Vom Parkhaus in der Via Giuseppe Mazzini aus gelangt man bequem zu Fuß in die Altstadt. Imposant ist das alte manieristische Gebäude der Pescherie, die 1536 im Auftrag der Gonzagas an einer der Hauptverkehrsadern der Stadt, nah am Wasser erbaut wurde und dem Handel mit Fisch diente. Die auch als Loggia di Giulio Romano bekannte, nach dem Hofarchitekten benannte Halle wurde kürzlich restauriert und heute findet hier der Fischmarkt statt. Angeboten werden u.a. luccio (Hecht), kleine Süßwasserfische, zum Frittieren oder für das Risotto col pesciolino sowie andere traditionelle, typische Fischgerichte Mantuas. Von der Brücke der Pescherie hat man einen romantisch schönen der Blick auf den Wasserweg „Rio“, der den Oberen See und den Unteren See verbindet. Weiter geht’s auf der Via Giustiziati bis zur Piazza delle Erbe.
Als erstes an der großen Piazza steht die älteste Kirche Mantuas, die von Mathilde von Canossa im späten 11. Jahrhundert im romanischen Stil erbaute Rotonda di San Lorenzo. Sie erinnert an das Heiligtum, die Grabeskirche in Jerusalem. 1579 geschlossen, wurde die Kirche Jahrhunderte später restauriert und seit 1926 wieder genutzt. Als Mantua eine freie Gemeinde war wurde 1250 am Ende der Piazza der Palazzo della Ragione, Sitz der Justizverwaltung errichtet auch als Broletto bezeichnet. Später kamen die Arkaden hinzu, die kleine Handwerksläden beherbergten.
Ein großes Glück, dass man die „Camera degli Sposi“, das berühmte von Mantegna ausgemalte sogenannte Hochzeitszimmer und andere Kunstwerke im Palazzo Ducale auch ohne vorgebuchtes Zeitfenster-Ticket sehen kann. Der an der Piazza Castello gelegene Palast markiert den Übergang der freien Gemeinde zum Herrschaftssitz der Herren von Mantua. Er wurde auf einer großen Fläche vom 13. bis zum 18. Jahrhundert. errichtet, umfasst ca. 1000 Räume. Seit 1308 residierten dort erst die Familie Buonacolsi im Palazzo del Capitano, dann die Gonzagas. Sie bauten das Castello di San Giorgio und die Palastkirche Santa Barbara. Ihre Herrschaft endete 1707.
Bemerkenswert beim Rundgang ist die Scalone di Enea (Treppe des Aenmeas), die Giovanni Battista Bertani erbaute, um das Castello di San Giorgio mit dem Salone di Manto im Neuen Hof (Corte Nuova) des Palastes zu verbinden. Die Wände und Gewölbe der großen Freitreppe zeigen Fresken mit Szenen aus dem Leben des trojanischen Helden Aeneas aus Vergils gleichnamigem Meisterwerk.
Rigoletto, der Hofnarr von Mantua
Gegenüber dem Haupteingang zum Palast, an der Piazza Sordello 23, steht die Casa di Rigoletto (Haus des Rigoletto), es ist ein ehemaliges Pfarrhaus. Im kleinen Garten des Hauses ist eine Bronzestatue des Hofnarren Rigoletto aufgestellt, geschaffen hat sie 1978 der Bildhauer Aldo Falchi (1935 – 2020). Im Szenenbuch von 1851 der ersten Oper von Giuseppe Verdi, die seinen Ruhm begründete, wurde die fiktive Casa Rigoletto vom 12. bis 15. Jahrhundert erbaut, Heim des imaginären Buffo Rigoletto. So entschied die Stadt Mantua die moderne Bronzestatue im grünen Innenhof der Tourismusinformation mit Ausstellungsraum zu platzieren. Lustiges Detail: am Narrenstab der Bronzefigur ist ein Spiegel eingebaut, in dem der Narr sich wie bei einem Dauer-Selfie immer sehen kann.
Neben der Casa di Rigolette liegt die Kathedrale von San Pietro, die 1756-1761 entstand. Der obere Teil der Hauptfassade ist aus Carrara-Marmor mit Kreuz und Statuen der Heiligen Petrus und Paulus. Der Kampanile (Glockenturm) ist romanisch, während die Fassade an der Südseite mit Giebeln und kleinen Türmchen aus dem 15. Jahrhundert stammt. Von dem sonnenbeschirmten Caffetteria La Ducale auf dem Platz fällt der Blick wahlweise auf die Fassade des Palazzo Ducale oder des Doms oder die zum Café gehörende Bäckerei La Ducale.
Teatro Bibiena: Barock vom Feinsten
Für freudige Überraschung sorgt das barocke Teatro Bibiena Scientifico, benannt nach dem Architekten Antonio Galli Bibiena. Der Grundriss entspricht einer Glockenform. Geplant für Konzerte und wissenschaftliche Veranstaltungen hat es 338 Sitzplätze. Im Foyer steht eine Büste des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart, geschaffen vom lokalen Bildhauer Andrea Iori. Am 16. Januar 1770, vier Wochen nach der Eröffnung, spielte der dreizehnjährige Virtuose Wolfgang Amadeus Mozart hier im Theater auf. Erst begleitete er einen Sänger am Klavier, dann präsentierte er seine ersten beiden Symphoniekompositionen. Das Publikum lag ihm zu Füßen. Vater Leopold pries in seinen Briefen, ganz Businessman, die einzigartige Schönheit und Eleganz des italienischen Theaters, das seinesgleichen in Europa nicht fände.
Villen im Süden der Stadt
Architektur im Stil des Manierismus bietet der Palazzo Te. Sein Name geht auf die Insel Isola del Teieto zurück, die früher an diesem Ort existierte. Der Palast wurde 1524 – 1534 vom Architekten Giulio Romano (1499 – 1546) als stadtnahe Villa für Federico II. Gonzaga realisiert. Heute wird der Palast als Museo Civico (Stadtmuseum) und als Internationales Zentrum für Kunst und Kultur genutzt. Nach dem Besuch lädt der Chiosco Noma im weitläufigen Park mit altem Baumbestand zum Verweilen ein. Der beliebte Kiosk mit kleinem Biergarten ist bekannt für seine Piadinas (Fladenbrot gefüllt mit Frischkäse, Prosciutto und Rucola) besonders guten Spritz sowie exzellenten Café.
Ludovico III Gonzaga schenkte seinem Hofmaler Mantegnas ein Grundstück im Süden der Stadt. Ab 1476 baute dieser sich hier eine Villa im Stil der Renaissance. Außergewöhnlich ist der quadratische Grundriss und der kreisförmige Innenhof der Casa del Mantegna. Mantegna lebte hier bis 1502. Seit 1974 wird das Haus für Kultur und Ausstellungen genutzt.
Lokale Spezereien im Zentrum der Altstadt
An dem alten Marktplatz, der Piazza delle Erbe (Platz der Kräuter) und der Piazza Broletto (Rathaus) reihen sich die Fachgeschäfte, Cafés und Restaurants, wahre Showcases mantoveser Köstlichkeiten. Traditionell würzig Salziges wie die Salame Mantovano, die lokale Salami bietet die Salumeria sowie „Ravioli alle Erbe“ oder „Tortelli di Zucca“. Sie werden mit Salbeibutter und Käse serviert. Teigwaren, Eingelegtes – top sind die in Weckgläsern präsentierten Mostarda di Mantova (Kandierte Früchte, u.a. Kirschen, Feigen, Cedro-Zitronen, Clementinen in einem scharfen Senfsirup) – und Kuchen kann man bei Scaravelli kaufen. Ihre Forneria bietet den Klassiker „Torta Sbrisolona“, ein knuspriger, mandelhaltiger Streuselkuchen. Andere „Casa de pane“ und „Pasticherria“ am Platz präsentieren ihre Version und das Gebäck „L´Anello di Monaco“.
Es wurde im 18. Jahrhundert von Konditormeistern aus München in die Stadt der „Herren von Mantua“ gebracht und kam bei den Gonzagas an Festtagen, Weihnachten und Neujahr auf den Tisch. Der Kuchen in Form eines Kringels mit einer Füllung aus Walnüssen, gehackten Mandeln und Zucker, wird nach dem Backen mit Marmelade gefüllt und einer Glasur garniert. Heute schmücken die „Kringel-Ringe aus München“ natürlich neue sophisticated Toppings. Sehr dekorativ ist die „Torta delle rose“, ein weiteres traditionelles Gebäck aus Mantua. Es handelt sich um eine Art Brioche, die mit einer Butter-Zucker-Creme gefüllt ist. Der Name rührt daher, dass der Teig, nachdem er gerollt, gefüllt geschnitten, so in die Backform gelegt wird, dass er gebacken an einen Korb voller Rosenblüten erinnert. Üblicherweise wird die Rosentorte zum Muttertag zubereitet.
Zum Mittagessen ideal sind die im Arkadengang gelegenen kleinen Restaurants am Broletto: zu empfehlen saftig und sehr schmackhafte große Bruschetta, z. B. Stracchino oder Parmigiana für je 13 Euro.
Informationen:
Mantua Stadt www.mantova.com/turismo-a-mantova
Mantua und Umgebung www.turismo.mantova.it/risorse-turistiche
UNESCO Welterbe Sabbioneta-Mantua: www.mantovasabbioneta-unesco.it
Casa del Mantegna: www.casadelmantegna.it/benvenuti-alla-casa-del-mantegna.html
Kulinarisches/Süßes: www.turismo.mantova.it/cosa-mangiare?cat=1001&page=1
Mantua Küche und Rezepte: www.mantova.com/ricette-mantovane
Delikatessen www.scaravelli.it/forneria/shop/i-dolci-tipici-mantovani
Kiosk-Bistro Chiosco Noma www.coffeeland.ch/en/Italy/coffee/chiosco-noma-commessaggio-11418
Fotos: Ellen Spielmann

