Foodie

Pionier und Innovator des Wiener Weins

Als Sohn einer Winzerfamilie waren seine Wege eigentlich schon recht früh vorbestimmt. Und bereits 1987 übernahm Fritz Wieninger als 21-Jähriger nach der Ausbildung an der Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau und einem Auslandsaufenthalt das elterliche Weingut. Wie innovativ und ideenreich er bereits zu Beginn seiner Karriere als Weinmacher war, belegt die erste recht frühe Auszeichnung. Gerade Mal drei Jahre nach Übernahme des Weinguts verlieh ihm das Falstaff Magazin die Urkunde zum „Winzer des Jahres“.

Fritz Wieninger. Foto: Michael Schabacker
Fritz Wieninger. Foto: Michael Schabacker

Und dies zu einer Zeit, welche geprägt war von Skepsis, ja, fast Verachtung. Gerade zwei Jahre vor der Übernahme des Weinguts lag der österreichische Weinbau faktisch am Boden. „Das große Panschen“ von Millionen Litern Wein erfasste gerade erst die Industrie der Alpenrepublik. Hörte man irgendwo „Wein aus Österreich“, war dies gleichbedeutend mit den Begriffen „Glykol“ oder „Giftmischer“. Zwar forderte der Weinskandal keine direkten Todesopfer, er schädigte dennoch die österreichische Weinindustrie über Jahre, wenn nicht gar Jahrzehnte.

Eine Herkules-Aufgabe stand also dem jungen Winzer in den 1980er und 1990er Jahren bevor. Wie bravourös er die Panscher-Klippen meisterte, belegt der heutige Erfolg Wieningers. Doch natürlich war dies kein Selbstläufer. Dem Frostschutzmittel-Skandal entkommen hieß: neue und hohe Qualitätsstandards setzen und moderne Weinbereitungstechniken schaffen. Darunter fielen auch Wege der temperaturkontrollierten Gärung und der Barrique-Ausbau, Maßnahmen, die das internationale Ansehen wieder stiegen ließen. 

Stahltanks und Amphoren im Weingut. Foto: Michael Schabacker
Stahltanks und Amphoren im Weingut. Foto: Michael Schabacker

Seit 2008 setzt Wieninger konsequent auf biodynamische Bewirtschaftung. Und dies scheint sich in allen Belangen bezahlt zu machen. Stets gepaart mit „Respekt, der für uns ein Qualitätsideal ist für Produkte, Prozesse in der Landwirtschaft und auch für alle persönlichen Lebensbereiche, sind wir ständig auf der Suche nach höchster Qualität“, so Wieninger. Es sind eingeschlagene Wege der Nutzung biologischer Vielfalt, Einsatz von Humus, Begrünung zur Erhaltung der Fruchtbarkeit der Böden und der Einsatz von Nützlingen wie Würmern, Ameisen, Bienen oder auch Marienkäfern die sich als Grundlage des biodynamischen Weges als Erfolg darstellen.

Das Resultat aus all diesen Ansätzen und Maßnahmen sind ausgewogene und charakterstarke Weine. Der „Wiener Gemischter Satz“ zeigt vielleicht am besten, wie verschiedene Rebsorten gemeinsam wachsen, gelesen und vinifiziert werden können. Diese Weine sind vielschichtig und zeigen ganz besonders eindrucksvoll die gegebenen Terroir-Eigenschaften. 

Verschiedene Weine Wieningers. Foto: Michael Schabacker
Verschiedene Weine Wieningers. Foto: Michael Schabacker

Der 2024er als „Einstiegswein“ weist schon schöne Fruchtaromen aus, kommt recht vielschichtig daher. In der „höheren“ Klasse steht mit dem Wiener Gemischter Satz Nussberg DAC dann schon ein vielfältigerer Wein parat um zu überzeugen. Man vernimmt Mango, Apfel und Walnuss mit Zitrone – ein schöner Wein, der durch Gewürztraminer und Riesling charakterstark in die Gläser kommt.

Keine Frage, für diese Art Weine steht das Weingut, was allerdings nicht bedeutet, dass nicht auch andere Weine von Wieninger für die Charakteristik der Weinregion stehen. Ganz im Gegenteil. Der Chardonnay 2022 (schön komplexes Bouquet, feine Gewürznoten) oder auch der Pinot Noir 2019 überzeugen vollends. Letzterer ist als „Grand Select“ ein kleiner Alleskönner: tolle Traube, feine Aromatik, schöne Säure, wenig Restsüße; einsetzbar zu allen Fleischgerichten – oder einfach nur so, um den Abend zu genießen. Die Trauben kommen aus den Toplagen des Hauses. 

Auch im Sortiment: Säfte. Foto: Michael Schabacker
Auch im Sortiment: Säfte. Foto: Michael Schabacker

Wer sich einmal durch das Regal im Weingut probieren möchte, sollte sicher auch Mal bei den Rieslings Ried Rosengartel oder Ried Preussen verharren – für alle Freunde dieser Rebsorte eine Empfehlung. Nicht zuletzt mit diesen Weinen erarbeitete sich Wieninger weltweite Anerkennung – mittlerweile exportiert er in mehr als 40 Länder, seine Weine stehen in diversen Spitzenrestaurants dieser Welt. Und dies absolut zu Recht!

 

Informationen:

www.wieninger.at

Fotos: Michael Schabacker

Teilen: