Von Anfang an mit dabei waren Tochter Paola und sein Schwiegersohn, der Marchese Ippolito De Ferrari, um den Traum des Vaters Wirklichkeit werden zu lassen: einen guten, sogar sehr guten Wein aus Montepulciano zu produzieren! Die erste Flasche Wein wurde 1967 abgefüllt. Paola Corradi De Ferrari, die nun das Weingut führt, erinnert sich: „Es waren zweitausend Flaschen. Im nächsten Jahr haben wir die Anzahl verdoppelt, aber erst in den ersten 1970er Jahren sind wir über 30.000 Flaschen gekommen.“ Dabei erwies sich die intuitive Wahl des Standortes in Cervognano als Glücksfall: Die Weinberge liegen in 300 Metern Höhe über dem Meeresspiegel in sanfter Hügellandschaft, die sich von Montepulciano in Richtung Val di Chiana erstreckt. Clou sind hier das ausgesprochen spezielle Mikroklima und da Terroir teils auch aus Schwemmsand.
Die Anfänge…
Die ersten Jahre waren geprägt durch hohe Investitionen in Weinberge und Kellerei sowie auch in die durchaus wissenschaftliche Recherche zu den Bedingungen auf jedem einzelnen Weinberg, später zu jeder einzelnen Weinbergparzelle. Dafür mitverantwortlich war vor allem Chefönologe Maurizio Castelli, der bis heute wichtigster Berater von Boscarelli ist.
Angepflanzt wurde vornehmlich Prugnolo Gentile, jene spezielle Sangiovese-Traube aus Montepulciano, die den Vino Nobile di Montepulciano DOCG bis heute zum erklärten Liebling gerade in deutschen Landen macht. Denn bis heute ist Deutschland der wichtigste Exportmarkt für diesen grandiosen Wein. Zu den 85 Prozent Prugnolo Gentile-Rebstöcken gesellen sich zudem Colorino, Canaiolo, Mammolo, Malvasia Nera, Merlot, Cabernet und Carménère. Das Durchschnittsalter der Rebstöcke besitzt heute 35 Jahre. Perfekt!
Nicht nur Sangiovese…
Dass Boscarelli indes keineswegs auf die Prugnolo Gentile allein setzt, beweist der seit 1997 höchst erfolgreich nur in ausgewählten Jahrgängen produzierte und hochgeschätzte Boscarelli dei Boscarelli IGT Rosso Toscana. Er besteht aus 80 Prozent Merlot und je zehn Prozent Cabernet Sauvignon, reifte bis zu 18 Monaten in kleinen Eichenfässern aus französischer Eiche mit einem Fassungsvermögen von 225 bis 350 Liter. Die Assemblage erfolgt erst danach. Sodann ruht dieser Wein vier lange Jahre in der Flasche, bis die Marktreife erreicht ist. Dies gibt ihm eine Langlebigkeit von mehreren Dekaden, doch Boscarelli empfiehlt je nach Jahrgang das Entkorken im idealen achten Jahr nach der Ernte.
Ein reiner Merlot ist sogar der Merlot Cortona von den teils biologisch betriebenen Boscarelli-Weinbergen im Ortsteil Centoia von Cortona. Er wird seit 2006 produziert, reift in Stahl und sollte vier bis fünf Jahre nach der Ernte konsumiert werden.
Der Grundstock…
Boscarellis Basiswein ist der De Ferrari IGT Toscana aus 90 Prozent Sangiovese Prugnolo Gentile und je fünf Prozent Canaiolo und Merlot. Er reift einige Monate im Zement und kommt als fruchtig frischer Wein mit floralen Noten direkt im Jahr nach der Ernte auf den Markt. Zweiter Basiswein ist Boscarellis „Prugnolo Rosso di Montepulciano DOC“ aus 90 Prozent Sangiovese Prugnolo Gentile und zehn Prozent Mammolo. Er wird seit 1989 abgefüllt, ist mit dem heutigen Etikett seit 2003 ausgestattet, reifte ebenfalls im Zement und kommet ebenfalls im Jahr nach der Ernte auf den Markt.
Weitaus avancierter ist dann schon Boscarellis Vono Nobile di Montepulciano DOCG und der Vino Nobile di Montepulciano Riserva DOCG. Der Nobile reifte 18 bis 24 Monate in fünf bis 35 Hektoliter fassenden Eichenfässern aus Slawonien und ist fünf bis acht Jahre nach der Ernte ideal. Die seit 2010 wieder neuaufgelegte Riserva aus 90 Prozent Sangiovese Prugnolo Gentile und zehn Prozent Colorino reifte 28 bis 32 Monate in französischen und slawonischen Eichenfässern mit fünf bis 25 Hektoliter Fassungsvermögen, hat mehrere Dekaden Lebensdauer und ist ideal je nach Jahrgang im zehnten Jahr nach der Ernte zu verkosten.
Drei Superstars dazu…
Einfach großartig sind dann der nur mit 5000 Flaschen produzierte Lagenwein „Il Nocio“ Vino Nobile di Montepulciano DOCG, dessen Trauben exklusiv vom 1988 erworbenen Weinberg „Vigna del Nocio“ in 280 bis 350 Metern Höhe stammen. Dieser reine Sangiovese Prugnolo Gentile ist der Signature Wine von Boscarelli, reifte 18 bis 24, teils nach Jahrgang auch 28 bis 32 Monate in slawonischen und französischen Eichenfässern (fünf bis zehn Hektoliter!), um dann weitere Monate in der Flasche zu lagern. Dieser Wein ist der Liebling der De Ferrari-Familie – mit Grund! Hinzu kommt neu seit 2015 Boscarellis „Costa Grande“ Vino Nobile di Montepulciano DOCG, auch er ein reiner Sangiovese Prugnolo, von dem 4000 Flaschen abgefüllt werden. Er reift im ersten Jahr in Tonneaux und im zweiten Jahr in 25-Hektoliter-Fässern, gefolgt von einigen Monaten in Zement.
Dann landet er für weitere sechs bis zwölf Monate in der Flasche, ehe die Marktreife erreicht ist. Ein Gedicht! Schließlich ist auch Boscarellis „Sotto Casa“ Vino Nobile Riserva, von dem seit 2001 jeweils 8000 Flachen abgefüllt werden, perfekt harmonischer, eleganter Wein aus Sangiovese, Cabernet und Merlot. Er reift 28 bis 32 Monate in drei bis 30 Hektoliter fassenden Eichenfässern aus Slawonien und Frankreich und ist sechs bis zehn Jahre nach der Ernte ideal.
Vin Santo Riserva und „Auge des Rebhuhns“
Alljährlich zu den Anteprime Toscana in Montepulcianos Fortezza stürzt sich die nationale wie internationale Weinkritik geradezu auf die neuen Jahrgänge von Boscarellis Vin Santo di Montepulciano DOC Riserva sowie Boscarellis „Aug des Rebhuhns, den Vin Santo di Montepulciano DOC „Occhio di Pernice“. Die Riserva aus Trebbiano, Malvasia Bianca und Grechetto lagert mindestens sieben Jahre, erreicht einen Alkoholgehalt von 12,5 Prozent und ist der Hit nach jedem Dinner. Das „Auge des Rebhuhns“ firmiert offiziell als „Boscarelli Familiae Occhio di Pernice“, besteht aus 60 Prozent Sangiovese sowie Trebbiano, Malvasia Bianca und Grechetto, ruht ebenfalls mindestens sieben Jahre, erreicht aber sogar 13 Prozent! Eine Legende wie auch die Riserva aus der 0,375-Liter-Flasche!
Informationen:
Poderi Boscarelli: www.poderiboscarelli.com
Fotos: Poderi Boscarelli

