Foodie

Himmlische Kulinarik zwischen Seen und Bergen

Die Kärntner Alpen-Adria-Küche vereint Einflüsse aus Österreich, Italien und Slowenien. Daraus ist eine bodenständige, zugleich kreative Genusskultur entstanden, geprägt von Frische, Saison und regionalen Zutaten. Spitzenköche, engagierte Wirtsleute, Bauern und Slow-Food-Produzenten pflegen mit viel Herzblut dieses kulinarische Erbe.

Auf den Tellern zeigt sich die ganze Vielfalt der Region: fangfrische Forellen und Reinanken aus den Gewässern, seltene Urgetreide oder beinahe vergessene Gemüsesorten. Modern interpretiert schmecken diese Spezialitäten besonders gut – etwa auf einer sonnigen Terrasse am See oder hoch oben auf der Alm. Dort gehört zur klassischen Jause noch immer selbstgebackenes Sauerteigbrot, luftgetrockneter Speck, würziger Almkäse und ein Glas Most oder Apfelsaft.

Kärnten steht für ehrlichen Genuss und eine Küche, die tief in ihrer Landschaft verwurzelt ist – erlebbar vom Slow-Food-Bauernhof bis zur Sternegastronomie am Wörthersee.

Slow Food auf dem Schneider LEX-Hof. Foto: Carola Faber
Slow Food auf dem Schneider LEX-Hof. Foto: Carola Faber

Am Millstätter See wird Slow Food beim Schneider LEX-Hof nicht nur propagiert, sondern gelebt. Der familiengeführte Betrieb in Seeboden ist Teil der weltweit ersten Slow Food Travel Region und zeigt, wie eng Genuss, Landwirtschaft und Gastfreundschaft miteinander verbunden sein können. Gäste erleben hier, woher ihre Lebensmittel kommen – beim Frühstück mit hofeigenem Brot, Butter, Käse, Marmeladen und Wurst ebenso wie bei einem Rundgang durch Stall und Käserei.

Seit 2021 betreibt die Familie Schneider mit Leidenschaft zudem eine eigene Milchgenusshütte, in der aus frischer Milch mehr als 20 Produkte entstehen – von Joghurt und Topfen bis zu verschiedenen Käsesorten. Verkauft werden sie direkt am Hof und auf dem Wochenmarkt in Seeboden. Der persönliche Kontakt zu den Kunden gehört für die Schneiders ebenso dazu wie die transparente Erklärung ihrer Arbeitsweise.

Die Slow-Food-Bewegung in Kärnten hat sich in den vergangenen Jahren stark entwickelt. Zahlreiche Betriebe, Produzenten und Gasthäuser engagieren sich dafür, regionale Spezialitäten, alte Sorten und handwerkliche Herstellung zu bewahren. So entsteht eine Genusskultur, die Tradition und Zukunft verbindet und den Ursprung der Lebensmittel wieder in den Mittelpunkt rückt.

Eva Nuart. Foto: Carola Faber
Eva Nuart. Foto: Carola Faber

Auf dem Hof von Eva Nuart wird das Konzept „Farm to Table“ täglich gelebt. Besucher erhalten hier nicht nur exquisite Produkte, sondern auch Einblicke in eine Landwirtschaft, die auf artgerechte Tierhaltung, biologische Bewirtschaftung und sorgfältige Handarbeit setzt. Seit fast 40 Jahren widmet sich die Familie Nuart vulgo Hafner der Herstellung hochwertiger Schafmilchprodukte und verbindet dabei traditionelles Käsehandwerk mit modernen Bio-Standards und seit 2021 führen in zweiter Generation Eva-Maria Nuart und ihr Mann Daniel Jäger-Nuart den Betrieb. Immer mit dem Fokus auf biologischer und regenerativer Landwirtschaft – im Einklang mit der Natur.

Die Schafe liefern die Grundlage für eine Vielfalt an Spezialitäten, die aus 100 Prozent biologischer Rohmilch entstehen. Geduld, Erfahrung und handwerkliches Können prägen jeden Arbeitsschritt – vom Melken bis zur Reifung. Qualität steht über Menge, ebenso der respektvolle Umgang mit Tieren, Menschen und Natur.

Für Eva Nuart bedeutet nachhaltiges Wirtschaften auch, bewusst auf Expansion zu verzichten. Stattdessen setzt sie auf Authentizität, Transparenz und genügend Zeit für Familie und Hof. 

Neuanfang am Wasser 

Markus Jordan hat seine Karriere als Finanz- und Eventmanager hinter sich gelassen und sich mit dem Forellenhof Jorde in Viktring einen lang gehegten Kindheitstraum erfüllt. Nach vielen Jahren in Katar fand er zurück zur Natur – und zu einem Beruf, der Handwerk, Nachhaltigkeit und Genuss verbindet. Seit 2019 züchtet er auf rund 3,5 Hektar Forellen, Saiblinge und Lachsforellen in klarem, nährstoffreichem Bachwasser, das maßgeblich für den feinen Geschmack der Fische ist.

Markus Jordan. Foto: Carola Faber
Markus Jordan. Foto: Carola Faber

Im Hofladen und in der kleinen Gastronomie werden die Produkte vielseitig angeboten: fangfrisch, geräuchert, gebeizt oder als Tatar. Dazu gibt es hochwertiges Bio-Brot, feine Öle und passende Weine – etwa von dem Winzerteam Sem Kegley und Georg Lexer, die seit über 20 Jahren gemeinsam Weinbau in Kärnten betreiben. Wer möchte, genießt Forelle Müllerinart oder gegrillten Steckerlfisch direkt am Teich oder versucht sein Glück selbst mit der Angel.

Der Forellenhof ist damit weit mehr als eine Fischzucht: Er steht für ein Lebensgefühl, das Natur, Qualität und bewussten Genuss in den Mittelpunkt stellt – nur wenige Minuten vom Klagenfurter Stadtzentrum entfernt.

Charmante Almhütten und Buschenschänken

In Kärntens Buschenschänken und Almhütten lebt eine Wirtshauskultur weiter, in der Rezepte seit Generationen weitergegeben werden. Wer hier einkehrt, bekommt eine klassische Kärntner Jause mit selbstgebackenem Brot, Speck, Sasaka oder Salami – oft begleitet von frischem Fisch aus den umliegenden Seen. Zwischen Alpenpanorama und mediterranen Einflüssen entsteht so eine Küche, die bodenständig und zugleich überraschend leicht wirkt.

Ein besonderer Ort ist die Messnerei am Sternberg. Hoch über der Landschaft gelegen, bietet sie nicht nur einen weiten Blick über Täler und den Wörthersee, sondern auch eine Küche, die konsequent auf regionale Zutaten und saisonale Frische setzt. Kräuter aus Wiesen und Wälder der Umgebung prägen die Gerichte ebenso wie Produkte von Bauern aus der Nachbarschaft. Gekocht wird im Rhythmus der Natur – mit viel Zeit, Sorgfalt und einem Gespür für einfache, ehrliche Aromen.

Winzer Alexander Egger. Foto: Carola Faber
Winzer Alexander Egger. Foto: Carola Faber

Zum kulinarischen Erlebnis gehört auch der Wein von Alexander Egger, der den historischen Weinbau am Sternberg wiederbelebt hat. Was einst mit wenigen Reben begann, ist heute ein biologisch bewirtschafteter Weinberg mit mehr als 20.000 Rebstöcken. In Sternberg verbinden sich damit auf harmonische Weise Genuss, Achtsamkeit und Entschleunigung. Es ist ein Ort, an dem man nicht nur gut isst und trinkt, sondern auch zur Ruhe kommt.

Genusstipps zwischen Bergpanorama und Seeidylle

Was in den 1970er-Jahren mit wenigen idealistischen Winzern begann, hat sich zu einer bemerkenswerten Erfolgsgeschichte entwickelt. Aus einst fünf Hektar Rebfläche sind heute rund 130 geworden, auf denen vor allem Weißweine wie Chardonnay, Sauvignon Blanc und Burgundersorten gedeihen. Die hochgelegenen Lagen verleihen den Weinen Frische und Charakter – und sorgen dafür, dass Kärntner Tropfen zunehmend auch bei Wettbewerben überzeugen.

Direkt am Ufer des Wörthersees vereint das Falkensteiner Schlosshotel Velden historischen Glanz mit moderner Eleganz. Das Fünf-Sterne-Haus bietet nicht nur exklusive Zimmer und einen weitläufigen Spa-Bereich, sondern auch eine Bühne für Kulinarik und Kultur. Wer die Region darüber hinaus entdecken möchte, findet mit dem Slow-Food-Guide Kärnten zahlreiche Adressen für authentische Genussmomente – von Hofläden bis zu ausgezeichneten Restaurants.


Informationen:

www.kaernten.at

www.kaernten.at/kulinarik

www.slowfood.guide

Fotos: Carola Faber

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