Seit 1934 wird in Pertisau Golf gespielt. Siebzig Jahre lang genügten dafür neun Löcher, erst Anfang der 2000er-Jahre wuchs die Anlage auf 18 Bahnen. Heute misst der Par-71-Platz je nach Abschlag zwischen 4.924 und 6.156 Metern. Auf dem Papier klingt das überschaubar. Auf der Runde zeigt sich schnell, dass Länge hier nicht alles ist: Bäche, Doglegs und alter Baumbestand verlangen immer wieder eine Entscheidung.
Bergluft, Harz und frisch gemähtes Gras
Was diesen Platz prägt, steht auf keiner Scorekarte. Am Rand der Fairways blühen Margeriten, Glockenblumen und wilder Klee. Wenige Schritte weiter, unter den alten Lärchen, wird aus Rasen weicher Waldboden und plötzlich riecht die Luft nach Harz statt nach Sommerwiese. Im Unterholz raschelt etwas, das man nicht sieht.
Man spielt hier keinen Golfplatz, der der Landschaft aufgesetzt wurde. Man ist zu Gast in ihr.
Der Naturpark Karwendel liegt direkt nebenan, und das merkt man. Wildblumenstreifen dürfen stehen bleiben, alte Bäume bestimmen, wo sich ein Fairway hindurchschlängelt. Ein Biotop darf an einer Bahn nicht betreten werden, befestigte Wege bündeln die Bewegung auf dem Platz. Nicht die Landschaft hat sich dem Golf untergeordnet, der Golfplatz hat sich seinen Platz in ihr gesucht.
Vom Dorf auf die erste Bahn
Nur wenige Schritte vom Clubhaus entfernt beginnt die Runde – mitten zwischen Pertisau und Bergwelt. Es ist ein heißer Sommertag. Über dem Asphalt des Parkplatzes flimmert die Luft. Doch kaum steht man auf Bahn 1, zieht eine Brise vom Achensee herüber und nimmt der Hitze ihre Schärfe.
Vor einem liegt ein kurzes Par 4. Kein dramatischer Auftakt, keine große Inszenierung. Nur Fairway, Bäume und Berge. Der erste Ball steigt in die klare Bergluft. Pertisau bleibt zurück. Die Runde beginnt.
Bahn 3: Kurz, aber keineswegs harmlos
Bahn 3 ist mit 135 Metern kurz, verlangt aber einen sauberen Schlag. Direkt vor dem Grün liegt der Bach, rechts begleitet er das Grün weiter. Wer die Fahne angreift, muss die Länge gut einschätzen: Zu kurz landet der Ball im Wasser, zu weit rechts ebenso. Gerade deshalb ist dieses Par 3 interessanter, als es auf der Scorekarte zunächst wirkt. Präzision zählt hier mehr als Kraft.
Bahn 4: Jeder Schlag will geplant sein
Mit Bahn 4 folgt bereits die schwierigste Spielbahn des Platzes. Das Par 5 misst 488 Meter von Gelb und ist als Handicap 1 eingestuft.
Die Länge ist dabei nur ein Teil der Aufgabe. Im mittleren Abschnitt schränkt ein Bach die Möglichkeiten für den zweiten Schlag ein, vor dem links liegenden Grün kreuzt erneut Wasser die Spiellinie. Wer sich eine gute Ausgangslage für den nächsten Schlag schaffen will, muss deshalb früh überlegen, wo der Ball liegen soll. Ein Par muss man sich hier erarbeiten.
Hinter Bahn 4 zieht die Runde wieder hinauf. Die Bahnen 5 bis 7 führen tiefer in den Bergwald, Sonnenlicht fällt nur noch stellenweise auf die Fairways. Auf Bahn 8 und 9 geht es anschließend bergab zur Halfway-Hütte. Rote Geranien, Teich und Karwendelblick – hier darf die Scorekarte für ein paar Minuten warten.
Halbzeit am neunten Grün
Neben der kleinen Holzhütte mit Schindeldach plätschert ein Brunnen, dahinter liegt der Teich. Gleich anschließend beginnt Bahn 10, ein Par 5, bei dem das Wasser auf der linken Seite bereits vom Abschlag an mitspielt. Auf Bahn 12 wartet eine jener Kleinigkeiten, die man nach der Runde gern weitererzählt: Unter einem unscheinbaren Kunstrasendeckel verbirgt sich eine Kühlbox mit Mineralwasser und Bier – gegen eine kleine Spende in die Getränkekasse.
Danach führt die Runde wieder durch den Bergwald. Zwischen den Bäumen öffnen sich immer wieder Blicke auf das Karwendel, bis mit Bahn 16 eines der Löcher wartet, die man schon am Abschlag nicht so schnell vergisst.
Bahn 16: Über den Graben ins Dogleg
Bahn 16 ist das Signature Hole des Golfclub Achensee – und eines dieser Löcher, bei denen sich ein genauer Blick vom Abschlag lohnt.
Das Par 4 knickt deutlich nach links ab. Vom hinteren Abschlag müssen rund 185 Meter Carry über das trockene Bachbett geschafft werden, von Gelb liegt die sichere Landezone näher. Entscheidend ist weniger maximale Länge als die richtige Position.
Erst aus dem Knick des Doglegs öffnet sich der Blick auf das tiefer links liegende Grün. Genau diese Veränderung der Perspektive macht die Bahn so reizvoll.
Bahn 18: Finale am Teich
Nach dem leicht bergab führenden 17. Loch geht es noch einmal über die Dorfstraße zurück nach Pertisau. Dann wartet Bahn 18 – ein Par 3 und ein Schlussloch, das besser kaum zu diesem Platz passen könnte.
163 Meter sind es von Gelb. Neben der Spielbahn liegt der Teich, dahinter stehen die Häuser von Pertisau und das Clubhaus, darüber die Felswände des Karwendels. Noch einmal braucht es einen konzentrierten Eisenschlag, noch einmal ist Wasser im Spiel.
Und dann steht man wieder dort, wo einige Stunden zuvor alles begonnen hat: mitten im Dorf. Nur fühlt es sich nach 18 Löchern durch Wald, über Bäche und vorbei an Felswänden längst nicht mehr nach demselben Ort an.
Vom Grün auf die Terrasse
Nach der Runde muss niemand weit gehen: Das Clubrestaurant Don Danilos setzt auf regionale Klassiker, ausgewählte italienische Spezialitäten und hausgemachte Pizza. Auf der großzügigen Terrasse fällt der Blick zurück auf Golfplatz und Karwendel – ein stimmiger Übergang vom sportlichen zum kulinarischen Teil des Tages.
Fazit
Der Golfclub Achensee lebt nicht von einem einzigen spektakulären Loch, sondern von seinem Wechselspiel aus Bergwald, Wasser, alten Bäumen und überraschenden Blicken ins Karwendel. Die Runde wirkt angenehm natürlich, fordert aber immer wieder kluge Entscheidungen. Gerade diese Mischung macht den Platz so reizvoll: sportlich genug, um in Erinnerung zu bleiben, und landschaftlich so stark, dass der Score zwischendurch fast nebensächlich wird. Wer in Pertisau abschlägt, nimmt am Ende mehr mit als 18 gespielte Löcher.
Informationen:
Golf- und Landclub Achensee: www.golfclub-achensee.at
Golfen in der Region Achensee: www.achensee.com/de/sommerurlaub/golfen-tirol-oesterreich/
Naturpark Karwendel: www.karwendel.org
Don Danilos: www.golfclub-achensee.at/restaurant
Fotos: Andreas Bienert, Birgit Werner






