Foodie

Abschalten im Einklang mit der Natur

Dass die in Zeiten des Klimawandels geradezu inflationär bemühte Nachhaltigkeit im Schlossgut Oberambach keine leere Floskel ist, zeigt schon ein Blick in die Geschichte. Willmar Schwabe, Urgroßvater von Geschäftsführer Maximilian, gründete 1866 die weltweit erste Homöopathie-Firma. Mit der Gründung der „Fabrikationsstätte für die Zubereitung von Arzneimittel“ in Leipzig legte der damals 26 Jahre alte Apotheker den Grundstein für die die Dr. Willmar Schwabe GmbH, die heute zu den Weltmarktführern in der Entwicklung und Herstellung pflanzlicher Arzneimittel zählt.

1991 kaufte Schwabe das Landgut. „Es sah so aus, als wäre das Anwesen über Nacht verlassen worden”, blickt sein umtriebiger Urenkel und heutige Geschäftsführer Maximilian im Gespräch mit dem Kulinariker zurück. Der Vorbesitzer, Baron von Kleydorff, hatte sein Herrenhaus zwar zum Treffpunkt für Literaten, Freidenker und Künstler entwickelt, darunter die Gruppe des „Blauen Reiter“. Doch er hinterließ ihn nicht im besten Zustand, als er in die Vereinigten Staaten übersetzte.

Das Schlossgut Oberambach: ehemals Treffpunkt für Literaten, Freidenker und Künstler. Foto: Robert Kittel/Schlossgut Oberambach
Das Schlossgut Oberambach: ehemals Treffpunkt für Literaten, Freidenker und Künstler. Foto: Robert Kittel/Schlossgut Oberambach

Tempi passati. Seit 2003 ist das rund 40 Kilometer südlich von München gelegene Hofgut, das an ein kleines Loire-Schlösschen erinnert, zertifizierter Biobetrieb. Dazu passt, dass die Wärme mit einer Hackschnitzelheizung erzeugt wird – mit Holz aus dem eigenen Wald. Der Strom stammt aus erneuerbaren Energien und in den Toiletten fließt Regenwasser. Die 40 Zimmer und Suiten sind mit natürlich geölten Vollholzmöbeln und Naturholzparkett eingerichtet. Elektrosmog wird – unterstützt durch Netzfreischaltung und die automatische Abschaltung des kabellosen Internets in der Nacht – auf ein Minimum reduziert.

„Mein Anliegen ist es, diesen besonderen Platz anderen Menschen zugänglich zu machen“, betont Schwabe. Ursprünglich wollte der Mittdreißiger in der Event-Branche arbeiten, entschied sich angesichts des großen Veranstaltungsbereichs im Schlossgut aber für eine Ausbildung im heimischen Familienbetrieb. Die gefiel Maximilian so gut, dass er anschließend im Schweizer Montreux Hotelmanagement studierte. Im Oktober 2018 schließlich übernahm er das Hotel von seinem Vater Andreas.

Elegantes und gemütliches Zimmerdesign im Schlossgut Oberambach. Foto: Robert Kittel/Schlossgut Oberambach
Elegantes und gemütliches Zimmerdesign im Schlossgut Oberambach. Foto: Robert Kittel/Schlossgut Oberambach

Schokoladen-Thymian-Erde mit Brennnessel-Schwamm

Farm to Table, lautet das kulinarische Motto des Hotels. Die Zutaten im Restaurant „Roseninsel“ stammen aus regionalem oder gleich aus eigenem Anbau. Seit 2017 baut Familie Schwabe neben dem Hotel Kräuter und Gemüse an. Der Saibling etwa tummelte sich zu seinen Lebzeiten im Starnberger See. Selbst seine Gräten finden Verwendung: Knusprig-frittiert schmücken sie den Teller – ein seltenes und durchaus empfehlenswertes Geschmackserlebnis. Nose-to-Tail-Küche der besonderen Art, um einen weiteren angesagten Anglizismus zu verwenden.

Das Wild stammt aus heimischer Jagd, das Fleisch aus dem Landkreis. Küchenchef Nemanja Mihailovic und sein Team achten zudem darauf, möglichst viele saisonale Zutaten zu verwenden, derzeit beispielsweise Pflaumen, Äpfel oder Birnen. Zu den Dessert-Klassikern zählt das Steinpilz-Parfait auf Schokoladen-Thymian-Erde mit Brennnessel-Schwamm. Es hat die Form eines Pilzes und wird mit Waldmeister-Gel angerichtet.

Schmackhafte Kulinarik im Schlossgut. Foto: Christian Euler
Schmackhafte Kulinarik im Schlossgut. Foto: Christian Euler

Jeden Donnerstag ist ganzjährig Barbecue-Zeit im Schlossgut. Dann garen Bio-Fleisch und -Fisch über dem Holzfeuer im Smoker. Veganer kommen mit Grillgemüse vom Feld, Ofenkartoffeln und Tofu auf ihre Kosten. Dazu gibt es ein Salatbuffet, Brezen, Hausbrot und Süßes zum Dessert.

Privatzugang zum Starnberger See

Auf der von jahrhundertealten Bäumen umringten Picknickwiese öffnet sich der Blick bis hinunter zum zehn Gehminuten entfernten Starnberger See und den Alpen. Die Gartenarbeit wurde rund um die Wiese bewusst eingestellt, um der der Natur freien Lauf zu lassen. So bekommen auch ältere und weniger verbreitete Pflanzenarten ohne Düngemittel eine Chance.

Im Sommer – oder im Winter nach der Sauna – lockt der Naturbadeteich. Seine Form und die Anordnung der Steine für den kleinen Wasserfall designte ein Geomantie-Fachmann eigens nach Feng-Shui-Richtlinien. Statt Chemie setzt das Oberambach-Team auf natürliche Wasserreinigung. Alle, die längere Bahnen ziehen möchten, erreichen in wenigen Fußminuten das Privatgrundstück des Schlossguts mit direktem Zugang zum Starnberger See.

Abendstimmung am Starnberger See. Foto: Christian Euler
Abendstimmung am Starnberger See. Foto: Christian Euler

Draußen vor der Tür ist Kultur-Aficionados der Besuch des Buchheim-Museums in Bernried mit Werken der Expressionisten Erich Heckel, Emil Nolde, Ernst Ludwig Kirchner und Max Pechstein zu empfehlen. Der 2007 gestorbene Gründer und Namensgeber Lothar-Günther Buchheim schrieb mit „Das Boot“ die Vorlage für den Kino-Kassenschlager des Jahres 1981. Eine Radtour um den Starnberger See wiederum lässt sich gut mit einer Dampferfahrt verbinden. Mit den Alpen als Kulisse führt sie vorbei an den noblen Villen am Ufer, dem Sisi-Schloss in Possenhofen – und dem Schloss Berg, wo Märchenkönig Ludwig II. die letzten Tage seines Lebens verbrachte.


Informationen:

www.schlossgut.de

Fotos: Robert Kittel/Schlossgut Oberambach, Christian Euler