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San Antonio: Stadt zwischen Geschichte und Kulinarik

San Antonio in Texas, die zweitgrößte Stadt des US-Bundesstaates, ist wahrscheinlich einer der geschichtsträchtigsten Orte des Landes. Die Entstehung und Entwicklung der Stadt spiegelt die Vielfalt kultureller Einflüsse wider, die über Jahrhunderte hinweg zusammenwirkten: darunter spanische Kolonialherren, verschiedene indigene Gruppen, althergebrachte mexikanische Traditionen und später die angloamerikanische Expansion. Aber vielmehr ist San Antonio heute ein kulinarisches „Zentrum“ und Spiegel für eine lebendige und vielfältige Esskultur.

Kanone an der Mission „The Alamo“. Foto: Michael Schabacker
Kanone an der Mission „The Alamo“. Foto: Michael Schabacker

Die Geschichte der Stadt beginnt offiziell im Jahr 1718, als spanische Missionare und Soldaten die Mission San Antonio de Valero gründeten – besser bekannt als „The Alamo“. Sie diente zunächst als wirtschaftliches und religiöses Zentrum, in dem die indigene Bevölkerung dem christlichen Glauben zugeführt und in das koloniale System integriert wurde.

Rund um diese Mission entstanden in der Folge weitere Missionsstationen entlang des San Antonio River, die heute als UNESCO-Weltkulturerbe gelten und zu den am besten erhaltenen spanischen Kolonialanlagen Nordamerikas zählen. Teile der alten Anlage befinden sind im Zentrum der Stadt und sollten bei einem Besuch unbedingt besichtigt werden. The Alamo ist amerikanische Geschichte pur.

Statue von James Bowie in der Nähe der Mission. Foto: Michael Schabacker
Statue von James Bowie in der Nähe der Mission. Foto: Michael Schabacker

Wendepunkt in der Geschichte San Antonios war sicher das Jahr 1836, als sich in der Alamo-Mission ein Kampf zwischen texanischen Unabhängigkeitskämpfern und der mexikanischen Armee entbrannte. Obwohl die Verteidiger der Alamo unterlagen, wurde der Widerstand zu einem Mythos, der den späteren Sieg der Texaner gegen Mexiko inspirierte. Und irgendwie bildet dieser Konflikt bis heute einen zentralen Teil des regionalen Selbstverständnisses. 

Entlang des Flusses werden bereits Tage vorher Stühle für die Besucher aufgestellt. Foto: Michael Schabacker
Entlang des Flusses werden bereits Tage vorher Stühle für die Besucher aufgestellt. Foto: Michael Schabacker

Nach dem Anschluss an die Vereinigten Staaten im Jahr 1845 entwickelte sich San Antonio schnell zu einer kulturellen Drehscheibe an der Grenze zwischen angloamerikanischer und hispanischer Welt. Die Stadt wuchs entlang des gleichnamigen Flusses, der heute als „River Walk“ mit seinen Uferpromenaden, Restaurants und Brücken das touristische Herzstück San Antonios darstellt. Die Anlage dient alljährlich auch für verschiedene Veranstaltungen wie die Texas Cavaliers River Parade.

Zu dieser Veranstaltung, die jährlich im April oder Mai stattfindet, ist buchstäblich die ganze Stadt auf den Beinen. Besucher kommen von weit her um die bunt geschmückten Boote und Festwagen, welche sich durch den Fluss und die Straßen schlängeln, zu sehen und zu feiern. Entstanden ist diese Parade bereits im Jahr 1941, begann als kleine Veranstaltung und ist heute vielleicht die bedeutendste Veranstaltung San Antonios. Alljährlich kommen 250.000 Leute in die Stadt um die Paraden zu sehen.  

Bis zu 250.000 Besucher kommen alljährlich nach San Antonio zur Parade. Foto: Michael Schabacker
Bis zu 250.000 Besucher kommen alljährlich nach San Antonio zur Parade. Foto: Michael Schabacker

Tex-Mex-Küche

Die kulturelle Vielfalt San Antonios zeigt sich besonders eindrucksvoll in der kulinarischen Tradition. Die Stadt ist der Geburtsort der Tex-Mex-Küche, einer kulinarischen Fusion aus traditionellen mexikanischen Gerichten und Zutaten, kombiniert mit Einflüssen aus dem restlichen Amerika. Enchiladas, Chili con Carne, Flautas, Tacos mit geschmolzenem Käse oder der „Breakfast Taco“ sind hier nicht nur Klassiker, sondern gehören zum alltäglichen Lebensgefühl und sind annährend überall zu bekommen.

Gleichzeitig hat San Antonio eine tief verwurzelte mexikanische Streetfood-Kultur: Tamales, Elotes, Barbacoa oder frisch zubereitete Tortillas sind ebenfalls nahezu überall zu finden – von kleinen Taquerías bis zu modernen Foodtrucks.

Klassische Tex-Mex-Küche schon zum Frühstück. Foto: Michael Schabacker
Klassische Tex-Mex-Küche schon zum Frühstück. Foto: Michael Schabacker

Creative City of Gastronomy

In den vergangenen Jahren hat sich zudem eine dynamische Feinschmecker-Szene entwickelt, die lokale Traditionen mit internationalen Trends kombiniert. San Antonio wurde im Jahr 2017 als erste Stadt in Texas von der UNESCO zur Creative City of Gastronomy ernannt.

So verbindet San Antonio auf einzigartige Weise die Spuren seiner Vergangenheit mit einer lebendigen und kulinarischen Gegenwart. Die Restaurant Szene hat in San Antonio allerdings nicht nur die traditionellen Gerichte zu bieten, viel mehr hat sich eine mittlerweile große Gourmetszene entwickelt. 

Empfangsbereich des Michelin Restaurants „Mixtli“. Foto: Michael Schabacker
Empfangsbereich des Michelin Restaurants „Mixtli“. Foto: Michael Schabacker

Mit dem Nicōsi, welches den Themen sauer, umami, bitter und süß folgt, dem Isidore, welches unter anderem frittierte Popcorn-Hähnchen mit Popcorn-Aioli und Velouté bietet und dem Mixtli, welches sich der Mexikanischen Küche verschreibt, haben mittlerweile drei Restaurants den begehrten Michelin-Stern an der Tür.

Auch im Bereich des „Bib Gourmand“ sind bereits fünf Restaurants gelistet, klarer Belge dafür, dass nicht nur Tex-Mex diese Stadt kulinarisch bestimmt. Für alle Gourmets kann demnächst also auch Mal San Antonio in Texas auf der Reiseliste stehen…


Informationen:

www.texascavaliers.org/river-parade

Foto: Michael Schabacker

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