Seit gut 2500 Jahren wird in Südtirol Weinbau betrieben, denn bereits zu der Zeit war bekannt, dass die sonnenexponierten Hänge der Region beste Möglichkeiten für Traubenmaterial verschiedenster Couleur bieten. Schon die Räter als Volk der Antike aus den mittleren Alpen haben sich an Weinbau in der Region des heutigen Südtirols versucht.
Die Römer, welche die Räter im 1. Jahrhundert vor Christus eingliederten, professionalisierten den weiter aufkommenden Weinbau in den kommenden Jahrzehnten. Es erfolgte die Verbesserung von Keltertechnik und vor allem des Transports, der damaligen Amphoren-Logistik bis hin zur Holzfasslagerung.
Wie überall in Europa übernahmen im Mittelalter Klerus und Adel das Ruder im Weinbau. Das Wissen über das wichtigste Gut im Weinbau, den Boden, war derzeit nur rudimentär vorhanden. Folglich war die Produktion weniger auf Qualität als auf Quantität ausgelegt. Ein Prozess, der sich lange hielt und bis in das 20. Jahrhundert Status Quo war. Hoher Ertrag pro Hektar, viel Vernatsch und die Produktion von Trinkwein standen bei den meisten Weinmachern an erster Stelle.
Der heutige Erfolgspfad
Doch der Qualitätsgedanke wechselte sich bei den Winzern mit dem aufkommenden Wunsch der Kunden nach besseren Qualitäten. In den 1970er- und 1980er-Jahren vollzog sich dieser Wechsel hin zur Lagenanalyse, Ertragsreduktion und zur Qualitätsverbesserung Handlese sowie verbesserte Kellertechnik. Wie überall in europäischen Regionen fand ein Wechsel von Beton zu Edelstahl und somit auch eine temperaturkontrollierte Gärung statt. Auch die gezielte Verwendung von Barriques trug zum Anstieg der Qualität von Südtiroler Weinen bei.
Diese Phase im Weinbau war der eigentliche heutige Erfolgspfad, auf dem die Weine der Region nunmehr wandeln. Eine lange Vegetationsperiode, das alpine (Mikro-)Klima und ein starker Genossenschaftsgedanke sind das Faustpfand der Weinmacher Südtirols. Der Qualitätsgedanke ist hier mehr als leere Worthülse – er ist fester Bestandteil der täglichen Arbeit und Grundlage der Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Betriebe.
Die Folge ist eine klare Stilistik durch die Bewahrung der eigenen Geschichte, durch die optimale Nutzung des Terroirs und neueste Techniken wurde der Prozess der Aromatik perfektioniert. Resultat sind Weine mit einem austarierten Alkoholgehalt und angenehmen Tiefgang. Denn dafür stehen Weine aus Südtirol heute: Qualität vor Quantität – und immer auf der Suche nach der eigenen Identität mittels autochthoner Sorten und der Beachtung der Bodenbeschaffenheit.
Sanct Valentin 2022 Sauvignon
Und eben diese Wege und Produktionsprozesse sind auch bei der Kellerei St. Michael-Eppan, dessen Rebflächen sich auf 400 bis 700 Meter Meereshöhe befinden, ersichtlich. Das Unternehmen steht unumwunden für eine qualitätssichernde Vinifizierung: Etwa 90 Prozent der Trauben werden in Stahltanks vergoren und auf der Feinhefe ausgebaut, die Traubenselektion erfolgt per Hand.
Mit dem Sanct Valentin 2022 Sauvignon kommt ein Tropfen in die Gläser, dessen Traubenmaterial nicht nur aus hohen Lagen kommt, sondern der aromatisch seine Charakteristika aus kalkreichen Böden bezieht. Das Strohgelb des Weines kommt in Kombination mit einem Cassisduft, ein wenig Holunder und auch einem feinen mineralischen Spiel daher. Die 14,5 Prozent Alkoholgehalt in Kombination mit den mineralischen Akzenten sind ein zuverlässiger Begleiter zum Fisch, die Charakteristik des Kalkbodens liefert gut zu süßen und würzigen Beilagen ab.
Nun, Sauvignon gehört unumwunden zu den klassischen Rebsorten und weist eine weltweite Verbreitung auf. Eigentlich ursprünglich aus dem französischen Loiretal kommend, ist die Rebsorte im Ranking der Häufigkeit gleich nach Chardonnay einzustufen. Spricht man von Weißwein, ist Sauvignon nicht nur ein großer Name, er ist vor allem beliebt wegen seiner Frische und den oftmals vorhandenen grünen Noten – und natürlich auch wegen der oben bereits erwähnten Mineralik.
Sanct Valentin 2021 Pinot Grigio
Die Kellerei St. Michael-Eppan kann auf eine lange Tradition zurückschauen. Bereits 1907 gegründet, arbeiten mittlerweile 330 Mitglieder für die Cantina in den Weinbergen. Die verschiedensten Weine haben das Unternehmen in den letzten Jahrzehnten verlassen – unter ihnen auch der Sanct Valentin 2021 Pinot Grigio.
Die Rebsorte gehört sicherlich auch zu den Klassikern für Fischgerichte, kommt mit 14 Prozent Alkoholgehalt aus der Flasche und ist wie auch der Sauvignon der Kellerei ein sehr strohgelbes Tröpfchen. Klassisch ist der Pinot Grigio ein frischer mit knackiger Säure daherkommender Wein. So eben auch hier bei dem 2022er der Kellerei, welcher wunderbare Noten im Bereich Apfel, Zitrus und Banane abliefert.
Die Pinot Grigio-Traube ist wohl die bekannteste Weißwein Rebsorte Italiens – den meisten gerade in Deutschland sicher eher bekannt als Grauburgunder oder auch Pinot Gris beziehungsweise Rulander. Zarte Blütennoten sind oft Charakteristika dieser Rebsorte, die Frische und Eleganz komplettieren diese so beliebte Rebsorte. Wer also im Bereich Meeresfrucht unterwegs ist, sich gerne einen vinophilen Begleiter für (gegrillten) Fisch wünscht, ist mit dem Sanct Valentin gut aufgestellt.
Peter Zemmer Giatl Pinot Grigio Riserva
Ähnliche Charakteristika kann man unumwunden auch dem Pinot Grigio von Peter Zemmer attestieren. Das Weingut von 1928 liefert von Weinlagen rund um Kurtining an der Weinstraße ab. Die kleine Gemeinde mit gerade Mal 700 Einwohnern liegt im Süden Südtirols, befindet sich also im Unterland etwa in der Mitte zwischen Bozen und Trient. Immer als Familienunternehmen geführt, hat auch der heutige Unternehmensleiter den gleichen Namen wie der Gründer, eben: Peter Zemmer.
Tradition wird hier also großgeschrieben – und das merkt Man auch beim Giatl Pinot Grigio Riserva. Die Trauben kommen aus einer recht warmen Ecke Südtirols, aus Kurtinig. Klassisch sind es auch hier kalkreiche Böden, wie sollte es auch sonst anders sein in dieser Region, der Ausbau erfolgte für diesen Wein zusätzlich in Holzfässern.
Und das schmeckt man auch: fein-würzig mit schönen frischen Noten von Apfel und Vanille, einem vollen Körper mit dem Anspruch auf Komplexität. Klar, auch hier: ein schöner Wein für Fisch- und Meeresfrüchte; aber warum nicht auch für Gerichte mit weißem Fleisch? Gesetzmäßigkeiten, dass Weißwein immer ein Begleiter zum Fisch ist sind ja ohnehin längst passé. Stolze 14,5 Prozent Alkoholgehalt tropfen hier mit ins Glas.
Griesbauerhof Ronc 2020
Vom Griesbauerhof des Ehepaars Georg, Margareth und ihren Söhnen Michael und Lukas kommt ein Rotwein aus der Rebsorte Lagrein. Diese Rebsorte steht für kräftige und charakterstarke Tropfen, keine Frage. Und diese ist vornehmlich in Südtirol beheimatet, gehört zu einer der beliebtesten Rebsorten Südtirol seit dem Mittelalter. Es gibt Aufzeichnungen von 1379 die bereits diese Traube erwähnen.
Gerade für die höheren Lagen erscheint der Lagrein gut geeignet, weist er doch eine gute Widerstandsfähigkeit gegen Winterfrost auf. Auf einer Höhe von 300 Metern angebaut, weist der Boden unter anderem sandigen Lehm auf. Eigentlich auch ein guter Boden für Grauburgunder oder Weißen Burgunder.
Hier resultiert daraus ein Wein mit schmalen 13,5 Prozent Alkoholgehalt, zwölf Monaten im Barrique und einem Restzucker von 0,4 g/l, der dunkel und gut tanninreich daherkommt. Da diese Rebsorte exzellent mit Holz harmoniert, kommt hier das Barrique entsprechen gut zu Geltung. Aber eben auch nicht zu stark, nicht übermäßig markant. Ein Tropfen, der sich gut mit kräftigeren Fleischgerichten messen kann – oder einfach nur so im Glas genossen werden kann.
Weinland Südtirol
Die Region Südtirol ist oftmals ein eher unbekannter Gast an den Tischen, ist aber geprägt von einer großen Auswahl an Weinen. Von Chardonnay, Pinot Grigio, Gewürztraminer Sauvignon Blanc, Weißburgunder oder auch Vernatsch, Lagrein und Blauburgunder: die Rebsorten hier sind mannigfaltig. Gut 5000 Weinbauern mit einer durchschnittlichen Fläche von einem Hektar pro Betrieb sorgen für die Produktion von 64 Prozent Weiß- und 36 Prozent Rotwein. Gesamtproduktion jährlich: etwa 40 Millionen Flaschen.
Informationen:
Kellerei St. Michael-Eppan: www.stmichael.it
Weingut Peter Zemmer: www.peterzemmer.com
Weingut Griesbauerhof: www.griesbauerhof.it
Fotos: Christian Euler, Carola Faber, Griesbauerhof, Peter Zemmer, St. Michael-Eppan

