die aktuelle Karte eine Anhäufung schöner lokaler Produkte in einem Mix mit verschiedensten Aromen aus fernen Ländern: Nordseekrabbe, Gänseleber mit Brioche, Brokkoli und verschieden Kohlsorten treffen auf Seebarsch, Rote Bete Gerichte oder auch auf Ravioli mit Trüffel, Lammfilet mit Zucchini oder gebackene Königskrabbe. Preislich liegt ein 7-Gang-Menü bei aktuell 179 Euro, sieben Gänge inklusive Weinbegleitung.

Nicht nur ein schönes Bild... Foto: Michael Schabacker
Nicht nur ein schönes Bild... Foto: Michael Schabacker

In Sichtweite: Ratatouille

Nur einmal quer über den Platz gehend, erreicht man nach wenigen Metern das „Ratatouille“. Eigentümer des Restaurants ist der ehemalige Besitzer des „Olivio“ (s.o.) Wim Zwaart. 2002 erhielt er noch mit dem „Olivio“ einen Stern, ehe es ihm dann wohl doch „zu viel“ wurde. Kurzerhand verkaufte er das Restaurant an Rik Jansma und wollte sich eigentlich mehr seiner Familie widmen. Er eröffnete ein Catering-Geschäft und wollte sich so wohl etwas „Dampf aus dem Segel nehmen“.

Aber dies scheinbar nur bis 2017. Denn in diesem Jahr gab er das Geschäft auf und bezog die Räumlichkeiten am „Vischmarkt“ – und kocht wieder auf höchstem Niveau. Und auch hier zählt die Gastlichkeit, das Ambiente. Es ist ein Restaurant, dass durch seinen Charme besticht. Etwas verwinkelt ist es, das alte Haus am Markt überrascht durch sein Design. Ein riesiges Bild über den Köpfen der Gäste im Gastraum, ein Stockwerk höher eine wunderbar freigelegte Mauer, die einfach gemütlich wirkt.

Im Ratatouille: Klassiker Jakobsmuscheln. Foto: Michael Schabacker
Im Ratatouille: Klassiker Jakobsmuscheln. Foto: Michael Schabacker

Kulinarisch und natürlich auch bezüglich der Anrichtungsweise sieht man: hier steht ein Kochprofi am Herd. Tolle Handschrift – sowohl bei der Scholle die wir hatten, als auch bei der Jakobsmuschel oder dem Käse-Outro: toll. Ohnehin befanden sich bei unserem Besuch tolle Produkte auf der Karte: von der Entenbrust über Schollenfilet, bis hin zu Langusten und Seebarsch-Tatar: schöne Kombinationen. Übrigens: Mit dem B&B Zimmer über dem Restaurant bietet das Restaurant eine schöne, urige und gemütliche Übernachtungsmöglichkeit an!

’t Nonnetje

Der Platzhirsch am Vischmarkt, zumindest über die Vergabe der Michelin Sterne, ist wohl das Zwei-Sterne-Restaurant „’t Nonnetje“. Am folgenden Mittag begaben wir uns aus unserer Unterkunft über dem Ratatouille zum nur wenige Meter entfernten „’t Nonnetje“ – und damit haben wir das kulinarische Dreieck dann auch komplettiert. Und für 175 Euro (6 Gänge; 4 Gänge 135 Euro) kann man es sich hier richtig gut gehen lassen.

Im ’t Nonnetje: Gänseleberterrine. Foto: Michael Schabacker
Im ’t Nonnetje: Gänseleberterrine. Foto: Michael Schabacker

Und es ist – wie fast immer in Holland – auch die Atmosphäre, die es in der Sternegastronomie des Landes so angenehm macht. Das gilt auch für das „’t Nonnetje“. Und wer sich Zeit nimmt und alle drei vorgestellten Restaurants besuchen kann, wird garantiert überrascht von der Vielfalt und der Kreativität der Köche.

Harderwijk: eine kleine kulinarische Perle. Eine absolute Empfehlung!


Informationen:

Patisserie Patrijs: www.patrijsharderwijk.nl

Restaurant Basiliek: www.restaurantbasiliek.nl

Restaurant Ratatouille: www.rttll.nl/restaurant

Restaurant ‘t Nonnetje: www.hetnonnetje.nl

Fotos: Michael Schabacker

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