2024 ging das Familientrio in sich und überdachte die bisherigen Konzeptionen, mit denen das Weingut Weltruf erlangte. Aber die Evolution des Denkens und der Menschen samt ihrer Kommunikation, aber auch innovative Methoden der Weinherstellung verlangten eine Neupositionierung dieses weit über Umbrien hinaus bekannten Weinguts. Heraus kamen drei neue stilistische Dimensionen, die zukünftig Lungarotti bestimmen sollen: Geschmack, Design und Kommunikation!
Zukünftig wird es Weine mit einer klaren, frischeren Sortencharakteristik, geben die aus Sangiovese und Trebbiano gewonnen werden. Heute werden die Trauben früher gelesen und vinifiziert, so kommen die Eigenschaften des Terroirs besser zur Geltung. Längere Lagerung auf der Feinhefe bei den Weißweinen und niedrigere Gärtemperaturen kommen hinzu.
Schließlich entschloss man sich zum Etikettenwandel! Emblematisch dafür stehen die zwei ikonischen Weine des Hauses, der Rubesco und der Torre di Giano! Sie erhielten ein neues, zeitloses Etikettendesign, das sich an den Anfängen des Gutes im Jahr 1962 und an den Visionen des Gründers Giorgio Lungarotti und seiner Gattin Maria Grazia orientiert. Dabei geht es längst nicht nur um die neu Namensgebung der Ikonenweine, die nun als „Rubesco 62“ bzw. „Torre di Giano 62“ firmieren.
Slow Life in Umbrien
Der gesamte strategische Wandel soll sich in den kommenden drei Jahren vollziehen und umfasst auch die intensive Integration des langsamen umbrischen Lebensstils, mit dem sich die Lungarottis eng verbunden fühlen. Chiara Lungarotti bringt die neue Unternehmensmaxime auf den Punkt: „Das Leben entschleunigen – und die umbrische Lebensart in die Welt tragen.“ Und weiter: „Ein Weg voller Klarheit, Eleganz, Authentizität und tiefer Verbundenheit mit dem Land. Als Unternehmen, als Familie, als Botschafter einer einzigartigen Region fühlen wir uns verpflichtet und sind stolz darauf, unser Land international zu vertreten. Und wir tun dies mit dem, was uns am besten repräsentiert: einem Wein, der die Zeit überdauert und den Menschen im Hier und Jetzt anspricht.“
Fulminanter Rubesco 62
Dass der Rubesco 62 diese Anforderungen mit Leichtigkeit erfüllt, beweist schon seine apostrophierte Lebensdauer von bis zu 50 Jahren. Erfunden hat den Namen Rubesco seinerzeit Maria Grazia Lungarotti – er bedeutet in etwa“ vor Freude errötend“ und leitet sich vom lateinischen „rubescere“, „erröten“ ab! Nun, es ist ein dynamischer Wein mit Sangiovese-trauben aus den allerbesten Lagen, ein Torgiano DOC mit Frische, Frucht, Tiefe und Eleganz, mit Aromanuancen von Veilchen, Kirsche und sogar Blutorange.
Er passt ideal etwa zu Gänseleberterrine, zu Tagliatelle mit Leberragout, zu Perlhuhn oder umbrischem Schweinefleisch des berühmten Porco Cintorello Orvietano. Neu ist, dass die Lungarotti nun auch Musik und Film zum Wein empfehlen. Wohl ein Tribut an die jüngere Generation. In diesem Fall symbolisieren Adriano Celentanos Song „Pregherò“ („Stand by me“) von 1962 und der 1966 edierte Film „Fumo di Londra“ von Alberto Sordi, die besondere Weinqualität. Als besonderer Spitzenwein gilt zudem der Rubesco Riserva, dessen Trauben ausschließlich vom Weinberg Vigna Monticchio in Torgiano stammen – einer der besten Roten Italiens!
Gesamtkunstwerk Lungarotti
Lungarotti- das bedeutet heute 201 Hektar Weinberge: 185 in Torgiano sowie seit 2000 weitere 16 Hektar in Montefalco, wo seit 2010 ausschließlich voll biozertifizierte Weine hergestellt werden. Ein Muss dort: der Montefalco Sagrantino! Wer in Torgiano, einem der schönsten Dörfer Italiens, einen Stopp einlegt, kann im gutseigenen Agriturismo Poggio alle Vigne, einem Landgutshaus aus dem 17. Jahrhundert, übernachten, im Dorf die zwei grandiosen, von Maria Grazia Lungarotti initiierten Museum zur Geschichte des Weins (MUVIT) und Geschichte der Oliven und ihres Öls (MOO) bewundern und schließlich gegenüber dem Weinmuseum in der Osteria del Museo vorzüglich speisen.
Dort oder besser noch in der Enoteca der Cantina, wo ebenfalls ein neuer Restaurantbetrieb aufgebaut wurde, kann man sich zur Gutsbesichtigung oder zur Degustation treffen. Unübersehbar an der Einfahrt zur Cantina steht der sieben Meter hohe Obelisk „Triple Twist“ der US-Künstlerin Beverly Pepper – nicht zu verfehlen!
Neben dem Rubesco 62 sollte in jedem Fall auch der San Giorgio Umbria Rosso IGT, ein Blend aus Cabernet Sauvignon und Sangiovese, verkostet werden. Bei den Weißen weit vorn liegt natürlich der Torre di Giano 62 Bianco di Torgiano DOC samt dessen Riserva, der Torre di Gian o Vigna Il Pino, ein Pionier unter den holzgereiften Weißweinen Italiens.
Aber auch der goldgelbe Aurente, ein Chardonnay di Torgiano DOC, findet seine Liebhaber. Lungarotti exportiert heute in mindestens 43 Länder, vergisst dabei aber auch die Jugend nicht. Zu günstigen Preisen neuediert wurden der L`U Umbria IGT Bianco und der L`U Umbria IGT Rosso. Zudem sind Lungarottis BREZZA Umbria IGT Bianco bzw. der BREZZO Rosato Erfolgsrenner, die es mühelos auch in gutsortierte deutsche Weinhandlungen geschafft haben. Keine Frage. Das Gesamtkunstwerk Lungarotti ist allemal einen Besuch wert. Und auch für daheim Bleibende sind natürlich ein Rubesco 62 oder ein Torre di Giano 62 wunderbare Genießer-Tropfen – dies je nach Gusto mit und ohne Adriano Celentano!
Informationen:
Cantine Lungarotti: www.lungarotti.it/deu/contact
Weinmuseum MUVIT: www.muvit.it/eng
Oliven- und Ölmuseum MOO: www.muvit.it/eng/museodellolio
Landhaus/Agriturismo „Poggio alle Vigne”: www.poggioallevigne.it/en
Fotos: Cantine Lungarotti

