Moose und Farne umgarnen große, bewachsene Felsbrocken – ein natürlicher Teppich in schimmernden Grüntönen. Die Baumkronen dichter Wälder strecken sich in den Himmel, während ein paar Pferde ruhig auf einer Lichtung grasen und Kühe entspannt im Gras dösen. Hier draußen, in einem fast verwunschenen Fleckchen Erde, trifft man auf eine stille Form von Luxus: Herrenhäuser, Kulturdenkmäler und außergewöhnliche Adressen sind eingebettet in die Natur, wo Kultur und Komfort auf ganz leise Art präsent sind.
Kein Straßenlärm, keine Hektik – nur das leise Rauschen des Windes in den Baumwipfeln und das Zwitschern der Vögel. Wer hierherkommt, findet nicht nur eine Landschaft wie aus dem Bilderbuch, sondern auch eine Rückkehr zu etwas, das man längst verloren glaubte: Ruhe.
Naturerlebnis in Annerstad
Prästgården Annerstad – so lautet der Name für ein kleines Paradies zwischen Wäldern und Heideflächen. Nur wenige Häuser rahmen die Kirche von 1824 ein. Bis zum Fluss Bolmån sind es nur einige Meter. Jennifer Holub und Jesper Andersen ermöglichen mit ihrem Hofladen und Café, der eigenen Brauerei sowie dem Bio-Bauernhof diverse Aktivitäten sowie inspirierende Naturerlebnisse am und auf dem Wasser. Zu den Höhepunkten dürfte auch eine Übernachtung auf dem Floß gehören.
Schlafen auf dem Floß
Mit einem alten Holzboot führt der Weg über den Fluss Bolmån, der von verwunschenen Wäldern umrahmt ist, bis zu einem Steg auf dem See Kösen. Dort ist ein Picknick mit regionalen Köstlichkeiten, Käse, Obst, Gemüse, selbst gebackener Pizza, Dips aus der eigenen Produktion, Säften und einer feinen Weinauswahl aufgebaut. „Unsere nächsten Nachbarn wohnen dort hinten, in dem gelben Haus, etwa fünf Kilometer entfernt, auf der anderen Seite des Sees“, weist Jennifer Holub auf ein kleines Licht in der Ferne. Man isst langsam, redet wenig. Weil es nichts gibt, was hier schneller sein müsste.
Und mit den Füßen im kühlen Wasser schmeckt alles ein bisschen echter. Stille und Ruhe begleiten ein fantastisches Dinner am Ende des Stegs mit Blick auf den Traumsee. Der Himmel färbt sich langsam in sämtliche gelbe und rote Schattierungen – bis zur blauen Stunde. Es gibt Nächte, die man nie vergisst – weil sie leise sind. Weil sie nach Kiefern duften und nur vom Plätschern des Wassers begleitet werden. In Annerstad, mitten im südschwedischen Småland, kann man eine solche Nacht erleben: auf einem einfachen, liebevoll gebauten Floß, das sanft auf dem See treibt. Kein Motor, kein Lärm. Nur der Himmel, der sich im Wasser spiegelt, und ein Gefühl von völliger Freiheit.
Das Floß ist mehr als eine Unterkunft – es ist ein Rückzugsort. Ausgestattet mit einer Matratze, Decken, Laternenlicht und dem Nötigsten, schläft man hier nicht einfach draußen. Man schläft mitten in der Natur. Wer früh aufwacht, hört das erste Zwitschern der Vögel und sieht den Nebel, der sich langsam vom Wasser hebt. Es sind sogar Spuren eines Elches zu entdecken. Manchmal schwimmt ein Reiher vorbei, manchmal huscht ein Fisch knapp unter der Oberfläche entlang. Alles entschleunigt.
Eintauchen in die Welt der Märchen und Legenden
Im Herzen von Sagobygden – dem „Land der Legenden“ – wird das Erzählen zur Kunst. In dem Museum, wo rund 300 Geschichten versteckt sind, werden Mythen und Märchen auf faszinierende Weise lebendig. Durch interaktive Führungen auf Deutsch, Englisch oder Dänisch wird ein Besuch zum Erlebnis. „In der Welt der Sagen findet man den Ursprung der Geschichten von Astrid Lindgren“, sagt Dörthe Drewsen und verrät, wie sie ihre besondere Erzählkunst vermittelt: „Wenn wir ein Märchen oder eine Geschichte erzählen wollen –nicht nur hier, sondern natürlich auch in Schulen oder bei Veranstaltungen – tragen wir diese nicht auswendig vor, sondern greifen die alte Tradition auf, dass jeder eine Geschichte zu seiner eigenen macht“. Der Text wird im Vorfeld mehrmals durchgelesen.
Zur Erinnerung werden Notizen oder kleine Skizzen angefertigt, damit die wichtigen Fakten im Gedächtnis bleiben. Um diese Denkhilfen herum wird die Geschichte dann vom Vortragenden selber noch einmal aufgebaut. So kann beispielsweise ein Märchen länger oder kürzer werden. Jeder hat eine eigene Art der Wiedergabe. Dörthe ist ein relativ humorvoller Mensch, das heißt selbst gruselige oder traurige Geschichten können lustige Momente enthalten. Bei einer Kollegin, die aus dem Theaterfach kommt, ist alles sehr viel dramatischer. Und so spiegelt die Wiedergabe der Geschichte häufig auch ganz bewusst die Persönlichkeit des Erzählers. „Jeder kann ein guter Erzähler sein, davon sind wir überzeugt“, betont Dörthe Drewsen.
Natur schmecken
In Stenlundens Hantverksbageri verarbeitet Caroline Davidsson regionale und biologische Zutaten in traditioneller Handwerkskunst. Mitten in der Natur können in der Bäckerei, mitten in der Natur Brote, Kuchen und saisonale Leckereien (alles ohne Zusätze) genossen werden. Wer Lust auf ehrlichen Geschmack und echte Nachhaltigkeit hat, ist hier goldrichtig
Ostkaka mit Herz
In Flattinge Gärdet befindet sich ein Geheimtipp für alle, die einen süße Spezialität Smålands schmecken wollen: Sussies Café. Hier ist die berühmte „Ostkaka“ zuhause – eine traditionelle, småländische Käsekuchenspezialität, die am besten lauwarm mit Sahne und Marmelade serviert wird. Neben hausgemachten Kuchen, Sandwiches, kleinen Mittagsgerichten und Eis ist die Atmosphäre ganz entspannt – drinnen oder draußen im Grünen mit Blick auf die Natur, wo Kinder ungestört spielen können. Die freundlichen Gastgeber plaudern gern über das Rezept und kuriose Geschichten rund um die Ostkaka.
Informationen:
Fotos: Carola Faber










