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Supertoskaner „Fedra IGT Toscana 2020“

Hinter „Fedra“, dem Namen dieses Blends aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc, versteckt sich eine köstliche Kuriosität: Denn der Tommaso Inghirami der Renaissancezeit trug diesen Spitznamen, deutsch „Phaedra“ schon seit seinem 16. Lebensjahr. So richtig glücklich war der Hochgebildete damit allerdings Zeit seines Lebens nicht. Er hätte die Bezeichnung „Phaedrus“ bevorzugt. 1470 in Volterra geboren, wurde sein Vater, eine wichtige Stadtpersönlichkeit, schon 1472 ermordet, sodass die Familie nach Florenz floh. Dort genoss der junge Tommaso umgehend die Förderung von Lorenzo de` Medici, genannt „der prächtige“. Der hatte das intellektuelle Potential des Knaben erkannt und ihn 1483 nach Rom in die Kaderschmiede der frühen Humanisten, die 1464 gegründete römische Akademie des Julius Pomponius Laetus. Dort kam es 1486 zur denkwürdigen ersten Wiederaufführung von Senecas Tragödie „Phaedra“ seit der Antike. Inghirami spielte die Phaedra, damals nicht ungewöhnlich, doch kam es während der Aufführung zu heftigen Turbulenzen und Lärm im kollabierenden Bühnenbild, was der junge Tommaso aber durch freies Deklamieren lateinischer Verse exzellent zu überbrücken wusste. Tosender Applaus war der Dank des Publikums, das allerdings prompt auch für die lebenslängliche Bürde des Spitznamens sorgte.

Poeta laureatus, Rhetorik-Star

Inghiramis Karriere tat dies keinen Abbruch: 1493 wurde er Diakon der päpstlichen Kapelle, 1495 einer der Mitinitiatoren der Päpstlichen Universität Heiliger Thomas von Aquin (Angelicum) in Roms Santa Maria Sopra Minerva. 1496 kürte ihn Kaiser Maximilian I. beim Besuch der päpstlichen Delegation in Innsbruck postwendend zum Poeta laureatus, als er das rhetorische Talent des jungen Mannes erlebte. Dies allein wäre schon ausreichend, diesem Ahnen ein auch önologisch herausragendes Denkmal zu setzen. Doch es kam noch toller!

Raffael und ein schielender Epikur

Inghirami korrespondierte nicht nur mit den Geistesgrößen jener Zeit, mit Ariost, Pietro Bembo, Erasmus von Rotterdam oder Machiavelli. Er soll auch dafür gesorgt haben, dass Raffael 1508 nach Rom kam. Sicher ist, dass Inghirami mit Raffael das Bildprogramm der berühmten „Stanze“ in den vatikanischen Gemächern von Papst Julius II. austüftelte. Und so ist er auch auf Raffaels berühmten Fresko der „Schule von Athen“ von 1509, leibhaftig vertreten: als von einem Jüngling umarmter Epikur! Nur einige Jahre später hat Raffael ihn sogar portraitgiert: Es existieren zwei Versionen dieses Gemälde: eines, wohl das originale, im Palazzo Pitti in Florenz, eines, wohl als Kopie für die Familie gefertigt, im Isabella Stewart Gardner Museum in Boston. 

Gestaltung der Etiketten erfolgte durch den aus Sansepolcro stammenden Künstler Roberto Lanari (links). Foto: Tenuta di Grignano
Gestaltung der Etiketten erfolgte durch den aus Sansepolcro stammenden Künstler Roberto Lanari (links). Foto: Tenuta di Grignano

Besonderes Merkmal dieses Portraits eines am Schreibtisch sitzenden, nachdenkenden Humanisten: Inghirami blickt nach rechts oben – so kaschierte Raffael geschickt, das Tommaso Inghirami, damals schon gerühmter Theaterdirektor und Präfekt der vatikanischen Bibliothek, an Strabismus litt und auf dem rechten Auge mächtig schielte! Nicht genug damit: Schon 1508 hatte er einen folgenscheren Verkehrsunfall! Auf einem Esel reitend stieß er mit einem Ochsenkarren zusammen und geriet unter die Räder. Wie durch ein Wunder überlebte er und stiftete ein Ex-Voto mit diesem Vorfall, das angeblich auch Raffael malte.

Supertoskaner von Rang

Für die Klasse des neuen Supertoskaners „Fedra“ spricht indes, dass Tommaso Inghirami in späten Jahren doch recht rundlich wurde, wie sich ebenfalls aus Raffaels Portrait ersehen lässt. Und rund und hoch bewertet ist dieser auf nur zwei speziellen Hektar Weinbergen mit 20 Jahre alten Rebstöcken in 350 m Höhe entstandene Wein allemal. Doctor Wine gab der 2019er Edition schon mal 93 Punkte. Und auch dieser Jahrgang, der 18 Monate in französischen Eichen-Barriques lagerte, ehe er weitere 24 Monate in der Flasche reifte, wird diese und höhere Punktzahlen erreichen. Nur 1200 0,75-l-Flaschen und 100 Magnum-Flaschen wurden abgefüllt, ein wahrer Schatz für exklusive Sammler: Die 0,75-l-Flaschen sind nur als Dreierpack in der Holzkiste für 500 €, die Magnum einzeln für 180 Euro erhältlich. Clou der Edition ist die diesjährige Gestaltung der Etiketten durch den aus Sansepolcro stammenden Künstler Roberto Lanari. Er wählte als passendes Motiv den Elefanten, Symbol für Schönheit, Weisheit, Geduld, Edelmut, Langlebigkeit, Gefühl und Fruchtbarkeit. Zudem ist „Fedra“ auch eine Hommage an den Großvater Fabio Inghirami, dessen Unterschrift ebenfalls das Etikett ziert.

Weine, Olivenöl, Getreide und – Trüffel!

Aber natürlich ist der „Fedra“ nicht der einzige Wein von den 50 Hektar Weinbergen der einst Caterina de`Medici gehörenden Fattoria di Grignano, die, seit 2008 vollbiologisch wirtschaftend, nahe Pontassieve und nur 12 Kilometer von Florenz auch auf 100 Hektar exzellentes Olivenöl für das Konsortium „Laudemio“ sowie auf weiteren 100 Hektar auch historische Getreidesorten anbaut und 250 Hektar Wald bewirtschaftet. Dort lädt man zudem zu Trüffel- und Pilzsuche sowie Fasanen- und Hasenjagd. Seit 2018 wird massiv auch in die Cantina investiert, die der Önologe Stefano Chioccioli umsichtig führt. Als weitere Aushängeschilder fungieren hier der Chianti Rufina DOCG Riserva „Poggio Gualtieri“, der Chianti Rufina DOCG Riserva „Ritratto del Cardinale“, der ziemlich roséfarbene „IGT Toscana Bianco SPE003 R“ sowie die neue Sangiovese-Linie des „Singersangio IGT Toscana“. Perlend ist der Brut Metodo Classico „Grignano“. Ein Hit ist neben dem „Fedra“ aber der Vinsanto del Chianti.

 

Informationen:

Fattoria di Grignano: www.grignanowinery.com

Fotos: Tenuta di Grignano

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