In den Achtzigerjahren wagte Franz Haas einen radikalen Schritt: neue Rebsorten, neue Lagen, neue Ideen. Heute gedeihen die Weinstöcke auf 60 Hektar zwischen 220 und 1.150 Metern Höhe in den Gemeinden Montan, Neumarkt, Truden und Aldein. Unter anderem geben die unterschiedlichen Böden, vom porphyrischen Sand bis zu kalkhaltiger Erde, den Weinen ihren Charakter. Besonders der Pinot Nero steht im Zentrum der Arbeit: Über 30 Jahre hinweg entstanden in akribischer Experimentierfreude 592 verschiedene Versionen – jede ein Versuch, das Maximum aus dieser anspruchsvollen Rebsorte herauszuholen.
Mit dem Klimawandel verlagerte Haas seine Weinberge zunehmend in kühlere Höhenlagen. Auf 1.150 Metern, eine der höchsten Weinstationen Südtirols, zeigt sich heute, wie vorausschauend diese Entscheidung war: frische, langlebige Weine mit klarer Säurestruktur und aromatischer Tiefe.
Dabei ist die Natur Teil des Konzepts, denn zwischen den Reben blühen Blumen, summen Insekten, wachsen Gräser. Auch die Kunst findet ihren Platz: Seit vielen Jahren zieren die Etiketten von Riccardo Schweizer, Weggefährte von Picasso und Chagall, die Flaschen – und machen die Weine zu kleinen Gesamtkunstwerken, die sowohl Auge als auch Gaumen berühren.
Manna – Vielschichtige Harmonie im Glas
Als Hommage an seine Frau Maria Luisa brachte Franz Haas 1995 erstmals den „Manna“ auf den Markt – einen Wein, der seither als Signatur-Cuvée gilt. Fünf Rebsorten formen sein Rückgrat: Riesling, Chardonnay, Gewürztraminer, Sauvignon und seit 2013 auch Kerner. Sie wachsen auf Böden aus Dolomit, Porphyr, Sand und Mergel, in Höhenlagen zwischen 350 und 800 Metern, jede mit ihrem eigenen Charakter.
Die Trauben werden getrennt gelesen, um ihre individuelle Reife auszuschöpfen. Chardonnay und Sauvignon dürfen teils ins Barrique, die übrigen Sorten reifen im Edelstahl. Erst dann werden sie vereint – ein bewusstes Spiel mit Gegensätzen, das nach zehn Monaten auf der Feinhefe seine Balance findet. Jung glänzt der „Manna“ in hellem Gold, mit Duftnoten von Holunder, exotischen Früchten und feinen Blüten. Mit den Jahren gewinnt er an Struktur, Eleganz und salziger Spannung.
Pinot Nero – Leidenschaft in Rubinrot
Für Franz Haas ist der Pinot Nero mehr als eine Rebsorte – er ist eine Lebensaufgabe. In Höhenlagen zwischen 350 und 900 Metern wurzeln die Reben auf unterschiedlichsten Böden, dicht gepflanzt, mit bewusst reduziertem Ertrag. Die Gärung in offenen Behältern erlaubt eine behutsame Extraktion, bevor der Wein ein Jahr in Barrique reift. Im Glas zeigt er zarte bis kräftige Rubintöne. Duftnoten von reifen Kirschen, roten Beeren und feinen Gewürzanklängen verbinden sich mit Anspielungen von Erde und Holz. Am Gaumen wirkt er frisch, geschmeidig und von eleganter Tiefe.
Pinot Nero Schweizer – ein Aushängeschild
Der „Schweizer“ ist ein Aushängeschild des Hauses Franz Haas. Die Reben wachsen in ausgewählten Lagen zwischen 350 und 700 Metern Höhe – dort, wo Mikroklima und Böden im Zusammenspiel ideale Bedingungen schaffen. Tonerde trifft auf Kalk, Sand auf Kies – ein Mosaik, das dem Wein seine Tiefe verleiht. Mit dichter Bepflanzung und bewusst niedrigen Erträgen wird kompromisslos auf Qualität gesetzt. Nach der offenen Gärung und einem Jahr im Barrique entwickelt sich ein Pinot Nero von besonderer Ausdruckskraft. In der Nase zeigt er ein dichtes Geflecht von Waldbeeren, Kirschen und dunklen Früchten, ergänzt durch Anklänge von Gewürzen, feinem Rauch, Tee und einer zarten, erdigen Note. Am Gaumen überzeugt er mit geschmeidigem Tannin, eleganter Struktur und einem langen, vielschichtigen Nachhall. Ein Wein, der Kraft und Finesse in seltener Balance vereint.
Pinot Nero „Pònkler“ – ein Solitär aus der Höhe
Der „Pònkler“ ist ein Pinot Nero von seltener Klarheit, gewachsen in einer einzigen Lage auf 750 Metern Meereshöhe. Seit dem Jahr 2000 wurzeln hier französische Klone, die eigens für kühle Höhenlagen ausgewählt wurden. Der verwitterte Porphyrboden, die Südausrichtung und die strenge Ertragsreduktion bilden das Fundament für Trauben von besonderer Ausdruckskraft. Die offene Gärung und der Ausbau in Barrique über ein Jahr schenken dem Wein Struktur, bevor er mehrere Jahre in der Flasche reift.
Im Glas betört der „Pònkler“ mit vielschichtiger Tiefe: dunkle Waldbeeren und reife Kirschen verbinden sich mit Anklängen von Gewürzen, feinem Leder und einer zarten Kräuterwürze. Am Gaumen entfaltet er sich mit fester, zugleich geschmeidiger Tanninstruktur, die ihm Eleganz und Substanz zugleich verleiht. Der Abgang ist lang, getragen von einer klaren mineralischen Ader und einer Fülle, die den Wein unvergesslich macht. Ein herausragender Pinot Nero, der Kraft, Balance und Zeitlosigkeit in sich vereint.
Informationen:
Fotos: Carola Faber

