Das Caffè Centrale an der Piazza Garibaldi neben der Fontana Maggiore ist ideal um in das norditalienische Stadtleben einzutauchen. Typisch für Asolo sind die Bogengänge der Straßen durch die man gelassen schlendert, bis man aufschreckt, ein Ladengeschäft durch Farben, Strukturen, Produkte alle Sinne wachruft: der Showcase der Seidenmanufaktur Trame Asolo. Sie setzt die Tradition von 200 Jahren Seidenherstellung in Asolo fort.
Im Laden sitzt ein Arbeiter am Webstuhl aus dem 19. Jahrhundert mitten zwischen Ständern an denen klassische Seidenschals und Kleider hängen. Unter den eleganten Accessoires im Geschäft findet sich ein Lampenschirm aus Seide, ein Design nach dem modernistischen 1950er Jahre von Carlo Scarpa. Am Ende der Via Canova steht die herrschaftliche Casa Eleonora Duse an dessen Fassade die Gedenktafel datiert auf den 21. April 1925 an die „Göttliche“ des internationalen Theaters erinnert.
Die „Duse“ (1858 – 1924) mietete und restaurierte das Wohnhaus aus dem 16. Jahrhundert und lebte hier bis zu ihrem Tod in Pittsburgh während ihrer USA-Tournee im Jahr 1924. Sie ist in Asolo beerdigt.
Burg, Palast der Vernunft und Antica Osteria Al Baraco
Vom ehemals prächtigen Renaissancehof Caterina Cornaros, der Burg von Asolo, ist nichts Originales übriggeblieben, aber im alten Gebäude auf dem Burggelände steht an der Stelle des ehemaligen Thronsaals das Duse Theater. Vom Gelände aus eröffnet sich ein schönes Panorama auf die mittelalterliche Festung Rocca di Asolo, die Dächer der Stadt, die Weinberge und Landschaft mit dem Massiv des Monte Grappa in der Ferne, wo im ersten Weltkrieg die Frontlinie verlief.
Ein Kopfsteinpflasterweg führt hinunter in die Altstadt, entlang der Via Regina Cornaro sind an der Fassade des historischen Archivs das Pilgersymbol des Mönchs und Heiligen Bernhardin von Feltre zu sehen. Ein markantes imposantes Gebäude ist der Palazzo della Ragione (Palast der Vernunft): Der Sitz der venezianischen Stadtherren wurde im 15. Jahrhundert erbaut und wartet im Erdgeschoss mit der Loggia del Capitano auf.
Hauptdekor des Palazzo ist das große Wandfresko, es zeigt die historische „Niederlage des Crassus gegen die Parther“ von 1588. Unter Bogengängen im historischen Zentrum findet sich der Eingang zur Antica Osteria Al Baraco. Sie serviert einfache regionale venezianische Gerichte im Erdgeschoss und ersten Stock.
Als Weinausschank 1892 an der Stelle einer alten Köhlerei ins Leben gerufen, tranken hier Landarbeiter, Bauern und Handwerker nach Feierabend ein Glas „Vin Bàcaro“. Die Klientel wuchs auch dank des samstäglichen Markts, guter lokaler Weine und venezianischer „Cicchetti“ Häppchen.
Liebe, Tanz und Schönheit
Es lohnt sich überaus das Museum des italienischen neoklassischen Bildhauers Antonio Canova in Possagno, seinem Geburtsort, nahe Asolos zu besuchen. Seine riesigen Marmorskulpturen sind fester Bestandteil des westlichen Kanons und in den Museen von Rom, Paris, London, Berlin, Wien, St. Petersburg, New York zu sehen. Ein gigantischer menschlicher Fuß aus antikem römischem Marmor steht wie eine Wächterfigur am Eingang des Museo Canoviano, ein Ensemble zu dem die Gipsothek, das Geburtshaus des Künstlers mit Pinakothek sowie einer Bibliothek gehören.
Die originalen Gipsmodelle aus denen er seine berühmten Marmorplastiken, z.B. „Die drei Grazien“ (1813), „Tänzerin mit Händen auf den Hüften“ (1806), „Paolina Borghese Bonaparte“ (1804-1808) oder das „Denkmal für George Washington“ (1817) schuf, sind in der Gypsothek ausgestellt. Ab 1829 wurden Hunderte Gipsmodelle, Marmor, Terracotta-modelle aus Canovas Werkstatt in Rom, Via delle Colonnette, auf Ochsenkarren und per Schiff nach Possagno transportiert, um sie dort zu präsentieren.
Canova, der als junger Künstler nach Venedig und dann nach Rom ging, gelang es künstlerisch einzigartig das Neue neoklassischer Ästhetik zu interpretieren. Zwar folgte er immer den Prinzipien antiker Vorgaben aber in seiner Bearbeitung erleben klassisch-mythologische Themen Liebe, Tanz, Schönheit einen frischen, modernen Touch.
Ein Tempel für die Ewigkeit
Als zu Lebzeiten gefeiertes Künstlergenie hegte Canova den Wunsch im Pantheon in Rom beerdigt zu werden. Er wurde abgeschlagen. So finanzierte er in seiner Heimatstadt die Errichtung eines Tempels mit direkten Referenzen an den Parthenon in Athen – 16 zweireihige dorische Säulen bilden das Atrium -, während das runde Gebäude auf quadratischem Grundriss mit einer halbkugelförmigen Kuppel darüber klar an das Pantheon in Rom erinnert.
Canova war bei der Grundsteinlegung des Tempels 1819 zugegen, doch die Einweihung 1832 erlebte er nicht mehr. In der Mitte des Baus, der auch als katholisches Gotteshaus fungierte, sollte die kolossale Statue „Die Religion“ zur Lobpreisung Gottes stehen, doch das Werk wurde nie vollendet, sein Modell steht in der Gypsothek. Aber Canovas Gemälde „Die Beweinung Christi“ (1799) schmückt den Hochaltar. Linkerhand ist das Grab Canovas mit einem „Selbstportrait“ (1812) in Marmor. Seinen Sarkophag hatte er zu Lebzeiten in Venedig anfertigen lassen.
In San Vito di Altivole, unweit von Asolo, errichte Carlo Scarpa mit der Tomba Brion ein Meisterwerk postmoderner und organischer Architektur. Scarpa hat das Format eines Frank Lloyd Wright. Beispiel seiner großartigen Gestaltung ist das Museum Marino Marini in Florenz in der ehemaligen Kirche San Pancrazio. Scarpa reiste oft nach Japan und interessierte sich für fernöstliche Philosophie und Kultur. Die vom Zen-Buddhismus inspirierte Grabanlage entstand zwischen von 1970 – 1978, sie ist Teil des Ortfriedhofs.
Ein Eye-Catcher der 2400 Quadratmeter großen, L-förmigen meditativen Anlage sind die verschlungenen Kreise oder Ringe (Yin und Yang). Scarpa schuf das Auftragswerk Memoriale Brion für Onorina Tomasin-Brion und Giuseppe Brion, Eigner der Firma Brionvega. Es war sein letztes und berühmtestes Werk. Er wurde hier bestattet nachdem er auf einer Japanreise verstarb.
Seit 2022 gehört das Memorial Brion der italienischen nationalen Umwelt Stiftung FAI (Fondazione Ambiente Italiano) geschenkt. Im selben Jahr diente es als Drehort für den Blockbuster „Dune – Teil 2“.
Mit der Landhausvilla „Villa Maser“ schuf der venezianische Top-Architekt der Renaissance Andrea Palladio zwischen 1554 – 1558 ein äußerst elegantes und schönes, vor allem aber repräsentatives Exemplar im Vergleich mit den vielen Bauten, die heute erfreulicherweise in der Voralpenlandschaft des Veneto noch existieren. Eine auf einer Anhöhe gelegene mitten in der gestalteten, gezähmten Natur von großen, harmonischen Proportionen zeugende, moderne Villa, die der venezianischen Land- und Grundbesitzerfamilie Barbaro als Wohnsitz diente.
Ob sie eine Architektur zur Wahrung, Befestigung, Herstellung von Herrschaft ist wie einst ein Bestseller der Architekturkritik nahelegte? Sicherlich lässt sich die architektonisch-ästhetisch Inszenierung der Anlage als Manifestation einer agrarischen Lebensform lesen, die an einer hierarchischen, gottgewollten, ewigen Ordnung festhält. Doch in erster Linie ist die Villa ein Statussymbol.
Im Giebel des zentralen Teils der Hauptfassade findet sich das Familienwappen. Sonnenuhren sind auf der äußersten rechten und linken Seite der Hauptfassade angebracht. Ursprünglich befanden sich hier auch zwei Taubenschläge, Tauben waren für die Kommunikation im 16. Jahrhundert unabkömmlich. Die Brüder Marcantonio Barbaro und Daniele Barbaro gaben Palladio den Auftrag das ganze Anwesen zu planen. Er entwarf auch die zum Komplex gehörende Kirche, den Tempietto Barbaro, es war sein letztes Werk. Heute ist die Villa, die zum UNESCO Kulturerbe gehört, in Privatbesitz, aber sie kann besichtigt werden.
Informationen:
Stadt Asolo: www.asolo.it
Weinkonsortium Asolo Montello: www.asolomontello.it
Museo Gypsotheca Canova: www.museocanova.it
Villa di Maser: www.villadimaser.it
Tomba/Memoriale Brion: www.fondoambiente.it/memoriale-brion-eng
Osteria Ristorante Jodo in Maser: www.osteriajodo.com
Trattoria Ponte Peron in Pagnano d`Asolo: www.ponteperon.it
Ristorante La Tavernetta in Casella/Asolo: www.tavernetta-asolo.it
Antica Osteria Al Baraco in Asolo: www.albacaroanticaosteria.it
Fotos: Ellen Spielmann

