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Fornacelle: Neue Vinothek im Herzen des Bolgheri DOC-Gebietes

Da ist zum Beispiel als dritter nach der Metodo Classico hergestellter neuer Schaumwein, ein Rosé aus Sangiovese-Trauben, die auf einem historischen Weinberg von Fornacelle wuchsen, der schon 1965 angelegt wurde? Für Stefano Billi sind dieser Rosato bzw. Rosé, aber auch die beiden Vermentino-Schaumweine die perfekte Interpretation der küstennahen Lage von Bolgheri: Die stete Brise vom Meer, vereint mit dem Terroir von Fornacelle (steinig, kalkhaltig, sandig), sorgt für die Frische und langanhaltende Aromen gerade bei den Vermentino-Schaumweinen. Und alle drei Schaumweine lagerten zuvor 18 Monate auf der Hefe.

Produziert werden die Schaumweine bei Fornacelle allerdings erst seit 2022, heute zudem auch mit neuen Etiketten. Aber natürlich fährt man ins Bolgheri-DOC-Gebiet, das heute dank Supertoskanern wie Sassicaia und Ornellaia, aber auch herausragender Bolgheri-Superiore-DOC-Roter wie -Bolgheri-DOC-Weißer zu den ikonischsten und besten in der Toskana gehört, vor allem wegen der Klassiker. Aber da ist man natürlich im Gut Fornacelle ebenfalls bestens aufgehoben, geht doch die Geschichte des Gutes bis auf Stefano Billis Urgroßvater Giulio Batistoni zurück. Der war Anfang des 20. Jahrhunderts noch Pächter der Grafen Della Gherardesca. 1945 konnte die Familie dann den ersten Weinberg erwerben. Und heute, Generation für Generation, half Fornacelle mit beim Aufbau des Weinkonsortiums Bolgheri DOC, zu deren Gründungsmitgliedern (1984) man gehört. 

Der Aufschwung 

Ursprünglich wurden auf Fornacelle auch Gemüse und Obst erzeugt, die 1000 Olivenbäume des Gutes erzählen bis heute davon. Die große Wende kam dann 1996, als Urenkel Stefano Billi das Gut übernahm und mit Gattin Silvia Menicagli zu einem Aushängeschild des Bolgheri DOC umbaute. Davon können sich Besucher heute nicht nur beim Besuch der Vinothek mit Laden und Verkostung überzeugen. Es werden auch Führungen durch Weinberg und Weinkeller samt individueller Degustation angeboten: auf Italienisch, Englisch, Französisch und Deutsch! Hinzu kommen gerade im Sommer zahlreiche auf dem Gut veranstaltete Events, die mindestens monatlich stattfinden. Und, ein weiterer Clou: Im nahen, nur zwei Kilometer entfernten Agriturismo I Cavaleggeri, ebenfalls im Besitz der Familie, kann man auch stilecht übernachten. 

Große Bolgheri DOC

Bei solch perfekten Rahmenbedingungen ist es natürlich ein Vergnügen, das umfangreiche Portfolio von Fornacelle kennenzulernen. Den Namen verdankt das Gut jenen kleinen Öfen, die noch im 19. Jahrhundert in diesem Gebiet betreiben wurden. Starten sollte man zum Beispiel mit dem Fornacelle Zizzolo Bolgheri DOC Rosso, der seinen Namen dem Weinberg „Vigna allo Zizzolo“ verdankt. Im toskanischen Dialekt steht „zizzolo“ für den im Mittelmeerraum verbreiteten Jujube-Baum. Dieser Blend aus 60 Prozent Merlot und 40 Prozent Cabernet Sauvignon reifte sechs Monate in Allier-Barriques der zweiten Passage und weitere acht Monate in der Flasche bis zur Marktreife. Er passt ideal zu Pasta, etwa Tortelli und Cannelloni, mit Fleischsaucen, aber auch hervorragend zu Hauptgerichten wie Ossobuco. Wer mit einem Weißen starten möchte, greift zu Fornacelles reinem Zizzolo Bolgheri DOC Vermentino. Er reifte in Stahl und ist bei zehn bis zwölf Grad Celsius serviert perfekt zu Fisch, weißem Fleisch, aber auch Pizza und Gemüsegerichten. Vom roten Zizzolo wurden 25.000, vom Zizzolo Vermentino 12.000 Flaschen abgefüllt. 

Stefano und Silvia Billi. Foto: Fornacelle
Stefano und Silvia Billi. Foto: Fornacelle

Eine besondere Hausnummer ist dann der Fornacelle Guarda Boschi Bolgheri DOC Superiore, ein Blend aus 30 Prozent Cabernet Franc, 30 Prozent Cabernet Sauvignon und 40 Prozent Merlot von einem Weinberg, der 1998 neubepflanzt wurde. Er reifte 15 Monate in Tronçais- und Allier-Barriques und dann ein weiteres Jahr in der Flasche. Da jährlich nur 6000 Flaschen abgefüllt werden, sollte man sich sputen, um ihn etwa zu Wildgerichten oder reifem Käse zu genießen. Beworben wird er auch als Meditationswein. Aber solch gute Weine trinkt man besser in Gesellschaft! 

Perfekte IGT-„Kunstweine“

Damit nicht genug, denn wer im Bolgheri-DOC-Gebiet lebt, will naturgemäß auch die besonderen Weine bieten. Dazu bittet Fornacelle zur „Collezione Artistica“ , der „künstlerischen Kollektion“. Erstes Beispiel ist der kunstvoll hergestellte Wein Foglio 38 Bolgheri DOC Superiore, ein reiner Cabernet Franc und Flaggschiff des Hauses, der die Weinphilosophie und Innovationsfreude von Stefano Billi widerspiegelt. Der Name bezieht sich auf die Katasterbezeichnung des Weinbergs. Das schicke Etikett aber für diesen Wein schuf der Künstler Franco Menicagli. Basis war ein Ölgemälde auf Jute. Der Foglio 38 reifte 18 Monate in neuen Barriques und weitere 18 Monate in der Flasche. 4000 Flaschen wurden abgefüllt. Er passt perfekt zu Lamm, Rind oder Kalbshaxe.

Der weiße Fornacelle Toscana IGT Bianco trägt hingegen den Namen des Unternehmens und ebenfalls ein Etikett von Franco Menicagli. Er ist ein reiner Sémillon und reifte je sechs Monate in Barriques und in der Flasche. Perfekt ist er zu Meeresfrüchten, aber auch marmorweißem Speck aus dem Bergdorf Colonnata bei Carrara. Fornacelles „Erminia“ Toscana IGT ist eine Hommage an die Tochter des Hauses und wird seit 2008, ihrem Geburtsjahr, nur in den besten Weinjahren produziert. Dieser reine Merlot besitz ein Etikett von Fabrizio Breschi, das ein Herz auf gelbem Grund zeigt. Je 18 Monate Barriaques und in der Flasche führten zur Reifung. Er ist ideal zu Wildschweineintopf, Rind oder reifem Käse.

Zu guter Letzt die Hommage an den Vater von Stefano Billi: Der Vicentino Toscana IGT Bianco ist ein weißer Dessertwein aus 100 Prozent Fiano-Trauben, die erst Mitte, Ende November geerntet werden. Die Reifung erfolgt in Stahl. Dann ist er perfekt zu Gebäck, Kuchen und Cantuccini, aber auch zu Pastete oder Käse. Es gibt also Anlässe genug, Fornacelle und der neuen Vinoteka einen ausgiebigen Besuch abzustatten. 


Informationen:

Azienda Agricola Fornacelle: www.fornacelle.eu/de

Übernachten im Agriturismo I Cavaleggeri: www.icavaleggeri.it/de

Fotos: Fornacelle

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