Arkaden, Säulen, Nischen, Gänge und sechs Innenhöfe: Die Nobelherberge mit ihren 61 Suiten und Zimmern besteht aus einem atemberaubenden Ensemble von vier Renaissance-Gebäuden. Die ältesten Gemäuer gehen auf das Jahr 1341 zurück.
Das Hotel ist modern, luxuriös und sehr authentisch. Wer dort logiert, fühlt die Geschichte, spürt den Reichtum vergangener Epochen. Und eine große Portion Romantik dazu.
Über 400 Renaissance-Gebäude: Unesco-Weltkulturerbe!
Kaum schreiten die Gäste von der schmalen Altstadt-Gasse Rue du Boeuf durch den Haupteingang, da begrüßt schon Chef-Concierge Sandrine Nallet mit einem herzerwärmenden Lächeln die Neuankömmlinge. Sie kennt die pulsierende 600.000-Einwohner-Stadt Lyon, durch die mit der Rhône und der Saône gleich zwei Flüsse fließen, wie ihre Westentasche. Und hat immer einen guten Tipp für eine Entdeckungstour parat …
Zum Beispiel durch das verkehrsberuhigte Viertel „Altes Lyon“ mit seinem historischen Charme zu schlendern. Denn nicht nur das „Cour des Loges“ ist so ein Renaissance-Schmuckstück. Vielmehr haben über 400 solcher Gebäude die Jahrhunderte überstanden: Sie sind Unesco-Weltkulturerbe!
Die Stadt der feinen Seide
Es waren erfolgreiche Unternehmer aus Florenz, die diesen Stil nach Lyon gebracht und aus der Stadt ein wichtiges Zentrum des europäischen Handels gemacht hatten. Weltberühmt wurde Lyon im 16. Jahrhundert insbesondere durch den Handel mit kostbarer Seide. Zirka 30.000 „Canuts“, Seidenweber, lebten und arbeiteten damals in der florierenden Stadt.
In dieser Zeit entstanden auch die ersten Traboules. Das sind verwinkelte, geheimnisvolle, überdachte Gänge, die die Häuser verbanden, und als Abkürzung den direkten Weg zum Fluss und damit zum Transportweg für die Seide bildeten. Allein im Stadtteil „Vieux-Lyon“ sind noch rund 200 solcher „Short Cuts“ vorhanden. Auch das Hotel „Cour des Loges“ punktet durch seine einzigartige Zusammensetzung aus vier Gebäuden in seinem Inneren mit Traboules …
Der Geist der „Canuts“ weht noch heute durch Lyon. Eine Seiden-Werkstatt in der Rue Romarin 33 zeigt die alte Kunst des Seide-Färbens. Kleine Geschäfte bieten Accessoires von Krawatten über Einstecktücher bis hin zu wertvollen Tüchern. Junge Designer kreieren stylische Kleidung aus dem edlen Gewebe.
Dorado für alle Foodies
Und weil Lyon im Südosten Frankreichs den Titel „Welthauptstadt der Gastronomie“ trägt, ist es ein Dorado für alle Foodies. Und was für eines: Die Stadt wartet mit rund 5.300 Restaurants auf – von Streetfood bis Sterne-Lokal.
Versteht sich, dass es sich auch in den beiden Restaurants im „Cour des Loges“ hervorragend speisen lässt: im Fine-Dining-Restaurant „Les Loges“ im „La Grande Cour“, dem Herzstück des Hotels. Oder im legereren Bistro-Restaurant „Le Comptoir“ mit seiner Terrasse, die auf den kleinen Place du Petit Collège hinausgeht.
Küchenchef Anthony Bonnet ist im Hotel schon seit Jahren der Herr der Töpfe. An seiner Seite steht Joseph Doverman aus Dublin. Bonnet ist ein leidenschaftlicher Verfechter saisonaler Produkte von kleinen Betrieben aus der Umgebung – wie das so ist, wenn man in der Region tief verwurzelt ist und schon als Zehnjähriger ein Gärtchen erhält, um dort sein eigenes Gemüse zu kultivieren.
Erinnerungen an die Kindheit
Er züchtete als Kind Tauben und Hühner, schleuderte selbst den Honig und ging mit seinem Vater auf die Jagd. „Wir kauften fast nie etwas, wir machten fast alles selbst“, sagt Anthony Bonnet. Was für eine Schule! Verfeinert durch seine Arbeit in Michelin-Stern gekrönten Restaurants, erkochte er sich später selbst einen.
Und genau diese Auszeichnung strebt er nun wieder im „Les Loges“ an! Durch die zweieinhalbjährige Schließung des Hotels war sie verloren gegangen. Seine köstlichen Kreationen lässt er auf handgearbeiteter Keramik aus der Gegend servieren. Die Tischsets stammen von lokalen Herstellern.
„Kochen ist für mich nicht nur eine Kunst“, betont Bonnet, „es ist auch eine verantwortungsvolle Tätigkeit.“ Dazu gehört der Respekt vor den Waren, ihre möglichst vollständige Verwertung, die Vermeidung von Abfällen. So wird zum Beispiel von einer Taube nicht nur das Fleisch, sondern auch die Leber verwendet – für eine Pâté.
Kalb mit Wildblumenblüten, Taube mit Pflaumen
Was tischt er so auf im Hauptrestaurant „Les Loges“ im großen Innenhof? Da ist zum Abendessen der Saibling mit Butterbohnen und Zwiebelessenz. Das konfierte Kalb mit Wildblumenblüten. Das Kräutersorbet auf einer kühlen Gemüse-Bouillon zum Erfrischen des Gaumens zwischendurch. Die Taube mit Pilzen und fermentierten Pflaumen. Die karamellisierte Chiboust-Crème, der Rhabarber und Erdbeeren Gesellschaft leisten…
Im Bistro „Le Comptoir“ speist man à la Carte oder genießt von Montag bis Freitag ein Mittags-Menü. Dort ist mitunter die typische Pâté en croûte auf der Karte, die Pastete im Teigmantel. Oder das butterweiche, acht Stunden lang bei Niedrigtemperatur gegarte Lamm nebst Kartoffelpüree. Oder ein Dessert mit feiner Schokolade aus dem Hause des Maître-Chocolatiers Stéphane Bonnat, der nicht weit entfernt von Lyon für den zarten Schmelz sorgt.
Und weil gleich drei Weinanbaugebiete sozusagen um die Ecke liegen, funkelt zum Essen so manch‘ regionales Tröpfchen im Glas: von den Côtes du Rhône, aus dem Beaujolais oder den Coteaux du Lyonnais. „Wir bieten unseren Gästen dazu viele bio- oder biodynamische Tropfen an“, sagt Jean-Philippe Dolley, Food- & Beverage-Manager des Hotels. Und führt uns in seine wohl temperierte Schatzkammer: Eine steinerne Wendeltreppe schraubt sich hinab in den Gewölbekeller mit über 8.000 Flaschen. Dolley ist ihr stolzer Hüter.
Paul Bocuse ist allgegenwärtig
Wer in Lyon ist, kommt an Paul Bocuse nicht vorbei. Kochlegende, einer der besten Köche des 20. Jahrhunderts – an Superlativen mangelt es nicht in Bezug auf den Mann, über dessen Restaurant „L’Auberge du Pont de Collonges“ nördlich von Lyon über 50 Jahre drei Michelin-Sterne leuchteten.
2018 mit 92 Jahren gestorben, ist er noch immer allgegenwärtig. Selbst riesengroß auf Häuserwänden. Lyon ist berühmt für seine Streetart. Nach ihm ist auch die Markthalle der Stadt benannt: „Les Halles de Lyon Paul Bocuse“. Auf 13.500 Quadratmetern über drei Stockwerke bieten mehr als 50 Stände eine Fülle an Delikatessen: Foie gras, Trüffel, Pâté, Fleisch, Wurst, Geflügel, Fisch, Meeresfrüchte, Obst, Gemüse, Käse, feinste Pâtisserie und natürlich Wein. Auch für eine kulinarische Auszeit in einem der zwölf Restaurants, Bars oder Cafés ist die Markthalle eine hervorragende Adresse…
Das Kochen hat Bocuse übrigens bei einer der berühmten „Mères Lyonnaises“ gelernt. Es sind auch diese „Mütter von Lyon“, denen die Stadt ihre gastromische Tradition verdankt. Ursprünglich als bescheidene Köchinnen in den Häusern der Bourgeoisie tätig, machten sie sich ab dem späten 18. Jahrhundert mit eigenen Gasthäusern selbstständig.
Die bekannteste von ihnen war Eugénie Brazier, die 1933 als erste Frau für ihr Restaurant drei Michelin-Sterne erkochte. Bei genau ihr ging Bocuse in die Lehre. Er hat sie hoch verehrt: „Mère Brazier war die Schule meines Lebens!“
Informationen:
Radisson Collection Hotel: www.radissonhotels.com
Seiden-Werkstatt „L’Atelier de Soierie“: www.brochiersoieries.com
Traboules: www.visiterlyon.com
Streetfood-Festival: www.lyonstreetfoodfestival.com
Fotos: Radisson Hotel, Kirsten Lehmkuhl









