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Mitten in der Stadt, mitten im Verborgenen

Am frühen Morgen liegt der Außenpool noch im Schatten der alten Bäume. Erst nach und nach fällt das Licht durch die Äste und zieht helle Flecken über das Wasser, an dessen Rand ein Magnolienblatt langsam vorbeitreibt. Eine Amsel bewegt sich im Gebüsch, sonst bleibt es still. Dass hinter der Gartenmauer längst die ersten Cafés öffnen und die Lauben nur wenige Schritte entfernt sind, lässt sich kaum glauben.

Der Garten bleibt auch im Park Spa gegenwärtig. Er verteilt sich über drei Etagen und lebt weniger von seiner Größe als vom Wechsel aus Wärme, Licht und Aussicht. Vom Innenpool führt das Wasser hinaus ins Freie, wo der helle Naturstein unter den Füßen warm geworden ist, während hinter den großen Scheiben Zweige im Wind schwanken und das Licht zwischen den Blättern wandert.

2.000 Quadratmeter Park Spa, und man will gar nicht mehr raus. Foto: Andreas Bienert
2.000 Quadratmeter Park Spa, und man will gar nicht mehr raus. Foto: Andreas Bienert

Erst oben im Dachgarten tritt das dichte Grün zurück. Über den Baumkronen erscheint die Meraner Bergwelt, hell vor dem Himmel und überraschend nah, und in der Mountain View Bio Sauna lässt sich der Blick lange zwischen Wolken und Gipfeln treiben, während hinter dem Rücken leise das Holz arbeitet.

Das Grün mittendrin

Wer später durch den Park geht, versteht, warum Meran hier so vollständig verschwinden kann. Zehntausend Quadratmeter liegen hinter dem Hoteltor, mit Himalaya-Zedern, japanischen Ahornen und Kamelien, dazwischen ein Teich, eine kleine Kapelle und Sitzgelegenheiten, die oft erst auffallen, wenn man beinahe an ihnen vorübergegangen ist.

Der hölzerne Steg verbindet verschiedene Ebenen des Hauses. Foto: Andreas Bienert
Der hölzerne Steg verbindet verschiedene Ebenen des Hauses. Foto: Andreas Bienert

Unter den alten Bäumen bleibt die Luft auch an warmen Tagen kühl. An einer Stelle riecht es nach Lavendel, ein paar Schritte weiter nach feuchter Erde und Moos, dann wieder nach Stein, der seit Stunden in der Sonne liegt. Was den Garten unverwechselbar macht, verdankt er den Menschen, die ihn seit Generationen pflegen und weiterentwickeln.

Sissi und die alten Bäume

Sissi Amort-Ellmenreich kennt vermutlich jeden dieser Gerüche. Sie führt das Mignon gemeinsam mit ihrem Sohn Philipp; mit ihm ist inzwischen die vierte Generation im Haus. 

Gastgeberin Sissi Amort-Ellmenreich mit ihrem Hund im Park des Mignon. Foto: Hotel Mignon Meran Park & Spa
Gastgeberin Sissi Amort-Ellmenreich mit ihrem Hund im Park des Mignon. Foto: Hotel Mignon Meran Park & Spa

Wenn sie durch den Garten geht, grüßt sie einen Gast, bleibt zwischen den Bäumen stehen und erzählt von einer Zeder, als spräche sie von einem älteren Familienmitglied. „Dieser Garten ist das Herzstück“, sagt sie. „Er ist der Grund, warum Gäste kommen, und der Grund, warum sie wiederkommen.“ Die Silhouetten der alten Bäume hat sie auf die Lesezeichen des Hauses drucken lassen. Die Idee erzählt viel über diesen Ort. Der Park ist kein hübscher Hintergrund, sondern gehört zur Familie, zu den Erinnerungen der Stammgäste und zu einer Geschichte, die mit Sissis Urgroßmutter Zenzi Glatt begann.

Ein Haus, das weitergewachsen ist

Als Zenzi Glatt 1948 die Pension Mignon übernahm, bot sie Buttermilchbäder, Schwitzkuren und Unterwassermassagen an – lange bevor daraus ein festes Wellnessprogramm wurde. Maria Schell und Ezra Pound gehörten zu den Gästen jener Jahre, und aus der Pension wuchs nach und nach ein Hotel; später kamen mit der Residence Désirée und dem Jugendstilhotel Adria weitere Häuser in Meran hinzu.

Kräftige Farben, ein schwarzer Flügel und Möbel aus unterschiedlichen Jahrzehnten geben dem Salon seine fast private Atmosphäre. Foto: Birgit Werner
Kräftige Farben, ein schwarzer Flügel und Möbel aus unterschiedlichen Jahrzehnten geben dem Salon seine fast private Atmosphäre. Foto: Birgit Werner

Sissis Urgroßmutter war nicht nur Gastgeberin, sondern auch Künstlerin. Ihre Bilder hängen noch heute dort, wo Gäste lesen, sich unterhalten oder nach dem Abendessen sitzen bleiben. Ihr Gespür für Bilder und Räume ist im Haus geblieben. Die Kunst gehört zu den Räumen wie die Möbel, die Bücher und all die Dinge, die im Laufe der Jahre ihren Platz gefunden haben. Wer vom Salon weiter in die Lobby geht, begegnet dort einer jüngeren Fortsetzung dieses Gedankens. 

Über dem Raum schwebt die goldene Pendelleuchte „Aria“, die Zaha Hadid für Slamp entwarf. Sissi erzählt, es sei die letzte Arbeit der Architektin gewesen, die sie persönlich für das Mignon erwarb, und während sie nach oben blickt, spürt man, dass ihr weniger die Seltenheit des Stücks bedeutet als die Freude darüber, dass es hier seinen Ort gefunden hat. 

In den Glasflächen der Lobby vervielfacht sich der goldene Schein der „Aria“. Foto: Birgit Werner
In den Glasflächen der Lobby vervielfacht sich der goldene Schein der „Aria“. Foto: Birgit Werner

Seit 2025 verbindet ein heller Mitteltrakt das Haupthaus mit der Park Villa. Lobby, Bibliothek, Bar und Bistro liegen darin nebeneinander, ohne nach einem einzigen Einrichtungskonzept auszusehen. Vielleicht erinnert das Mignon gerade deshalb weniger an ein klassisches Fünf-Sterne-Hotel als an eine große Villa, die über Generationen weitergestaltet wurde. Auf die Frage, warum sie selbst hier ein Zimmer nehmen würde, muss Sissi nicht lange überlegen. „Es ist der Garten. Aber auch, weil es nicht wie ein Hotel von der Stange eingerichtet ist. Und wegen der Menschen, die hier arbeiten. Sie sind herzlich und schon lange im Haus. Das spüren die Gäste sofort.“

Südtirol, von Hand gemacht

Am Abend verlagert sich das Leben auf die Terrasse und ins Restaurant, das auch Gästen offensteht, die nicht im Hotel wohnen. 

Zwischen warmem Licht und dem Grün des Gartens wirkt der Speisesaal wie ein großzügiges Esszimmer. Foto: Birgit Werner
Zwischen warmem Licht und dem Grün des Gartens wirkt der Speisesaal wie ein großzügiges Esszimmer. Foto: Birgit Werner

Seit zwanzig Jahren prägt Hanspeter Humml die Küche des Hauses. Der Südtiroler Küchenmeister hält am Handwerk fest, ohne überlieferte Gerichte nur deshalb unverändert zu lassen, weil sie immer schon so gekocht wurden. Ihn fasziniert es, alte Kochkunst neu zu interpretieren.

Bei den hausgemachten Pici mit frischen Pfifferlingen braucht es dafür keine weitere Erklärung. Die Nudeln haben kräftigen Biss, die Pilze schmecken erdig und leicht pfeffrig, während die Sauce sich zurückhält. Hummls Küche bleibt in Südtirol verwurzelt, wirkt dabei aber weder schwer noch bemüht traditionell. Vieles entsteht von Hand, und Kräuter aus dem Garten finden ihren Weg in die Küche.

Die Frühstücksterrasse liegt unmittelbar am Park, geschützt vom Blätterdach der alten Bäume. Foto: Andreas Bienert
Die Frühstücksterrasse liegt unmittelbar am Park, geschützt vom Blätterdach der alten Bäume. Foto: Andreas Bienert

Am nächsten Morgen zieht der Duft von Butter und warmem Gebäck über die Terrasse. Auf den Tischen stehen Marillenmarmelade und frisches Brot, während das Licht langsam durch die Zedern wandert. Die Stadt ist längst wach, doch im Garten ist davon noch immer wenig zu spüren.

Vom Glück, mittendrin zu sein

Vor den Toren des Hotels beginnt fast unmittelbar das pulsierende Stadtleben. Wenige Minuten später steht man unter den Lauben, sitzt im Café oder folgt Sissis Empfehlung hinauf auf den Tappeinerweg, wo Agaven und Palmen vor den Bergen wachsen und zwischen warmen Steinmauern immer wieder Merans Dächer auftauchen.

Entlang der Passer führt die Golfpromenade durch üppiges Grün hinauf zum Tappeinerweg. Foto: Andreas Bienert
Entlang der Passer führt die Golfpromenade durch üppiges Grün hinauf zum Tappeinerweg. Foto: Andreas Bienert

Auch der Golfclub Lana liegt nah genug für einen erlebnisreichen Tag im Grünen. Die Fahrt führt durch Apfelwiesen und Weinberge hinaus ins Etschtal, bis sich der Platz ruhig zwischen Obstgärten und Bergen öffnet. Schon der Weg dorthin gehört ein wenig zum Ausflug und passt zu einem Haus, von dem aus vieles erreichbar ist, ohne dass man dafür weit fahren müsste.

Das Besondere am Mignon liegt vielleicht genau darin: Nach einem Tag in Meran sitzt man wieder im Garten, das quirlige Leben der Stadt noch im Kopf, und blickt auf die Berge, als läge alles weit entfernt. Vielleicht ist es gerade diese Nähe zu allem, die das Haus so besonders macht.


Informationen: 

Hotel Mignon Meran: www.hotelmignon.com/de/home

Hotel Adria Obermais: www.hotel-adria.com/de

Residence Désirée: www.desireemeran.com/de

Der Tappeinerweg und Golfpromenade: www.suedtirol.info

Golfclub Lana: www.golfclublana.it/de

Fotos: Andreas Bienert, Birgit Werner, Hotel Mignon Meran Park & Spa 

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