In Zornheim, dem höchstgelegenen Weindorf Rheinhessens, hat der Weinbau bei den Familien Schittler und Becker Tradition. Aus zwei eigenständigen Betrieben entstand durch Liebe und Leidenschaft für den Wein ein gemeinsames Weingut: die Vereinigten Weingüter Schittler & Becker. Jungwinzerin Julia Schittler sorgt seit fünf Jahren mit Charakterweinen für eine ganz eigene Handschrift. Jeder Wein ist das Ergebnis sorgfältiger Handarbeit – von der Pflege im Weinberg bis zur Reife im Keller. Besonders hervorzuheben ist die Produktlinie Attribut. „Das sind die Brillanten unseres Weinguts. Sie stammen aus den besten Einzellagen des Zornheimer Berges. Weine mit Ecken und Kanten, denen es vergönnt ist, sich Zeit zu nehmen – in limitierter Auflage“, so die die Winzerin.
Bestes Beispiel bildet der Pettenthal Riesling 2022, entstanden durch Spontangärung und Ausbau im Edelstahl sowie im traditionellen großen Holzfass – ein wunderbarer harmonischer Wein mit Aromen gelber Früchte, sowie einer leichten, frischen Säure. Der Gottesgarten 2022, ein kraftvoller und eleganter Pinot Noir überzeugt mit einem Bukett dunkler Früchte, zarten Tanninen und Finesse. Der Guldenmorgen Pinot Blanc 2022, der im großen Holzfass ausgebaut wurde, begeistert durch seine Eleganz, Schmelz, Vielschichtigkeit, Mineralität– ein Wein, der im Gedächtnis bleibt.
Im Familienweingut Huff-Bird packen alle mit an – vom Winzermeister bis zur jüngsten Generation. Christine Huff, ausgebildete Önologin mit Stationen in Deutschland und Frankreich, führt gemeinsam mit ihrem neuseeländischen Mann Jeremy den Keller. Auf zehn Hektar rund um den Niersteiner Roten Hang entstehen charakterstarke Weine – naturnah, handgemacht und unverwechselbar wie ihre Herkunft. „Wir verwenden weder Mineraldünger, Herbizide noch Insektizide. Stattdessen investieren wir viel Handarbeit in die Weinberge und akzeptieren geringere Erträge. Im Keller verzichten wir auf tierische und künstliche Schönungsmittel. Durch die Nutzung natürlicher Prozesse geben wir dem Wein Raum und Zeit“, betont Christine Huff. So wirkt besonders charmant ein 2018 Orbel Riesling trocken. Gehaltvoll, griffig und mit extrem langem Nachklang.
Seit 2015 führen Jörg Bernhard und Tochter Martina Bernhard-Fazzi ihr Weingut in Wolfsheim – als generationsübergreifendes Herzensprojekt. Gemeinsam verbinden sie tiefes Naturverständnis mit Neugier und innovativen Wegen. Seit 2020 ist der Betrieb ökologisch zertifiziert, im Keller wird spontan vergoren, ohne Zusätze. Ihre Philosophie: begleiten statt eingreifen. Der kalkreiche Boden und das windige Klima prägen frische, charaktervolle Weine. Biodynamie ist für sie kein Trend, sondern Haltung – im Einklang mit der Natur, mit Blick auf morgen. Zum Beispiel entstehen die Naturweine „Naturkind“ nach einer sorgfältigen Handlese, zwei Wochen Maischestandzeit, spontaner Gärung und Ausbau im 500-Liter-Holzfass. Der Naturkind Silvaner 2022 zeigt reife Frucht, spürbare Tannine und eine elegante Mineralität. Der Gewürztraminer begeistert floral und verspielt – authentisch und lebendig.
Vom Experiment zur Herzenssache
Was 1855 mit Johann Baumberger und ein paar Reben in Mandel an der Nahe begann, ist heute ein lebendiges Familienweingut – geführt von drei Generationen, getragen von über 50.000 Rebstöcken auf 15 Hektar. Mit dem fünften Jahrgang der Linie GLOW GLOW zeigt sich die Handschrift immer deutlicher: pur, lebendig, ungefiltert. Die Familie, allen voran Pauline glaubt daran, dass weniger mehr ist – keine Zusätze, keine Filtration, kein Schwefel. Stattdessen: Handarbeit, biologische Bewirtschaftung, Naturhefe und viel Geduld. Im Weingut wird die Energie der Trauben gebündelt und das ist in den filigranen und charakterstarken Weinen zu schmecken.
Angefangen hatte die Umstellung 2019, als Pauline und Carl ins Familienweingut zurückkehrten. Im Gepäck: die Liebe zum Naturwein. Mit zwei Fässern Riesling und Muskateller startet die eigene Linie GLOW GLOW. Ihr Ansatz: nichts hinzufügen, nichts wegnehmen. Nur handgelesene Bio-Trauben, spontane Gärung, keine Filtration, kein Schwefel. Die Weine sind trüb, lebendig und zeigen, wie pur die Nahe schmecken kann – elegant, fein und voller Energie. Mit dem dritten Jahrgang 2021 ist aus dem Experiment eine Handschrift geworden: sechs Weine, darunter zwei fruchtige Cuvées und ein prickelnder Pet Nat – wild, klar, authentisch. Naturwein, ganz ohne Kompromisse.
Wild, ursprünglich und voller Bock auf Wein
An der Nahe, wo die Natur noch rau und ursprünglich ist, lebt und arbeitet Familie Emmerich-Koebernik seit Generationen für den Wein. Christiane Koebernik führt heute gemeinsam mit ihren Eltern Doris und Ernst-Günter das traditionsreiche Weingut in Waldböckelheim – mit einem klaren Gespür für die Zukunft.
„Meinen Mann Ernst-Günter habe ich 1981 geheiratet. Er stammte aus einem Winzerbetrieb. Wir haben immer zusammen gearbeitet“, betont Doris Emmerich, die 1974 als Deutsche Weinkönigin in der ganzen Welt unterwegs war. 14 Hektar bewirtschaftet die Familie, mit Leidenschaft im Keller und Innovationsfreude im Kopf. Tochter Christiane ist Winzerin, Jägerin, Naturmensch – und Ideengeberin für frischen Wind im Weingut. Ihre neue Linie „Bock auf Wein“ steht für ungebändigten Trinkspaß mit Anspruch: ehrlich, mineralisch, naturverbunden. Die herausragende Qualität zeigt sich in einem 2014 Riesling Grande Réserve Waldböckelheimer Mühlberg trocken. Der feinperlige Schaumwein lag mehr als 100 Monate auf der Feinhefe.
Im Schlossgut Diel an der Nahe entstehen seit sieben Generationen Weine mit Seele: präzise, charakterstark und geprägt von Herkunft und Handwerk. Seit 2019 führt Caroline Diel gemeinsam mit ihrem Mann Sylvain Taurisson-Diel das Weingut. Als erste Frau an der Spitze bringt die ausgebildete Önologin frische Impulse – ihre Weine sind klar, elegant und mineralisch. Riesling und Burgunder erzählen hier nicht nur vom Jahrgang, sondern auch von Carolines feinem Gespür. Auch der Sekt bekommt bei Diels volle Aufmerksamkeit: traditionell bereitet, von Hand gerüttelt, mit teils 15 Jahren Hefelager. Die Trauben stammen aus besten Lagen – für Schaumweine mit Tiefe, Finesse und Persönlichkeit.
Begeisternd die Weine aus der Schatzkammer, wie ein Riesling trocken VDP.Grosses Gewächs 2018 sowie ein Riesling Spätlese VDP. Große Lage 2007. Der komplexe Wein betört durch seine Geschmeidigkeit wie auch Intensität und einen extrem langen Abgang. Frauen prägen die Weinwelt längst mit souveränem Selbstverständnis – leise und kraftvoll.

