Die Region ist geprägt von einigen historischen Schuhabdrücken, welche über die Jahrhunderte Valence zu der Stadt machten, die sie heute ist. Es ist keine Metropole, kein Ort um sich mit der neuesten Mode einzukleiden. Es ist eher die kleine Stadt, die einfach historisch schon die Geografie auf seiner Seite hatte. Handelsrouten führten von Lyon kommend in den Süden, über Avignon kamen Händler von hier direkt zum Mittelmeer.
Romanische Spuren finden sich mit der Cathédrale Saint-Apollinaire, welche wahrscheinlich das meistfotografierte Objekt in Valence ist. Allerdings hat auch Napoleon Valence seinen Stempel aufgedrückt. Er studierte an der örtlichen Militärakademie, frei nach dem Motto: vom verschlafenen Valence in die Welt.
Zu behaupten, dass die Welt auch Mal nach Valence kommt, erscheint eher übertrieben. Dennoch: Zwar nicht internationale, so dann doch überregionale Kulinarik wird hier großgeschrieben. Oder zumindest alljährlich im Rahmen des „Valence Gastronomie Festival“ hofiert und mit allerlei Gourmetkunst von regionalen Chefköchen zelebriert.
Dass diese Veranstaltung auf eine Menge Gegenliebe trifft, belegt schon die stolze Zahl von etwa 53.000 Besuchern. Damit kamen fast so viele Besucher zum Festival wie der Ort Einwohner hat. Belohnt wurden sie mit einer recht breiten Palette an Kulinarik.
Einer der angereisten Protagonisten war Richard Rocle. Dem ein oder anderen Genießer dürfte das Auberge de Montfleury in Saint-Germain ein Begriff sein. Zusammen mit Angèle Faure führt Rocle das mit einem Michelinstern prämierte Gasthaus, in welchem der Kochstil zwischen bodenständiger Landküche und zeitgenössischer Küche einzuordnen ist.
Diverse Chefköche, zumeist aus der Region kommend, zeigten an verschiedenen Stationen ihr Können. Jeweils in Gruppen geordnet um nicht unnötige Wartezeiten zu generieren, wurden die Besucher vom einen zum nächsten Stand geführt um so die kleinen Gerichte zu probieren. Jeweils begleitet mit verschiedenen Weinen eine runde Geschichte.
Doch letztendlich war dies noch lange nicht alles: Dutzende Produzenten kamen nach Valence, um ihre Produkte zu präsentieren – oder auch zu verkaufen. Unter ihnen Schokoladen- oder auch Schinkenproduzenten, ebenso wie Unternehmen, die Eis, Essig oder Öle herstellen. Ein bunter Mix erwartete die Besucher, die, bereits beim Betreten des Geländes, den vielleicht prominentesten Aussteller begrüßen konnten.
Mit einem Kastenwagen kam Anne-Sophie Pic auf das Gelände gefahren, um im Rahmen des Festivals verschiedene Kleinigkeiten an den Mann zu bringen. Tatsächlich ist die in Valence geborene und mit drei Michelinsternen dekorierte Pic ein Kind dieser Stadt. International hat die Sterneköchin schon längst für Aufsehen gesorgt. Nicht zuletzt auch durch die Geschichte ihres Restaurants, welches heute unter dem Namen Maison Pic der kulinarische Spot der Region schlechthin ist.
Bereits Anne-Sophie Pics Urgroßmutter Sophie Pic gründete 1891 das Restaurant L’Auberge du Pin, welches später an ihren Sohn ging. 1934 und 1939 konnte das Restaurant im Département Ardèche drei Michelinsterne für sich gewinnen und an die Tür nageln. Seit 1936 befindet sich das Restaurant nunmehr in Valence und erfuhr ebendort die Umbenennung in Maison Pic.
Um Pic beim Festival zu treffen, musste man wohl einen günstigen Zeitpunkt erwischen. Verfügbar am Kastenwagen war sie zumeist nicht. Aber Schwamm drüber: die Besucher freuten sich auf kleine kulinarische Spezialitäten aus den Picschen Küche wie Pain soufflé, Tomates de plein champs, Financiers pistache oder auch einen mit ihrem Namen dekorierten Cookie.
Doch Beleg dafür, dass diese Region eine ihrer Stärken im Bereich der Landwirtschaft hat, zeigt sich vor allem jenseits des Festivals. Unweit des Geländes, direkt an der Cathédrale Saint-Apolli aufgebaut, findet regelmäßig ein Markt statt, auf welchem die verschiedensten lokalen und überregionalen Produkte angeboten werden. Die unterschiedlichsten Früchte wie Pfirsiche oder auch Kirschen liegen hier auf den Tischen, neben Fleisch- und Wurstwaren, Oliven, verschiedensten Käsesorten oder auch Gemüse jeglicher Art.
Valence ist wie bereits gesagt keine große Metropole, hat aber durchaus Charme. Und wer durch die Gassen wandelt kommt vielleicht auch an einem Kunstwerk vorbei, welches man sicher nicht zwingend hierher verorten würde: eine Bronzefigur von Bruno Catalano steht recht prominent in der Fußgängerzone. Der aus Marokko stammende Künstler hat sich längst einen Namen durch seine Figurenskulpturen gemacht, welchen in der Regel verschiedenste Körperteile fehlen.
Tatsächlich wird Catalano mittlerweile exklusiv von der Galleria Ravagnan, der ältesten Galerie für zeitgenössische Kunst am Markusplatz vertreten. Schnäppchen kann man dort sicher nicht mehr machen. Schon kleinere Bronzewerke von vielleicht 30 oder 40 Zentimetern Höhe sind im mittleren bis hohen vierstelligen Bereich zu erwerben, ganze Figuren gibt es natürlich nur als Auftragsarbeit. Catalano hat sich wahrlich mit seiner Figurenkunst eine Marktlücke erschlossen. Nun, wer eines seiner Werke live sehen will: in Valence kostenlos zu bewundern…
Informationen:
Valence Gastronomie Festival: www.valenceengastronomiefestival.fr
Tourismus Ardèche: www.ardeche-guide.com
Tourismus Drôme: www.drome-tourismus.com
Fotos: Michael Schabacker











