Hier einige Baumzeilen, dort, zwischen den insgesamt 41 Hektar umfassenden, aus zwanzig Parzellen bestehenden Weingärten in 250 Metern Höhe, zwischen den Parzellen auch einige, „Broli“ genannte und mit Trockenmauern eingefasste Grünflächen, die für Tradition wie den Schutz der biologischen Vielfalt stehen. Schließlich direkt gegenüber der Einfahrt zum 1836 von der Familie Barboglio gegründeten Anwesen, auch der Weinberg „Mosnel“: Hier starteten die Geschwister Lucia und Giulio Barzanò, die das Bio-Musterweingut nun in fünfter Generation als Dreamteam führen, 2016 ihren derzeit wohl spektakulärsten Versuch, neue Wege auf der Suche nach dem Weinbau von morgen zu gehen.
Dabei hätten sie es eigentlich angesichts der herausragenden Bewertungen ihrer Spitzenschaumweine, die mühelos 96 Punkte und mehr erreichen, kaum nötig! Schließlich repräsentieren sie längst weit mehr als nur ein perfekt biologisch geführtes Weingut, sind quasi Botschafter der gesamten Franciacorta, die sich zwischen Brescia und dem herrlichen Lago d`Iseo erstreckt. Heute, 190 Jahre nach der Gründung im Ortsteil Camignone von Passirano, haben sie den zentralen Begriff für ihren Erfolg, “Balance”, zur Veredelung gebracht: Er gilt im Weinberg, im Keller und natürlich vor allem auch im fertigen Wein!
Agroforstwirtschaft – ein Manifest für die Zukunft
Aber natürlich bleibt die Zeit nicht stehen – die neuen klimatischen Herausforderungen wie auch die schwindende Biodiversität fordern auch im Weinbau Umdenken und Forcierung nachhaltiger Landwirtschaft. 2016 wurde daher auf der „Mosnel“-Parzelle die Transformation in die Zukunft eingeläutet. Wissenschaftlich begleitet, wurden eine multifunktionale Begrünung zwischen den Rebzeilen und 800 Meter Hecken mit einheimischen Sträuchern bepflanzt und schließlich mitten im Weinberg eine nach der mathematischen Fibonacci-Regel angelegte Spirale aus 65 Paaren von Hainbuchen und Weißdorn gepflanzt.
Lorem ipsum dolor sit amet, consectetur adipiscing elit. Ut elit tellus, luctus nec Heute, eine Dekade später, können die agronomischen Vorteile konkret essbar bewertet werden: Bäume mildern klimatische Extrembedingungen, verbessern das Wassermanagement, reduzieren den Treibhauseffekt, stabilisieren die Böden und erhöhen den Anteil organischer Substanz wie auch der Bodenfruchtbarkeit. „Wir sind zwischen diesen Reben aufgewachsen und haben von unserer Mutter gelernt, dass der Weinberg Teil eines lebendigen Ökosystems ist, das man verstehen, respektieren und begleiten muss, erklären Lucia und Giulio Barzanò bei der Degustation ihrer exzellenten Schaumweine. Und: „Unser Ziel war es, die Voraussetzungen für ein echtes Zusammenleben zwischen der Rebe und den Organismen – pflanzlichen wie tierischen – zu schaffen, die sie schützen und stärken.”
Denn natürlich wird auf Mosnel auch die Fauna geschützt – zum Beispiel durch ein rigoroses Jagdverbot. Zum Projektteam gehören übrigens auch ein Landschaftsplaner mit multidisziplinärem Ansatz und ein Psychologe und Neurowissenschaftler. Denn ein angenehmer wie gewollter Nebeneffekt ist auch, dass sich die Naturumgebung Komplex und höchst positive auf die hier arbeitenden Menschen auswirken. Kopfzerbrechen bereiten neu invasive Insektenarten, deren Nutzen oder Schaden man noch nicht abschätzen kann.
Die Pionierin: Emanuela Barzanò Bargoglio (EBB)
Die jüngere Geschichte des Weingutes bestimmte ab 1954 eine gerade erst achtzehnjährige junge Dame, als sie beschloss, „Camignone in Ordnung zu bringen”: Emanuela Barboglio. Visionärin und ihrer Zeit weit voraus wandelte sie Mosnel zum modernen Weingut. 1968 entstand der erste Mosnel DOC mit Trauben vom Weinberg Roccolo, 1976 änderte sie den Namen des Gutes in „Il Mosnel” (heute schlicht „Mosnel”), 1979 startete sie mit der Metodo-Classico-Herstellung, 1990 war sie Mitbegründerin des Weinkonsortiums Franciacorta. mattis, pulvinar dapibus leo.
Und schließlich kam 1995 der erste Mosnel Franciacorta mit der DOCG-Klassifizierung auf den Markt. Es war die 2007 verstorbene Emanuela, die alle Etappen hin zur biozertifizierten Schaumweinherstellung vorbereitete. Die began dann 2014 mit dem großartigen Mosnel Franciacorta Brut Nature, der heute ein Aushängeschild von Mosnel ist und bei der Degustation besonders imponierte.
Er reift 24 Monate auf der Hefe und wirkte etwas herber mit Noten von weißem Pfirsich und Stachelbeere, dazu etwas perlender als der zuvor verkostete, ebenfalls wunderbare Mosnel Franciacorta Brut mit schöner Farbe, Perlage und einer Dosage von nur 3g/l, von dem jährlich 120.000 0,75-Flaschen ausgeliefert werden. Der Brut Nature kommt hingegen auf gerade 20.000 0,75-l-Flaschen und entstand in diesem Jahr aus der Assemblage von 73 Prozent Chardonnay und 27 Prozent Pinot Bianco. Die Kinder von EBB, Lucia und Giulio Barzanò, haben ihrer Mutter indes ein weitaus exklusiveres Denkmal gesetzt: den nach ihr benannten Franciacorta EBB Extra Brut Millesimato.
Für diesen Schaumwein sind nur die besten, handverlesenen und in 15 kg-Kisten gesammelten Chardonnay-Trauben reserviert, die in französischen Eichenfässern vinifiziert werden. Dann reift der Schaumwein (Dosage: 1,5 g/l) bis 48 Monate auf der Hefe! Gerade 6000 Flaschen werden von ihm abgefüllt. Und er ist längst eine der vier “Musketiere” von Mosnel.
Einzigartiges Portfolio unter der Libanon-Zeder
Die von den letzten Eiszeiten geprägten, vorwiegend aus Moränenböden und fluvialglazialem Untergrund bestehnden Weinbergparzellen von Mosnel profitieren vom idealen Mikroklima und den kühlen Winden aus dem Valcamonica, das für Camignone schon seit dem 13. Jahrhundert bekannt ist, als die Franciacorta als “Franza Curta” ihren Namen erhielt. Damals wurde sie von Klöstern dominiert, die wohl Zoll- bzw. Steuerfreiheit genossen.
Auch im 16. Jahrhundert verzeichnete das Kataster von Brescia “perfettissimi vini” aus Camignone, eben jenem Areal, das die Weinberge von Mosnel bis heute bilden. Tatsächlich stammen auch die ältesten Weinkeller von Mosnel aus jener Zeit, die neueren, vieretagigen Anlagen, davon drei unterirdisch, sind von 2019. Mehrfach umgebaut wurde indes die im klassizistischen Stil beeindruckende Villa mit herrlichem Park, in dem eine über 200 Jahre alte Libanon-Zeder alles überragt und ebenso Wahrzeichen von Mosnel sein könnte.
Tatsächlich befindet sich hier auch die ebenfalls mit Trockenmauern eingezogene Parzelle “Giardino”, in dem Pinot Nero wächst, der für ein weiteres Schaumweinwunder, den Mosnel Franciacorta Rosé Dosé Parosé Millesimato reserviert ist. Er gilt seit dem ersten Jahrgang 2001 als einer der besten Italiens und war auch bei der Verkostung ein Top-Favorit! Pinot Nero macht hier 70 Prozent aus und sorgt für Aromen und Struktur.
Den Rest und vor allem die Eleganz besorgt der Chardonnay nach 42 Monaten auf der Hefe! Er ist perfekt sogar zu opulenten Fleischgerichten! Noch einen Extra-Coup bietet dann der Franciacorta Pas Dosé Riserva. Die erste Ernte für diesen Wein im Jahr 2008 wurde erst zehn Jahre später auf dem Markt präsentiert. Er besteht aus 60 % Chardonnay, 20 Prozent Pinot Nero und 20 Prozent Pinot Bianco, reifte 102 Monate und ist eine Wucht!
Erst seit 2019 pflanzt Mosnel auch die einheimische Rebsorte Erbamat, deren eines Prozent Rebfläche die Weinberge mit bisher 70 Prozent Chardonnay und je 15 Prozent Pinot Bianco und Pinot Nero ergänzt. Erbamat sol erstmals 2026 zum Einsatz kommen.
Großartig ist schließlich auch der Mosnel Franciacorta DOCG Satèn Brut Millesimato – ein reiner, eleganter Chardonnay-Schaumwein, der bis 36 Monate auf der Hefe reift, mit leuchtend gelber Farbe imponiert und mit intensiven Aromen besticht.
Perfekt wäre ein Besuch bei Mosnel samt Degustation oder sogar Picknick im Weinberg. Weinliebhaber sammeln sich zudem im Wine Club Mosnel. Und nur eine 15-minütige Autofahrt entfernt öffnet sich der Lago d`Iseo, wo in Sulzano Fähren zur Monte Isola mit zahlreichen Restaurants übersetzen. Hier sorgten Christo und Jeanne-Claude 2016 mit ihren Floating Piers für 1,6 Millionen Besucher!
Informationen:
Azienda Agricola Mosnel: www.mosnel.com
Fotos: Mosnel, Jürgen Sorges

